16.10.2019 - 14:25 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Demo gegen "Klimalüge" in Weiden: Der Initiator im Interview

"Samstag für CO2" statt "Fridays for Future": Helmut Bauer aus Eslarn, der sich selbst als Naturschützer bezeichnet, hat der "Klimalüge" den Kampf angesagt. Für Samstag, 19. Oktober, ruft er zur Demo in der Weidener Fußgängerzone auf.

Helmut Bauer (60) sieht sich selbst als Naturschützer. Und er betont: Die Natur brauche CO2.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

"Das Volk wehrt sich", heißt es im Logo: Der Eslarner Helmut Bauer rief die Protestaktion "gegen eine CO2-Steuer, Hubraumbesteuerung und Klimalüge" ins Leben. Für Samstag, 19. Oktober, kündigt er eine Demo vor dem Alten Rathaus in Weiden an. "Seltsam" aber, kommentiert der 60-Jährige auf Facebook: "Jeder plappert und schreit um dich herum wegen der CO2 Steuer. Planst du eine DEMO, hörst du eine Stecknadel fallen!"

ONETZ: Heißt das, Sie vermissen Zuspruch?

Helmut Bauer: Nein. Es geht eher um Reaktionen im Umfeld, zum Beispiel am Stammtisch. Wenn ich da das Thema anspreche, merke ich, dass es plötzlich ruhig wird. Da kommen keine Kommentare.

ONETZ: Woran liegt's?

Helmut Bauer: Die Leute haben wohl Hemmungen. Ich kenne das aus dem Berufsleben: Wenn du dich politisch äußern willst, heißt es, denk an den Arbeitgeber. Ich bin überzeugt, wenn das Ding mal am Laufen ist, werden die Leute immer mehr. Wie beim Widerstand gegen die WAA, den mein Schwiegervater damals mit angezettelt hat. Die sind erst zu zweit von Haus zu Haus gegangen. Daraus wurde die größte Protestbewegung des Landes.

ONETZ: Sind Sie ein Einzelkämpfer?

Helmut Bauer: Wir sind eine Gruppe, aber einige wollen sich noch im Hintergrund halten. Nach der Demonstration planen wir, aus der Interessengemeinschaft "Das grüne Band" einen gemeinnützigen Verein zu machen.

ONETZ: Verstehen Sie sich als Gegenbewegung zu "Fridays for Future"?

Helmut Bauer: Die interessieren uns gar nicht. Wir wollen, dass die Klimalüge aus der Welt geschafft wird. Und wir lassen es uns nicht gefallen, dass die Regierung damit Steuern begründet. Wir sind durchaus umweltbewusst. Seit 1. Oktober darf draußen jeder Bäume umhauen, nur um Laub zu vermeiden. Auch dagegen wenden wir uns. Ich mache das nicht für mich, sondern für meine Kinder, 26 und 23 Jahre alt. Sie sollen nicht irgendwann zwei Drittel ihres Einkommens an den Staat überweisen müssen.

ONETZ: Sie leugnen den menschengemachten Klimawandel?

Helmut Bauer: Absolut. Die Natur braucht CO2, damit Leben gedeihen kann. Ohne CO2 gibt es kein Leben im Wasser. [Siehe Infokasten am Ende des Interviews]

ONETZ: Keine Angst, dass "Das grüne Band" mit den Grünen verwechselt wird, offenbar Ihrem Feindbild Nummer 1?

Helmut Bauer: Wir wollen den Naturschutz ja nicht außer acht lassen. Ich bin aktiver Naturschützer. Aber bevor ich rumschreie, gehe ich lieber an Gewässer und sammle Müll auf. Ich bin ein Naturmensch, aufgewachsen in einer Landwirtschaft.

ONETZ: Auf wie viele Teilnehmer an der Demo spekulieren Sie?

Helmut Bauer: Vorsichtshalber habe ich 100 angegeben. Bei einer ähnlichen Aktion hatte die Bayernpartei in Straubing zuletzt 50, aber da hatte man zu wenige Werbung gemacht. Eigentlich sollte die Bayernpartei auch zur Demonstration in Weiden aufrufen, aber sie hat nach den Querelen mit den Linken zurückgezogen. Jetzt plant sie etwas für November. Ich bin übrigens parteilos. Gastredner sind erwünscht, aber sie müssen mir vorher das Manuskript vorlegen. Es wird also nicht so sein, dass beispielsweise die AfD dort eine Wahlrede halten kann.

ONETZ: Rechnen Sie mit Gegenwind von Klimaschützern?

Helmut Bauer: Eigentlich schon. Aber wir sind gut vorbereitet. Wir werden die Leute instruieren, dass sie Gegnern aus dem Weg gehen und sich nicht auf Diskussionen einlassen. Wir haben Ordner, und die Polizei wird auch da sein. Ich will auf keinen Fall, dass Zoff aufkommt.

Der Klimawandel in der Wissenschaft:

Für Klimaforscher weltweit ist der Klimawandel in Folge menschlichen Handels ein Fakt. 2016 war demnach das wärmste Jahr seit Beginn der Messungen im Jahr 1880. In Folge der globalen Erwärmung erwarten die Wissenschaftler steigende Meeresspiegel, Verschiebung von Klimazonen, stärkere oder häufigere Wetterextreme wie Überschwemmungen, Stürme und Dürren, Ausbreitung von Parasiten und tropischen Krankheiten sowie mehr Umweltflüchtlinge. Kohlenstoffdioxid (CO2) und sein messbarer Einfluss auf die Strahlungsbilanz gilt als Hauptfaktor des Erwärmungsprozesses.

Im Fünften Sachstandsbericht des IPCC (auch „Weltklimarat genannt“) der Vereinten Nationen heißt es: „Der größte Beitrag zum gesamten Strahlungsantrieb wurde durch den Anstieg der atmosphärischen CO2-Konzentration seit 1750 verursacht. Der Einfluss des Menschen auf das Klimasystem ist klar. Das ist offensichtlich aufgrund der ansteigenden Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre, dem positiven Strahlungsantrieb, der beobachteten Erwärmung und des Verständnisses des Klimasystems.“ Die Wissenschaftler führen ferner aus, dass durch menschliche Aktivitäten seit 1750 555 Milliarden Tonnen Kohlenstoff freigesetzt worden sind.

Weitere Informationen gibt es im Sachstandsbericht des Weltklimarats (www.de-ipcc.de/media/content/AR5-WGI_SPM.pdf) und oder z.b. auch im Onetz-Interview mit dem Astrophysiker Harald Lesch.

Kemnath
Demo am Samstag:

Helmut Bauer von der Protestbewegung "Das grüne Band" zeichnet verantwortlich für die Demo am Samstag, 19. Oktober. Sie beginnt um 10 Uhr am Alten Rathaus und soll um 13 Uhr enden. Auch ein kurzer Umzug in der Innenstadt ist geplant. Die Wege dabei seien bewusst so gewählt, dass der Verkehr nur so wenig wie möglich beeinträchtigt werde. (rg)

Für Sie empfohlen

 

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

A. Schmigoner

In Deutschland darf (in den Grenzen des Strafrechts) jeder denken und sagen was er will, auch wenn es manchmal weh tut. Auf welche Meßreihen oder wissenschaftliche Erkenntnisse stützt sich Klimaexperte Bauer, wenn er von der „Klimalüge“ spricht? Finden kein Klimawandel und keine Gletscherschmelze statt? Ich empfehle hierzu eine Bildungsreise/Wanderung zu den Schweizer Gletschern, oder zu den Permafrostböden in Sibirien. Jedes Jahr lassen wir künstlich so viel vom Treibhausgas CO2 frei, wie sich vorher in hunderttausenden von Jahren natürlich in Kohle und Öl abgelagert hat. Und Menschen, Pflanzen und Tiere haben, anders als damals, keine Zeit sich auf die Veränderungen einzustellen.
Die vorwiegend von rechten Klimaskeptikern vorgetragenen Thesen sind einfach gestrickt: „Die Natur braucht CO2, damit Leben gedeihen kann. Ohne CO2 gibt es kein Leben im Wasser“. Die Natur braucht auch Wasser und Wärme, um zu gedeihen. Herr Bauer und viele andere übersehen allerdings ein Grundprinzip: Alles ist eine Frage der Dosis! Alles Leben nimmt Schaden bei einer Überdosierung. Zuviel CO², zu viel Hitze, zu viel Wasser (Überschwemmung).
Abstrus ist auch der Bezug zu den Anti-WAA-Protesten in den 80 er Jahren. Damals gingen die Proteste nicht gegen wissenschaftliche Erkenntnisse, sondern gegen rücksichtslose wirtschaftliche Interessen, und eine Politik, die es nicht immer so genau mit der Wahrheit nahm. Unvergessen sind die von Wissenschaftlern der Uni Regensburg veröffentlichten Strahlen-Messwerte nach Tschernobyl, die die Messwerte der Staatsregierung widerlegten.
Abschließend: Es ist immer Vorsicht geboten, wenn sich eine Handvoll Verschwörungstheoretiker zum Volk erklären („Wir sind das Volk“, „Das Volk wehrt sich“). In allen Umfragen haben Maßnahmen für den Klimaschutz eine breite Unterstützung im Volk. Über die jeweiligen konkreten Mittel lässt sich allerdings trefflich streiten.

17.10.2019
Maria Estl

Allmächd! Kaum zu glauben, was man alles in der Zeitung lesen kann. Ich warte nur noch auf die Meldung im NT, dass die Erde eine Scheibe ist. Und Galileo Galilei seine Thesen aus dem Grab widerruft, denn sie dreht sich doch nicht. Genau mein Humor, was der Herr Bauer da vorbringt, da kann man mal wieder richtig herzhaft lachen. Nur das kann der einzig vernünftige Grund sein, solch abstrusen, hanebüchenen Theorien eine Plattform zu geben. Oder haben wir mit Herrn Bauer hier in der Oberpfalz einen Klimaforscher, der ganz im Geheimen geforscht hat und jetzt mit seinen Forschungsergebnissen an die Öffentlichkeit geht? Ist er gar ein Schüler des VLAB-Prof. Reichholf, der seine postfaktischen Thesen erst kürzlich in Friedenfels zum Besten gab? Sollte man ihn deshalb als Realitätsverweigerer bezeichnen? Eigentlich schon.

17.10.2019
Markus Zeller

Richtig! Wie lange gibt es die Erde? Und wie lange wird das Klima aufgezeichnet? Warme Perioden gab es schon sehr viele auf der Erde und wir befinden uns nachweislich am Ende einer Eiszeit! Vielleicht sind wir die Verursacher, das es schneller geht, aber verhindern können wir es nicht!
Den Ablassbrief namens CO2 Steuer ist ein Unding, damit wird nur 2015 finanziert!!!

17.10.2019
Werner Heinrich

Hut ab vor diesem Mann. Endlich einer, der kapiert wies wirklich läuft.

17.10.2019