26.09.2018 - 17:37 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Zum Dank Pfefferkuchen

Die Oberpfälzer waren diesmal nicht die Ersten. Die Niederösterreicher starteten fünf Jahre früher. Gleichwohl sind zehn Jahre "Sprachinitiative Tschechisch" in Ostbayern ein Grund zum Feiern.

Pfefferkuchen aus Eger – ein Dankeschön für die Schüler, die beim Festakt in der OTH in Weiden musizieren und Theater spielen
von Alexander Pausch Kontakt Profil

(paa) Die Tschechische Republik ist das einzige nicht deutschsprachige bayerische Nachbarland. Um so wichtiger sind Sprachkenntnisse auf beiden Seiten der Grenze. Das machten der bayerische Kultusminister Bernd Sibler (CSU) und die tschechische Generalkonsulin in München, Kristina Larischová, am Mittwoch in Weiden beim Festakt zum zehnjährigen Bestehen der "Sprachinitiative Tschechisch" an Realschulen in Ostbayern deutlich.

Viel war an diesem Vormittag in der Ostbayerischen Technischen Hochschule in Weiden vom Brückenbauen, von kleinen Gesten, von der Möglichkeit den anderen in seiner Sprache zu begrüßen, und von Völkerverständigung die Rede. Dabei kommt es vor allem auf die Kinder an, unterstrich Sibler, und wandte sich direkt an die Schüler im Hörsaal: "Ihr lernt Tschechisch, ihr trefft euch mit tschechischen Freunden, ihr lebt die bayerisch-tschechische Freundschaft." Vor zehn Jahren startete die "Sprachinitiative Tschechisch" in der Oberpfalz - damals gab es ein derartiges Modell bereits seit fünf Jahren in Niederösterreich. Ein Vorbild, ließ Ladislava Holubová, Projektleiterin und Dozentin für Tschechisch an der OTH Amberg-Weiden, erkennen. Inzwischen bieten 20 Realschulen in der Oberpfalz Wahlunterricht in Tschechisch an, und fast 500 Schüler lernen die Sprache des Nachbarlandes.

Lehrbücher entwickelt

An drei Realschulen gibt es zudem die Möglichkeit, eine zentrale Abschlussprüfung im Zusatzfach Tschechisch abzulegen. In den vergangenen zehn Jahren entwickelte das Team um Holubová zwei Lehrbücher, zwei Arbeitshefte, spezielle Wörterbücher für Schüler - jeweils für die Stufe A1 und A2 - sowie Lehrmaterialien und das Zertifikat Tschechisch. Letzteres wurde mit der Karls-Universität in Prag gestaltet - und wird seit dem Jahr 2011 vergeben.

Kultusminister Bernd Sibler (CSU) lobt die „Sprachinitative Tschechisch“ als Erfolgsmodell.

Sketche auf Tschechisch

Es waren Schüler, die beim Festakt zeigten, dass der Sprachunterricht Früchte trägt. Mädchen und Buben der Grundschule Konnersreuth (Kreis Tirschenreuth) führten ein kurzes Theaterstück auf. Schüler der Realschulen Auerbach (Kreis Amberg-Sulzbach) und Vohenstrauß (Kreis Neustadt/WN) spielten Sketche - alles in tschechischer Sprache. Projektleiterin Holubová und die Tschechisch-Lehrer bedankten sich bei jedem Schüler mit einem Pfefferkuchen aus Cheb (Eger).

Dass es auch ökonomische Gründe gibt, an bayerischen Schulen die tschechische Sprache zu unterrichten, machte die tschechische Generalkonsulin deutlich.

Demnach betrug das Volumen des Handels zwischen Tschechien und Bayern vergangenes Jahr 21 Milliarden Euro - ein Viertel des Handelsvolumens zwischen Deutschland und Tschechien. Nicht ohne Stolz verwies Larischová darauf, dass Tschechien inzwischen als bayerische Handelspartner Frankreich und Großbritannien überholt habe.

Die Generalkonsulin riet den Schülern Tschechisch "nicht als Fremdsprache, sondern als Nachbarschaftsprache zu lernen". Mit Blick auf den Sprachunterricht betonte sie: "Ich bin tief überzeugt, dass nicht nur die Schüler davon profitieren, sondern die ganze Region im Herzen Europas." Europa finde nicht in Brüssel satt, sondern hier.

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