24.08.2021 - 17:02 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Nach dem tödlichen Absturz in Latsch: Wie gefährlich sind Ultraleichtflugzeuge?

Bei einem Flugunfall in Latsch kam der Pilot ums Leben. Ein Feuerwehrmann und ein Fluglehrer erklären, warum Einsätze wie dieser gefährlich sind – und die Lizenzen für die leichten Flieger total im Trend liegen.

Mit einem ähnlichen Modell wie diesem Ultraleichtflugzeug ist der 74-jährige Pilot am Samstag in Latsch bei Weiden abgestürzt. Er überlebte den Unfall nicht.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

Als am Samstag am Flugplatz in Latsch bei Weiden ein Ultraleichtflugzeug abstürzt und der 74-jährige Pilot sein Leben verliert, ist auch Thomas Weismeier (56) im Einsatz. Für den Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Frauenricht ist es der zweite Flugzeugabsturz in seiner 38-jährigen Feuerwehrlaufbahn, den er als Einsatzkraft miterlebt.

"Ich war froh, dass wir erst im vergangenen Jahr ein Seminar zu dem Thema hatten", sagt er. Für den Piloten kam am Samstag jede Hilfe zu spät, ist sich auch Weismeier sicher. Trotz sofort eingeleiteter Löschmaßnahmen durch die Feuerwehren Weiden, Frauenricht und Neunkirchen brannte das Flugzeug komplett aus.

Der Bericht zum Flugzeugabsturz in Latsch am Samstag

Weiden in der Oberpfalz

Rettungsystem vorgeschrieben

Um auf Einsätze wie diesen besser vorbereitet zu sein, besuchte Weismeier ein Seminar der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Regensburg. Ein Inhalt dabei: die Tücken von Ultraleichtflugzeugen. Das gefährlichste für die Einsatzkräfte an diesen Flugzeugen sei das integrierte Rettungssystem, erklärt Weismeier. Der Einbau eines solchen ist in Deutschland bei Ultraleichtflugzeugen vorgeschrieben. "Das ist eine Treibladung in einem Gehäuse, die der Pilot über einen Hebel im Cockpit auslösen kann, wenn er merkt, dass er abschmiert." Dann öffnet sich eine Art Rettungsschirm, die den ganzen Flieger zu Boden geleitet. "Dabei fallen die Flugzeuge immer noch schnell, aber es ist trotzdem besser als ohne."

Bei dem Unfall in Weiden hätte aber auch das Rettungssystem nicht mehr helfen können, meint Weismeier. "Die 20 Meter aus denen der Pilot abgestürzt ist, reichen dafür nicht." Wenn bei einem Absturz nicht feststeht, ob das System ausgelöst wurde, müssen die Feuerwehrleute beim Eintreffen an der Unglücksstelle Vorsicht walten lassen, da möglicherweise Explosionsgefahr besteht. "Noch gefährlicher ist es nur bei Düsenjets, die 26 Kilo Hydrazin zur Strom-Notversorgung mitführen. Da würden wir nicht mehr hingehen", sagt Weismeier. In der Regel würden dann auch Spezialisten die Feuerwehren unterstützen. Ansonsten würde sich der Einsatz für die Feuerwehr bei einem Flugzeugabsturz vom Ablauf her kaum von dem bei einem Autounfall unterscheiden. Wichtig, sei es vor allem, schnell vorhandene Betriebsstoffe festzustellen.

Auf Beschriftung achten

Dazu achtet Weismeier zum Beispiel auf die Beschriftung eines Flugzeuges. Ein "M" steht für das Ultraleichtflugzeug, "das dann eben auch das Rettungssystem mitführt". Während das Rettungssystem in den Ultraleichtflugzeugen eine mögliche Gefahr für Einsatzkräfte bei einem Absturz darstellt, kann es für die Piloten ein Plus an Sicherheit sein.

Anton Moll, Ausbildungsleiter, Fluglehrer und Geschäftsführer bei der A.M. Flugwelt GmbH, erklärt im Gespräch mit Oberpfalz-Medien warum immer mehr Menschen sich für die leichten Flieger interessieren. Um überhaupt ein Ultraleichtflugzeug – das seinen Namen seinem geringen Gewicht bis 600 Kilo verdankt – fliegen zu können, braucht es eine Sportpilotenlizenz. Schwerere Fluggeräte lassen sich nur mit einer Privatpilotenlizenz (zunächst bis zwei Tonnen; mit Zusatzausbildung auch mehr) fliegen.

"Nicht heikler als mit anderen Fliegern"

Um die Sportpilotenlizenz zu erwerben, gilt es Theorie- und Praxisteil sowie eine Prüfung zu absolvieren. Insgesamt 30 Pflichtstunden, fünf Stunden Solo-Flüge, 40 Solo-Landungen und mehr stehen für die Flugschüler auf dem Programm. Hinsichtlich der Flugeigenschaften würden Ultraleichtflugzeuge anderen Fluggeräten in nichts nach stehen, erklärt Anton Moll. "Nur Nachtflüge sind nicht möglich, der Rest ist genauso. Das lässt sich nicht trennen."

So gebe es beim Fliegen der Ultraleichtflugzeuge auch nicht mehr oder schwierigere Herausforderungen als in anderen Fliegern. "Das ist nicht heikler als mit anderen Fluggeräten." Die Nachfrage nach Lizenzen im Allgemeinen sei in den vergangenen Jahren stabil geblieben. Die Nachfrage nach Sportpilotenlizenzen – mit der man auch die Ultraleichtflugzeuge fliegen kann – hat aber spürbar zugenommen, sagt Moll. "Früher war es ungefähr halb, halb. Mittlerweile machen rund 80 bis 85 Prozent die Sportpilotenlizenz."

Deutlich kostengünstiger

Der große Vorteil der Ultraleichtflugzeuge ist vor allem finanzieller Art: Wegen des geringeren Gewichts, wird weniger Leistung benötigt. Diese zeigt sich letztendlich in weniger Spritverbrauch und damit einem günstigeren Preis für das Fliegen. Nicht zuletzt seien die Sportflieger aber einfach modern gebaut. Auch hier gebe es schnellere oder gemütlichere Modelle. "Es steigen schon viele Leute um", stellt Moll fest.

Das Modell mit dem am Samstag der Unfall passiert ist, nennt der Fluglehrer ein "Standardmodell", das auch für Einsteiger geeignet sei. Warum das Ultraleichtflugzeug auf dem Flugplatz in Latsch abstürzte, steht noch nicht endgültig fest. Wie das Polizeipräsidium Oberpfalz am Montag mitteilte, wird nach derzeitigem Stand ein technischer Defekt oder ein Fremdverschulden durch Dritte ausgeschlossen.

Die bisherigen Erkenntnisse zum Flugzeugabsturz in Latsch

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Ultraleichtflugzeuge

  • Können mit einer Sportpilotenlizenz geflogen werden; Ausbildung mit theoretischem und praktischem Teil
  • Mindestalter für Lizenz: bei nicht-motorgetriebenen Luftsportgeräten 16 Jahre; für motorgetriebene 17 Jahre
  • Maximalgewicht bis 600 Kilo
  • Pflicht mit einem Gesamtrettungssystem ausgestattet zu sein
  • Nicht ausgelöstes Rettungssystem kann bei Absturz für Explosionsgefahr sorgen

"Mittlerweile machen rund 80 bis 85 Prozent die Sportpilotenlizenz."

Anton Moll, Ausbildungsleiter, Fluglehrer und Geschäftsführer bei der Flugwelt

Anton Moll, Ausbildungsleiter, Fluglehrer und Geschäftsführer bei der Flugwelt

 

 

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