08.07.2021 - 11:16 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Clubs und Diskotheken seit 16 Monaten geschlossen: Wann darf wieder getanzt werden?

Mitte März 2020 hatten Clubs und Diskotheken in Weiden und im Landkreis Neustadt zum letzten Mal geöffnet. Seitdem sind 16 Monate vergangenen. Die Betreiber sind frustriert. Wann darf wieder getanzt werden?

"Hashtag"-Chef Daniel Zienert ist nicht zum Lachen zumute. Seit 15. März 2020 hat sein Club in der Weidener Altstadt geschlossen.
von Michaela Lowak Kontakt Profil

"Hashtag" Weiden

"Wir in Bayern sind wahrscheinlich die letzten, die irgendwann öffnen dürfen", vermutet Daniel Zienert vom "Hashtag" in Weiden. Seit 15. März 2020 hat sein Club im Herzen der Altstadt geschlossen. "Und jetzt sitze ich immer noch da und es passiert nichts", bedauert er. "Wie viele Infizierte gibt es momentan in Weiden? Null! Was wird im Winter sein, dann sind wir wieder die Gelackmeierten", sagt Zienert. In Brandenburg dürften Clubs probehalber wieder öffnen, habe er vor wenigen Tagen gelesen.

Doch der 36-Jährige will nicht jammern. Die Überbrückungshilfe III sei bis Ende September verlängert worden. "Natürlich bin ich am Anfang in Vorleistung gegangen, doch jetzt läuft's." Ein Kumpel habe von Verwandten aus der Türkei erzählt, die eine Bar besitzen. Dort gebe es nichts.

Dennoch würde er sein Lokal gerne wieder aufsperren. "Keller und Dachboden sind aufgeräumt. Langsam gehen mir die Sachen aus, die ich noch machen könnte", schmunzelt er. Bei Ramasuri, wo er früher schon als Moderator gearbeitet hatte, hätte er wieder anfangen können. Doch der Steuerberater riet davon ab: "Sie dürfen nebenbei kein Geld verdienen."

Wie's weitergeht, weiß Daniel Zienert auch nicht? "Ich hatte 48 Angestellte", erzählt er. "Sind die alle wieder da, wenn's losgeht?" Auch die Frage nach dem Partyverhalten der Leute sei spannend. "Feiern alle noch so wie vor Corona?" Eine Öffnung mit Beschränkung der Besucherzahlen sieht er kritisch. An den Wochenende habe er zwischen 300 und 500 Gäste. "Was ist, wenn nur wenige reindürfen und der Rest steht vor der Tür?" Das könne man den Anwohnern in der Altstadt nicht zumuten.

"La Belle" in Waidhaus

Obwohl die Diskothek "La Belle" in Waidhaus vor Corona nur zwei Mal im Monat offen hatte, wird dem Betreiber Michael Braun ganz schwer ums Herz, wenn er nur dran denkt, dass er seit über einem Jahr geschlossen hat. Natürlich gebe es Kosten, die weiter laufen. Und natürlich habe die Familie in dieser Zeit hauptsächlich von der Arbeit seiner Frau gelebt, doch das Schlimmste sei für ihn, nicht mehr hinterm Tresen stehen zu dürfen. "Ich habe das gelebt, dieser Job ist für mich Leidenschaft pur", erzählt er. "Man kennt die Leute, und die Leute kennen mich. Man ist nicht nur Gastronom, sondern auch Zuhörer und Psychologe." 70 Prozent der Discobesucher seien Stammgäste gewesen. "Von denen weiß ich sogar, was sie trinken. Da musste ich gar nicht mehr fragen." Man könne das nicht beschreiben: "Einmal Tresen, immer Tresen."

Besonders vermisst habe er das Geschehen in der Disco am ersten Weihnachtsfeiertag. "Im vergangenen Jahr waren wir an diesem Tag zum ersten Mal zu Hause", erinnert sich Braun. "Ich habe auf die Uhr geschaut und zu meiner Frau gesagt: Jetzt wären die ersten Gäste schon da." Die Pause habe er genutzt, um Heizungsrohre zu isolieren, den Dachboden aufzuräumen und das Büro neu zu strukturieren. "Wir haben uns auch überlegt, Public Viewing anzubieten, mit festen Sitzplätzen und einem Hygienekonzept. Doch weil wir eine Disco sind, hat uns das Landratsamt das nicht genehmigt." Sein Wunsch für Zukunft: "Ich möchte heuer am ersten Weihnachtsfeiertag einen halbwegs vernünftigen Abend erleben."

"Monkey" in Weiden

"Die letzte Veranstaltung, die wir hatten, war die Ü-30-Party am 1. März 2020", erinnert sich Susanne Bauer, Chefin vom "Monkey" in Weiden. "Seitdem ist zu." Besonders bitter: Da das "Monkey" erst im Dezember 2019 eröffnet hatte und im März 2020 gerade mal drei Monate in Betrieb war, ist auch die staatliche Unterstützung sehr überschaubar. "Wir hatten 2019 zu wenig offen, um die volle Hilfe zu bekommen", bedauert sie. "Das ist eine harte Nummer." Wenn die Bank nicht so kulant sei, könne man Insolvenz anmelden. Bauer macht sich keine Hoffnungen auf eine schnelle Öffnung. Söder habe erst kürzlich gesagt, dass vor Ende September nicht damit zu rechnen sei. Erst wenn die Mehrheit der jungen Leute geimpft sei, könnten auch Clubs und Diskotheken wieder zur Normalität zurückkehren.

Doch ob dann alles so ist wie früher, sei dahingestellt. Insgesamt sei die Lage sehr schwierig. "Die Leute sind zurückhaltend, wenn es um den Kauf von Konzerttickets geht", weiß die "Monkey"-Betreiberin von Bekannten. Auch um die Disco-Betrieb wieder komplett hochzufahren, bedarf es einiges an Kraftanstrengung. "Die Eiswürfelmaschine funktioniert durch das lange Stehen nicht mehr. Da sind die Dichtungen kaputt."

"Flashback" in Grafenwöhr

Ramona Löschers Nerven liegen blank. "Wir haben seit 15. März 2020 geschlossen, und jetzt sagt die Gema, ich müsste 10.000 Euro nachzahlen", ärgert sich die Betreiberin der Diskothek "Flashback" in Grafenwöhr. Erst heute habe sich mit einer Mitarbeiterin darüber diskutiert. "Die behauptet, ich hätte mich abmelden müssen", sagt sie. "Doch das habe ich ja gemacht. Ich zahle doch nicht für etwas, das ich nicht genutzt habe." Löscher will aber nicht nur meckern. Bei den Versicherung sei es dagegen ganz unkompliziert gelaufen. "Die sind bis September ausgesetzt."

Die "Flashback"-Chefin glaubt jedoch nicht so recht, dass es im Herbst reibungslos wieder anläuft. "Mir geht's bescheiden", antwortet sie auf Nachfrage. Natürlich laufe die Unterstützung. "Aber das ist ein Tropfen auf den heißen Stein", sagt die Gastronomin. "Ich muss ja auch noch Miete zahlen und habe private Ausgaben. Man schränkt sich eh schon ein." Die vergangenen Monate hat sie genutzt, um die Räumlichkeiten den aktuellen Sicherheitsvorkehrungen anzupassen. "Es darf nichts mehr aus Holz sein, sondern nur noch Metall."

Ramona Löscher hat kurz überlegt, das Handtuch zu werfen und sich einen anderen Job zu suchen. "Doch ich bin 57 Jahre alt, da krieg ich nichts mehr", vermutet sie. Außerdem sei die Konzession weg, wenn sie jetzt etwas anderes machen würde. Von einem eingeschränkten Probebetrieb mit 50 oder 60 Leute im Club hält sie nichts. "Das würde bei uns nicht funktionieren, denn alle, die dann nicht reindürfen, würden vor der Tür stehen", sagt sie.

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Info:

Das gilt aktuell für Clubs und Diskotheken

  • Seit 16 Monaten haben Clubs und Diskotheken in Bayern geschlossen.
  • Die Zahlen der Neuinfizierten mit dem Coronavirus sind deutlich zurückgegangen, dennoch gibt es keine Öffnungsperspektive.
  • In anderen Bundesländern, wie zum Beispiel in Brandenburg, haben Clubs unter Auflagen wieder geöffnet.
  • Laut Ministerpräsident Markus Söder ist mit einer Öffnung vor Ende September nicht zu rechnen.

 

 

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