12.09.2021 - 10:14 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Dicke Fische im Schätzlerbad

Erstmals nach 15 Jahren durften in Weiden wieder Angler zum Abfischen ins Schätzlerbad kommen. Sie machten sich am Wochenende mit Maiskorn, nassem Brot und Gummifisch auf die Jagd nach Karpfen und Zander.

Horst Stilp (89) wirft die Angel aus.
von Helmut KunzProfil

Bei Horst Stilp steht demnächst Karpfen blau auf dem Speisezettel. Zwei Stunden lang muss der 89-Jährige am Freitag anfüttern und warten, bis endlich ein 2,5-Pfünder angebissen hat. Seit 9 Uhr dürfen die Angler an diesem Tag ins Schätzlerbad. Stilp sitzt ganz allein im Klappstuhl am Südufer des Weihers. Zwei Angeln hat er ausgelegt.

Viel mehr braucht es für ihn nicht, um glücklich zu sein. Als Köder benutzt der leidenschaftliche Fischer Maiskörner aus der Büchse. Aber angefüttert werden die Karpfen mit nassem Brot, das er zum Anlocken der Fische in den Weiher wirft.

Gewiss hatte er bereits einen Karpfen an der Angel. Aber den hat er wieder zurückgeworfen. „Der war noch zu klein.“ Seit 50 Jahren geht der passionierte Angler seinem Hobby nach. Vor zwei Jahren wurde der Weidener allerdings ausgebremst, weil er sich bei einem vereinseigenen Forellenfischen nicht exakt an die Fangquote gehalten hatte. Der Fauxpas ärgert ihn heute noch.

Nach zweijähriger Pause erlebt er jetzt endlich wieder ein „herrliches“ Hochgefühl. „Wenn man solange fischt wie ich, lässt einen das nicht mehr los.“ Es sei die Ruhe am Gewässer, die Umgebung, die Tierwelt. „Du hörst plötzlich Vögel, die du schon lange nicht mehr gehört hast.“ Stilp glaubt trotzdem, dass er zum allerletzten Mal mit seinen Angeln unterwegs ist. „Ich mache jetzt Schluss. Wenn du auf die 90 zugehst, wird es an der Zeit aufzuhören."

Weiher wird leergefischt

Zuletzt hatte der Schwimmverein vor 15 Jahren zum öffentlichen Angeln an den Weiher geladen, erinnert sich Vorsitzende Ilona Forster. Jeder Angler müsse natürlich seinen Angelschein vorzeigen, ehe er am Kassenhäuschen seine Tageskarte löst. Neues Angelglück sei programmiert. Für Samstag erwartete Forster einen größeren Ansturm.

Der offizielle Abfisch-Countdown starte am 25. September um 8 Uhr. „Dann wird der komplette Weiher von den Mitarbeitern des Schwimmvereins leergefischt und für den Winter abgelassen." Zwischen 9 und 12 Uhr hätten Interessenten Gelegenheit, Fische im Schätzlerbad zu erwerben.

Bei Galyna Schwarz zappelt gegen 11 Uhr vormittags bereits der dritten Karpfen im Netz. Stolz präsentiert sie das drei Kilogramm schwere Exemplar. Dem kleinsten Fisch in ihrer Sammlung will sie später wieder die Freiheit schenken. Auch sie ist Mitglied des Fischereivereins. Zuletzt angelte sie am 11. Juli am vereinseigenen Manteler Weiher. Ohne Erfolg.

Hechte im Schätzler-Weiher

Der komplette Fang soll an Freunde und Bekannte verschenkt werden. Denn in ihrer Familie esse keiner Fisch. Auch Hechte gebe es im Schätzlerbad-Weiher, versichert die Expertin. Um die zu fangen, muss sie an die andere Seite des Weihers wechseln. Denn Hechte bevorzugten tiefes Gewässer, etwa im Bereich des ehemaligen Sprungturms.

David Avanesyan hat seinen Raubfisch schon gefangen. Mit einem Zander in den Händen kommt er angelaufen. „Mein erster“, freut sich der 14-Jährige und präsentiert den gut ein Pfund schweren Fisch mit den gezackten Rückenflossen stolz seiner Mutter. Die ist überrascht vom Köder, den ihr Sohn benutzte: "Ein Gummifisch."

Auch wenn David Fische für gewöhnlich auf dem Teller verschmäht: Seinen Zander will er selber verdrücken. Freund Andreas Schmidt (13) durfte nur zugucken beim Angeln. Er habe zwar auch schon seinen Angelschein bestanden, sagt er. „Aber ausgehändigt wird mir der erst, wenn ich 14 bin."

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