10.12.2020 - 13:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Corona: Alarm im Altenheim in Grafenwöhr, Engpass im Klinikum Weiden

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Die Kapazität in Corona-Testzentren ist ausgereizt. Nahezu alle Corona-Betten bei der Kliniken Nordoberpfalz AG sind belegt. Die Regierung muss bereits eine „mobile Teststrecke“ zu einem Altenheim mit Corona-Verdacht schicken. Es wird eng.

Ab 14. Dezember konzentrieren sich alle Geburten in der Region auf das Klinikum in Weiden. Um Platz für Corona-Patienten zu schaffen, wird die Geburtshilfe in Tirschenreuth vorübergehend geschlossen. Das "Christkindl 2020" aus der Region kommt also in einem der Weidener Kreißsäle (im Bild) zur Welt.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Von Josef Johann Wieder und Stefan Neidl

Helle Aufregung im Seniorenheim St. Sebastian in Grafenwöhr. Hat man sich plötzlich den Covid-19-Virus eingefangen? Nach der Rückkehr einer Bewohnerin ins Haus meldet am Wochenende ein Arzt bei der Heimleiterin, dass diese Frau Kontakt zu jemanden hatte, der jetzt positiv getestet wurde. Am Wochenende sind zunächst die zuständigen Behörden nicht erreichbar. Am Montag informiert die Heimleiterin das Gesundheitsamt über den Vorfall.

Hilfe aus Regensburg

Das Gesundheitsamt Neustadt/WN sieht sich zunächst aufgrund der hohen Belastung nicht in der Lage, sofort Tests im Seniorenheim durchzuführen. Es forderte darum, so bestätigt Regierungssprecher Markus Roth, die "mobile Teststrecke" der Regierung an. Am Mittwoch wurden von 9.30 bis 13.30 Uhr in den drei Zelten rund 130 Tests durchgeführt. Ergebnisse liegen noch nicht vor. Aber weder Heimbewohner noch Mitarbeiter zeigen bisher Symptome. Die betroffene Bewohnerin wurde vorsorglich zur Quarantäne ins Krankenhaus nach Tirschenreuth gebracht. Bei Engpässen könnte das Gesundheitsamt die mobile Teststrecke der Regierung der Oberpfalz anfordern, erklärt Claudia Prößl, Sprecherin des Landkreises Neustadt/WN. "Dieses Vorgehen hat sich schon bei mehreren Reihentestungen bewährt."

Geburtshilfe in Tirschenreuth zu

Aufgrund der dramatischen Entwicklung bei den Corona-Erkrankungen sieht sich die Kliniken Nordoberpfalz AG zu weiteren tiefgreifenden Maßnahmen gezwungen. Es sei immer noch keine Entspannung bei der Zahl der zu behandelnden Covid-19-Patienten zu verzeichnen, erläutert Kliniken-Sprecher Michael Reindl am Mittwoch. Um Kapazitäten für einen möglichen weiteren Anstieg der Patientenzahlen zu schaffen, werde die Geburtshilfe am Krankenhaus Tirschenreuth ab Montag, 14. Dezember 2020, vorübergehend geschlossen.

Geburten nur noch in Weiden

Mit dieser Maßnahme, die schon bei der ersten Welle im Frühjahr umgesetzt wurde, werden Entbindungen im Klinikverbund ab der kommenden Woche vorübergehend nur noch am Klinikum Weiden möglich sein. „Speziell am Krankenhaus Tirschenreuth können wir so Kapazitäten für die Behandlung von Covid-19-Patienten schaffen. Die ambulante Versorgung mit einem geburtshilflich erfahrenen Arzt ist über das MVZ St.-Peter-Straße aber weiterhin gewährleistet“, verspricht Michaela Hutzler, Medizinische Direktorin. Terminvereinbarungen können unter 09631/3300 oder 09631/79307 vorgenommen werden. Hier werden auch Geburtsplanungen aus dem Raum Tirschenreuth für das Klinikum Weiden durchgeführt.

Sobald das Infektionsgeschehen es zulässt, werde die Frauenklinik in Tirschenreuth wieder eröffnet. Am Klinikum Weiden stehe die Geburtshilfe in vollem Umfang zur Verfügung. Der Zugang für die Aufnahme zur Entbindung erfolgt ausschließlich über die Notaufnahme, unterstreicht Reindl.

An allen Standorten des Klinikverbunds werden elektive Eingriffe und Operationen weiterhin nur in reduziertem Maß durchgeführt. Dringliche Eingriffe und Notfalloperationen sind weiterhin möglich. Sowohl für die Behandlung von Covid-19- als auch traumatologischen Patienten werden Intensivkapazitäten freigehalten.

Verständnis für Besuchsverbot

Positiv aufgenommen werde das seit zwei Wochen geltende Besuchsverbot im Klinikverbund. „Wir wissen, dass es sich um einschneidende Maßnahmen handelt und bedauern diese. Für das Verständnis bedanken wir uns bei allen Patienten sowie deren Angehörigen“, betont Vorstand Dr. Thomas Egginger. Möglich sei der Besuch nur noch in begründeten Ausnahmefällen. Beispielsweise dürften Eltern und Sorgeberechtigte der kleinsten Patienten in der Kinderklinik ihre Kinder weiterhin besuchen. Auch bei Geburten bleibe eine Begleitung möglich. Während des stationären Aufenthaltes nach der Geburt dürfen Väter Mutter und Kind einmal pro Tag für zwei Stunden besuchen. Die bisher gültigen Besuchszeiten (12 bis 18 Uhr) haben hier weiterhin Bestand. Auch die Begleitung von schwerstkranken und sterbenden Patienten ist nach vorheriger Anmeldung auf der Station weiterhin möglich.

Info:

Isolierstationen immer stärker belegt

  • Belegung am 24. November: Isolierstation Weiden 29 Corona-Patienten, Tirschenreuth 10 Patienten. Intensiv in Weiden 8, in Tirschenreuth 4.
  • Belegung am 27. November: Isolierstation Weiden 42 Corona-Patienten, Tirschenreuth 13 sowie intensiv in Weiden 6 und Tirschenreuth 7.
  • Belegung am 9. Dezember: Isolierstation Weiden 55 Corona-Patienten, Tirschenreuth 35. Intensivmedizinisch betreut werden müssen in Weiden 10 und in Tirschenreuth 7 Corona-Patienten.

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