21.06.2020 - 12:39 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Coronakrise: Weniger Kriminalität und Unfälle, mehr Zigarettenschmuggel

Geschlossene Grenzen, besondere hygienische Vorschriften, verändertes Alltagsleben: Die Coronakrise hat sich auch auf die Arbeit von Polizei und Zoll ausgewirkt. Umgestellt haben sich zudem Kriminelle.

Stark angestiegen ist während der Coronakrise laut Michael Lochner, Pressesprecher beim Hauptzollamt Regensburg, der Zigarettenschmuggel. Die Schmuggler setzten dabei auf den Postweg.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

"Das Kontrollgeschehen läuft auf normalem Niveau weiter", so Michael Lochner, Pressesprecher beim Hauptzollamt in Regensburg und damit auch zuständig für das Zollamt Weiden-Waidhaus. Er betont gegenüber Oberpfalz-Medien ebenso wie Thomas Fritsch, Sprecher der Weidener Polizeiinspektion, und Franz Völkl von der Bundespolizeiinspektion Waidhaus, ihre Dienststellen würden in der Coronakrise zuverlässig ihre Arbeit machen. Allerdings sind die Umstände teilweise doch besonders. Und die Krise dürfte Auswirkungen auf die Kriminalstatistik haben. Zwar gibt es noch keine konkreten Fallzahlen, eine Tendenz sei aber durchaus sichtbar.

Zigarettenschmuggel per Post

"Auf Grund der Grenzschließung zur Tschechischen Republik gingen die Schmuggeltätigkeiten im grenzüberschreitenden Reiseverkehr zurück", sagt etwa Michael Lochner vom Hauptzollamt. Allerdings verzeichneten die Zöllner der Kontrolleinheiten Verkehrswege einen starken Anstieg beim Zigarettenschmuggel. Die Schmuggler setzten dabei auf den Postweg: Der Großteil der Zigaretten sei in Fahrzeugen von Paketdienstleistern, die Postsendungen von Tschechien nach Deutschland befördern, transportiert worden. "Die Schmuggelware befand sich ausnahmslos in Paketen, die an in Deutschland wohnende Empfänger adressiert waren", so Lochner. So hatte zum Beispiel Mitte Mai ein 24-jähriger Lkw-Fahrer, den Zollbeamte nahe Waidhaus aus dem Verkehr gezogen hatten, fast 16 000 in Kühlboxen und Styroporwürfeln versteckte Schmuggelzigaretten – etwa 83 Stangen Zigaretten – an Bord. Mit Hilfe eines Tabakspürhundes hatten die Zöllner einen Steuerschaden von rund 3000 Euro verhindert.

Auf Masken, Desinfektionsmittel, Schutzausrüstung oder gefälschte Medikamente haben sich Schmuggler während der Krise offenbar nicht spezialisiert. Zumindest sei hier keine signifikante Veränderung der Schmuggeltätigkeiten erkennbar, so Lochner.

Hilferuf von Apotheke

Besonders in Erinnerung bleibt beim Hauptzollamt eine Anfrage der Apotheke des Uniklinikums Regensburg zu Beginn der Pandemie, als Desinfektionsmittel auf dem Markt nicht mehr zu bekommen waren. Die Apotheke bat den Zoll auf der Suche nach Alkohol um Unterstützung. Und siehe da: "Die Bediensteten der beteiligten Sachgebiete vermittelten entsprechende Kontakte zwischen der Apotheke und den Alkoholproduzenten." Denn der für Desinfektionsmittel benötigte Alkohol wird in Brennereien erzeugt und unterliegt der Steueraufsicht durch das Hauptzollamt. Lochner beschreibt das ungewöhnliche Vorgehen: "Es war erforderlich, dass bei jeder Abholung von Alkohol bei den Brennereien, zum Teil auch in der nördlichen Oberpfalz, ein Steueraufsichtsbeamter vor Ort sein musste. So fertigten die beiden eingesetzten Bediensteten – auch am Wochenende – circa 44 000 Liter Alkohol für die Herstellung von Desinfektionsmitteln ab." Das half bei der Überbrückung der Lieferengpässe. Das Klinikum bedankte sich mit einer Urkunde.

Weniger Einsätze für die Polizei

Gute Nachrichten vermeldet Thomas Fritsch, Sprecher der Polizeiinspektion Weiden. "Grundsätzlich kann gesagt werden, dass die Straftaten im Zuständigkeitsbereich der Inspektion zurückgegangen sind." Zwischen Mitte März und Mitte Mai hatten seine Kollegen 1650 Einsätze zu bearbeiten – laut dem Polizeihauptkommissar 130 Einsätze weniger als im selben Zeitraum des Vorjahres. Weniger geworden seien Einbrüche und damit verbundene Diebstähle, Verkehrsunfälle, Anzeigen wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung sowie Betäubungsmittel- und Eigentumsdelikten. Rückläufig seien zudem Anzeigen im Bereich der häuslichen Gewalt.

Mit Beginn der Pandemie kamen auf Fritschs Kollegen neue Aufgaben hinzu. So erreichten die Inspektion anfangs beispielsweise rund 30 Anrufe von Bürgern pro Tag. "Es ging um Fragen wie zum Beispiel: ‚Darf ich in ein anderes Bundesland reisen?‘, ‚Darf ich meine Tochter, meinen Bekannte(n) die/der von einem Urlaub zurückkommt, vom Flughafen abholen?‘, ‚Darf ich meine Eltern besuchen?‘ Auch Geschäftsinhaber kontaktierten uns und fragten nach, ob ihr Betrieb oder ihr Geschäft geöffnet sein darf oder öffnen kann." Von hohem zusätzlichem Arbeitsaufkommen möchte Fritsch in diesem Zusammenhang nicht sprechen: "Da es eine Aufgabe der Polizei ist, sich der Sorgen und Nöte der Bürger anzunehmen, kann hier nicht von einem Mehraufwand gesprochen werden." Inzwischen gebe es ohnehin keine Anfragen mehr. Keine besonderen Auswirkungen auf die Polizeiarbeit hätten Denunzianten gehabt. Dass Bürger mögliches Fehlverhalten der Polizei meldeten, sei aber "immer wieder" vorgekommen. Die Polizei sei diesen wie üblich nachgegangen.

Weniger Reisende und Aufgriffe

"Es galt, das richtige Gleichgewicht herauszufinden zwischen Sicherheit und der Gesundheit der eingesetzten Kräfte sowie der zu kontrollierenden Bürger", blickt Franz Völkl, Pressesprecher der Bundespolizei in Waidhaus auf die Arbeit während der Coronakrise. "Wir sind eine reine Fahndungspolizei. Wir haben die Vorgabe, möglichst viele Streifen für Kontrollen raus zu schicken." Während die Ermittlungsarbeit normal weitergegangen sei, habe in der Coronakrise vor allem die geschlossene Grenze zu Tschechien Auswirkungen auf die Arbeit seiner Kollegen gehabt. "Sie haben weiter in der Binnengrenzfahndung gearbeitet. Aber weniger Reisende bedeuten weniger Aufgriffe." Sehr deutlich zurückgegangen seien deshalb die Aufgriffe wegen illegaler Einreisen, Rauschgift-, Waffen- und Sprengstofftransporte rund um die Grenze. Kontrolliert werden konnten nur mehr Pendler und Lkw-Fahrer. Dass es nun kurz nach der Grenzöffnung ozusagen zu angestauten kriminellen Aktivitäten kommen könnte, sei möglich, aber reine Spekulation. "Wir werden unsere Fahndungsaktivitäten jedenfalls fortsetzen", so Völkl.

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