Flugplatz Latsch: Anwohner wehren sich gegen Lärm

Den Flugplatz Latsch nutzen mehr als vier Mal so viele Flugzeuge als noch vor fünf Jahren. Die Folge: Der Fluglärm nimmt zu, Ruhezeiten gibt es tagsüber nicht. Nach zwei Flugzeugunglücken sorgen sich die Anwohner auch um ihre Sicherheit.

Im Garten von Christian und Karin Rittner, haben sich Anwohner aus Frauenricht und Neunkirchen zusammengefunden. Sie wollen eine Bürgerinitiative "Fluglärm Weiden" gründen.
von Katrin Pasieka-Zapf Kontakt Profil

Innerhalb weniger Tage gab es auf dem Flugplatz in Latsch zwei Flugzeugunglücke – eines endete für den Piloten tödlich. Für viele Bürger, die in unmittelbarer Nähe des An- und Abflugbereichs leben, bringen diese Vorfälle das Fass nun zum Überlaufen. Sie haben Angst um ihre Sicherheit, kritisieren aber schon seit dem vergangenen Jahr das immer größer werdende Flugaufkommen und den damit verbundenen Lärm. Jetzt soll eine Bürgerinitiative gegründet werden.

„Das Flugaufkommen hat sich in fünf Jahren annähernd vervierfacht“, sagt Christian Rittner. Der 54-Jährige ist in Frauenricht aufgewachsen, kennt den Flugplatz in Latsch seit seiner Kindheit. Sein Elternhaus steht im An- und Abflugbereich. Waren es vor fünf Jahren noch 7060 Flugbewegungen, registrierte die Stadt Weiden vergangenes Jahr 25.186. Besonders seit dem Jahr 2019 habe der Flugverkehr massiv zugenommen. „Diese Entwicklung entstand sicherlich auch durch die Ansiedlung der privaten Flugschule“, sagt er. Besonders die Starts und Landungen von Ultraleichtflugzeugen haben sich in zwei Jahren fast verzehnfacht – von 2092 im Jahr 2018 auf über 19.326 im Jahr 2020.

Abstürze nur eine "abstrakte Gefahr"

Weil sich die Bürger aus Frauenricht durch das gestiegene Flugaufkommen beeinträchtigt fühlen, schrieben sie bereits im Herbst 2020 an die Stadt Weiden. „76 Anwohner haben den Brief unterzeichnet“, blickt Christian Rittner zurück. Laut Rittner, hat die Stadt das Schreiben an das Luftamt Nordbayern, mit Sitz in Nürnberg weitergeleitet. Die Antwort kam im Februar. In Bezug auf Abstürze über Wohnsiedlungen spricht das Luftamt von einer „abstrakten Gefahr“. „Die beiden Unfälle beweisen das Gegenteil“, sagt er. „Einen technischen Defekt oder einen Pilotenfehler kann es immer geben.“ Die Stadt reagierte laut Rittner, bat bei Vereinen und Luftfahrzeugbetreibern um gegenseitige Rücksichtnahme.

„Das genügt uns nicht“, sagt Rittner bei einem Treffen der Anwohner in seinem Garten. Noch im September soll es eine Infoveranstaltung mit anschließender Gründung einer Bürgerinitiative „Fluglärm Weiden“ geben. Die Forderungen sind klar. „Der Flugbetrieb muss eingeschränkt und eine Lärmschutzverordnung umgesetzt werden“, erklärt Rittner. Konkret soll es keine Flüge zu bestimmten Uhrzeiten, sowie keine Schulungsflüge an Sonn- und Feiertagen geben. Zudem sehen die Anwohner den grundsätzlichen Betrieb unter diesen Bedingungen und an diesem kritisch. „Es war nicht die Frage, ob ein solcher Unfall passiert, sondern wann“, meint Hans Babl, der in Neunkirchen wohnt. Die beiden Unfälle machen ihn betroffen, zeigen seiner Meinung nach aber auch, „wie groß das Risiko für Piloten, Rettungskräfte und Anwohner ist“. „Bei uns ist die Angst, dass es einen Absturz über unseren Häuser gibt, groß.“ Die „explosive Kraft“ eines Aufpralls auf einem Haus, mag er sich gar nicht vorstellen – auch nicht, wie viele Personen am Boden verletzt werden könnten.

Nutzung ähnlich einer Straße

„Vor allem der permanente Lärm macht uns krank“, sagt Peter Hägler. „Bei gutem Flugwetter, gibt es Starts und Landungen im Minutentakt – auch an Sonn- und Feiertagen bis in die späten Abendstunden.“ An Fronleichnam zählten die Anwohner zwischen 8.45 und 21 Uhr über 260 Flugbewegungen. „Von einem ruhigen Feiertag ist da nicht die Rede.“

Warum es keine offiziellen Ruhezeiten gibt? Beim Flugplatz in Latsch handelt es sich um einen öffentlichen Verkehrslandeplatz – ähnlich einem Bahnhof oder einer Straße. Jeder Pilot darf während der Betriebszeiten dort landen. „Derzeit ist der Flugplatz von Dienstag bis Sonntag, von 9 bis 18 Uhr geöffnet“, erklärt die Stadt Weiden auf Nachfrage. Zudem darf eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang und eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang geflogen werden.

Am Montag und zu allen anderen Zeiten gilt die PPR-Regelung. Die Abkürzung steht für „Prior Permission Required“, was übersetzt „vorherige Genehmigung erforderlich“ bedeutet. „Die PPR-Regelung bedeutet, dass ein Pilot sich vorab am Flugplatz erkundigen muss, ob ein Flugleiter anwesend ist“, erklärt das Luftamt Nordbayern. Der Flugleiter kann den Start oder die Landung beobachten und Rettungsmaßnahmen einleiten, sollten diese notwendig sein. Apropos Rettung: „Die Flüge des ansässigen Rettungshubschraubers nehmen wir explizit aus unserer Beschwerde aus“, sagt Peter Hägler.

Alternative Platzrunde 2005 entwickelt

Ein weitere Forderung der Anwohner: eine verbindliche Einhaltung, beziehungsweise Verlegung der Platzrunde. Die Flugschule Ostbayern entwickelte bereits im Jahr 2005 eine alternative Route. Diese führt an Frauenricht und Neunkirchen vorbei, sei deshalb weniger lärmintensiv. Warum die geänderte, anwohnerfreundliche Platzrunde heute noch nicht gilt? „Sie wurde damals von der Stadt Weiden nicht bei der Deutschen Gesellschaft für Flugsicherung beantragt“, sagt Rittner.

Oberpfalz-Medien berichtete im Februar 2008 über die alternative Platzrunde die „irgendwo versandet zu sein“ scheint. Auf Nachfrage teilte Bürgermeister Lothar Höher mit, dass ihm zwar keine Änderungswünsche bekannt seien, er der Sache aber nachgehen werde. Ihm ist es wichtig, dass sich alle Interessensgruppen zusammensetzen und über das Themas sprechen. „Nur so lässt sich eine Lösung finden.“

Ermittlungen nach zweitem Flugunglück in Latsch dauern an

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Hintergrund:

Vor 25 Jahren: Ausbau Flugplatz Latsch scheitert

  • 1996 sollte der Flugplatz Latsch ausgebaut, dafür Bäume in Weiden West für eine Flugschneise gefällt werden.
  • Gründe für den Ausbau: Stärkung des Wirtschaftsstandorts, Sicherung von Arbeitsplätzen.
  • Dr. Edgar Niklas und Peter Frömmer gründen zusammen mit dem Vereinskartell Weiden West eine Bürgerinitiative gegen den Ausbau. Unterstützer gab es aus allen Parteien wie Bürgermeister Lothar Höher und dem ehemaligen SPD-Stadtrat Reinhard Hese.
  • Die Geschäftsmänner Karlheinz Friedmann, Gerald Recknagel und der Arzt Norbert Simons gründen die Gegenbewegung „Weniger Lärm – mehr Sicherheit“ und sammeln Unterschriften für den Ausbau.
  • Am 24. November 1996 kommt es zum Bürgerentscheid: 76 Prozent sind gegen den Ausbau.
  • Im Stadtteil Weiden-West stimmen 91 Prozent der Wähler gegen das Vorhaben.

 

 

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