21.01.2020 - 18:29 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Christkindlmarkt Weiden: Kampf um andere Ausschreibungsfristen

Super sei der Christkindlmarkt Weiden gelaufen, den die Stadt 2019 erstmals wieder stemmte. Verwechslungsgefahr mit Nürnberg oder Dresden bestünde gar, schwärmt die Stadtverwaltung. Trotzdem pocht die SPD auf eine gravierende Änderung.

Der Weidener Christkindlmarkt 2019 kommt gut an. Trotzdem sorgt der Markt auch Ende Januar noch für Diskussionen.
von Simone Baumgärtner Kontakt Profil

"Oh du fröhliche" ist nur die eine Seite des Weidener Christkindlmarktes unter Regie der Stadt. Die aber zu betonen, will Rechtsdezernentin Nicole Hammerl in der Stadtratssitzung am Montag nicht müde werden. "Dieser Christkindlmarkt war aus unserer Sicht eine Erfolgsgeschichte." Die Fieranten würden diese Meinung teilen. Die Besucher wohl mit Blick auf ihr zahlreiches Kommen auch. Eine Dankrede an alle Organisatoren um Marktmeister Peter Rackl schließt sich an. "Wir brauchen für die Aufgabenerfüllung nicht immer Dritte."

"Ein toller Markt", pflichtet Heiner Vierling (CSU) bei, der nicht schlecht geredet werden dürfe. Und Rainer Sindersberger (Bürgerliste) sagt: "Für unseren Weihnachtsmarkt muss man eine Lanze brechen." Jeder bekommt Applaus. Wo dann das Problem liegt? "Das ist eine glatte Themaverfehlung", kritisiert Stefan Loew (SPD): "Diese Diskussion hat nichts, aber auch gar nichts mit unserem Antrag zu tun."

Darin forderte die SPD, vertreten von Brigitte Schwarz, Informationen zu den Ausschreibungsmodalitäten: Wie wurde für den Weidener Christkindlmarkt 2019 ausgeschrieben, wann über die Platzvergabe informiert? Zudem wollen die Genossen bei der Stadt erreichen, die Ausschreibungsergebnisse früher mitzuteilen, damit die Marktkaufleute Planungssicherheit bekommen. Bewerbungsschluss und Bescheidversand sollten mit 30. Juni und

31. Juli jeweils einen Monat früher erfolgen.

Weniger Plätze als Bewerbungen

Früher, also unter Regie der Marktkaufleute, sei der Bewerbungsschluss am 31. Oktober gewesen, erinnert sich die Rechtsdezernentin: "Da gab's auch keine Beschwerden." Nun besage die Marktsatzung, Bewerbungsschluss sei Ende Juli, im August 2020 sollen die Vergabeentscheidungen getroffen werden. 2019 habe das nicht geklappt. Die Absagen gingen erst am 24. Oktober raus. "Das ist natürlich nicht unser Anspruch, aber wir wollten nicht gleich nach mehr Personal schreien", meint Hammerl und ergänzt: "Ich habe wegen des beschränkten Kontingents mehr als 20 Ablehnungsbescheide unterzeichnet, keine Unterschrift ist mir leicht gefallen." Dann verspricht sie, die Stadt wird sich künftig wie in der Marktsatzung vorgegeben an August orientieren.

Das taugt Rainer Sindersberger. So käme bestimmt auch Ruhe bei den Marktkaufleuten rein. Auch Heiner Vierling (CSU) kritisiert die späten Absagen, auf die man nur schwer reagieren könne. Zugleich betont der CSU-Stadtrat aber, Marktkaufleute seien auch Unternehmer. Als solche müssten sie unternehmerisch handeln und sich schlicht auf mehrere Standbeine stellen, sprich an diversen Orten Bewerbungen einreichen. Zumal die Marktkaufleute nun ja wüssten, dass die Ausschreibung in Weiden ab sofort "freier läuft".

Stadtrat entscheidet künftig über Vergaberichtlinien

Stefan Loew (SPD) ist das nicht genug. Die Stadt als Ausrichter sei genauso unbestritten wie die Zufriedenheit der Kunden und Fieranten. "In etwas verdrehten Worten hat Frau Hammerl auch eine Entschuldigung für die späten Ausgabe der Ablehnungsbescheide gefunden." Der Punkt der SPD sei nunmal, die Zustellung der Bescheide auf den 31. Juli vorzuverlegen. Die anders lautende Marktsatzung hindere daran nicht: "Dann sehen Sie bitteschön den SPD-Antrag als Antrag auf Änderung der Marktsatzung." Entsprechend groß ist die Empörung in Teilen des Stadtrats, als Oberbürgermeister Seggewiß später die Diskussion nicht mit einem Entschluss, sondern mit den Worten schließen will: "Der Bericht diente zur Kenntnisnahme." Im Saal rumort es. Dezernenten und die Bürgermeister tuscheln. Bis sich die Rechtsdezernentin erneut zum Rednerpult begibt.

Dort rückt Hammerl damit heraus, im kommenden Jahr bereit zu sein, der Forderung der SPD um Vorverlegung der Ausschreibungsergebnisse Ende Juli zu entsprechen. Heuer ginge es nicht, weil die Verwaltung plane, den Stadträten im März die Vergaberichtlinien für den Weidener Christkindlmarkt zur Entscheidung vorzulegen. Folglich würde erst im April statt wie bisher im März ausgeschrieben. Für die Bewerbung bliebe bei einer zeitgleichen Vorverlegung der Verkündung der Ausschreibungsergebnisse demnach noch weniger Zeit. Folglich soll es heuer bei den in der Marktsatzung festgeschriebenen Zeiten bleiben. Das große Aber folgt trotzdem: "Wenn Sie wollen, können wir das Bewerbungsende im kommenden Jahr auf den 30.6. abändern. Ob wir dann die Entscheidung bis zum 31.7. hinbekommen, kann ich aber nicht garantieren." Marktmeister Rackl sei einfach zu dick drin mit der Organisation und Abrechnung des Frühlingsfests, mit den Bewerbungen für den Kathreinmarkt, mit dem Volksfest. "Realistisch ist, dass bis Ende August die Entscheidungen getroffen sind. Für Ende Juli möchte ich meine Hand nicht ins Feuer legen."

Neue Diskussion 2021

Das wird Hammerl aber eventuell tun müssen. Denn das Gremium beschließt gegen drei Stimmen, die fürchten, der Personalbedarf könnte deshalb steigen, die Verwaltung wird für die kommenden Jahre beauftragt, das Ergebnis der Ausschreibung den Marktkaufleuten bis zum Juli mitzuteilen, so dass diese Planungssicherheit haben. "Für heuer kriegen wir's nicht hin", betont der Oberbürgermeister unter Protestgemurmel und schiebt nach: "Da haben wir einen neuen Oberbürgermeister. Da können Sie dann alles richten."

Hintergrund:

Weidener Christkindlmarkt wechselt Standort

Fast beiläufig erklärt Oberbürgermeister Kurt Seggewiß, der Christkindlmarkt 2020 wird nicht erweitert, er wird komplett versetzt. Vom Oberen auf den Unteren Markt. Dort gebe es mehr Platz. Nur noch die Elektrofachplanung müsse mit Blick auf den gestiegenen Starkstrombedarf optimiert werden. Den Auftrag dafür habe der Baudezernent bereits. Doch auch der Stadtrat sei gefordert: Er müsse dafür natürlich Geld in die Hand nehmen. Das wirft Fragen im Gremium auf.

Was passiert dann mit dem Wochenmarkt, will etwa Karl Bärnklau von den Grünen wissen. Er öffne in dieser Zeit am Oberen Markt, erklärt Seggewiß. Baudezernent Oliver Seidel informiert, dass wegen der Verlegung neuer Stromleitungen am Unteren Markt bereits eine städtebauliche Konzeption beauftragt wurde. Diese werde im ersten Halbjahr den konkreten Bedarf abklären, der auch für sämtliche andere Feste an diesem Ort bestünde. Danach kann sich Seidel eine Zweistufigkeit gut vorstellen. Im ersten Schritt würde die Elektrik der öffentlichen Toiletten am Unteren Markt angezapft. Im zweiten Schritt könnte es ein Provisorium geben. Und am Ende wird dann gegraben und verlegt, wobei "wir alle im Stadtrat noch diskutieren, wie der Untere Markt ausschauen soll", fürchtet Karl-Heinz Schell (SPD). Doch der Oberbürgermeister beruhigt: Hier werde nicht vorschnell gehandelt.

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