12.03.2020 - 14:52 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Auf drei Stadträte in Weiden wartet (Un-)Ruhestand

Für drei Stadträte in Weiden endet mit der Kommunalwahl das Mandat. Josef Gebhardt (SPD), Alois Schinabeck (SPD) und Veit Wagner (Die Grünen) möchten die Debatten im Gremium nicht missen. Ihre persönliche Bilanz fällt unterschiedlich aus.

Josef Gebhardt (SPD) tritt nach zwölf Jahren als Stadtrat nicht mehr an. Langeweile in seinem Leben befürchtet er nach dem Ausscheiden nicht.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Er werde einen klaren Schnitt machen, sagte Josef Gebhardt (SPD) bereits im vergangenen Jahr, als er gefragt wurde, ob er noch einmal für den Stadtrat kandidieren wolle. Er wollte nicht, und so kann er dem Wahlsonntag ganz entspannt entgegensehen – „zunächst zu Hause und dann an meinem Stammtisch im ,Paraplui‘“. Am Abend wolle er aber im Rathaus vorbeischauen. Mit Gebhardt scheiden auch Veit Wagner (Die Grünen) und Alois Schinabeck (SPD) aus, und ziehen eine kleine Bilanz.

Zwei Wahlperioden saß der heute 74-Jährige Josef Gebhardt für die SPD im Stadtrat. „2008 mussten sich CSU und SPD in ihre neuen Rollen finden“, blickt der Genosse zurück. Seine Anfangszeit war unter anderem von der Aufarbeitung der Prüfberichte des Bayerischen Kommunalen Prüfungsverbandes und den damit verbundenen Empfehlungen geprägt. „Das hieß vor allem in der Folge Personalreduzierung und Einsparungen.“ Im Gedächtnis blieben auch der Sportplatzbau der SpVgg oder der Gewerbesteuererlass ATU.

In den vergangenen zwölf Jahren gab es für Gebhardt auch nachhaltig positive Stadtratsbeschlüsse. „Einer davon ist für mich der starke Ausbau der Kinderkrippen und der Neubau der FOS/BOS. Auch das NOC ist entstanden. Wir haben die Schulsozialarbeit ausgeweitet, die Notunterkunft Schustermooslohe soll neu gebaut werden.“ Beschämend findet Gebhardt, dass die Realschulen so zum Politikum wurden. Im Bereich erneuerbarer Energien hätte er sich die Windräder auf dem Fischerberg gewünscht. Man sei aber Privatinteressen unterlegen, und jetzt drohe die HGÜ-Leitung. „Was wir nicht geschafft haben, ist der stärkere Einstieg in den sozialen Wohnungsbau.“ Insgesamt gab es sehr konstruktive Zeiten und eine gute Zusammenarbeit. Aber auch Zeiten, in denen versucht wurde, gefasste Beschlüsse wieder aufzuweichen“, zieht Gebhardt abschließend Bilanz.

Langeweile werde bei ihm nach dem Wahltag nicht aufkommen. „Ich bin noch Vorsitzender der Tafel und vom Tierfriedhof. Das genügt.“

Veit Wagner (Die Grünen) möchte die gewonnene Zeit für Reisen, seine Familie und zum Lesen nutzen.

„Erleichterung, aber auch ein wenig Wehmut“, glaubt Veit Wagner schon jetzt zu verspüren. Es sei nicht immer leicht gewesen, vor allem wenn man in einem komplizierten Sachverhalt kein Fachexperte ist. „Doch ist es auch schön, wenn man zur vielfältigen Entwicklung des Stadtgeschehens beitragen kann“, sagt der 74-Jährige, der zwei Wahlperioden für Bündnis 90/Die Grünen dem Stadtrat angehörte.

Die Arbeit sei aufregend, manchmal schwierig und auch bedrückend gewesen. So denke er noch mit Schrecken an die Windkraft-Debatten, in denen er sich bei einer Bürgerversammlung in Letzau habe beschimpfen lassen müssen. Sehr nahe sei ihm die Schließung des Krankenhauses Eschenbach 2012 gegangen. „Ein halbes Jahr vorher war noch alles in Ordnung, und plötzlich macht es dicht. Kein schönes Gefühl.“

Wagner schätzt die Gespräche mit den Bürgern und den Vereinen. Seine Stimme zählte auch im Hauptverwaltungsausschuss, Bau – und Personalausschuss. Nicht immer auf einer Linie habe er mit seinen Fraktionskollegen gelegen. „West IV ist so ein Beispiel. Da bin ich nach wie vor dafür, auch als Grüner“, lacht er, und lobt seine Parteikollegen für ihre Toleranz.

Wagner: Endlich Zeit fürs Lesen

Gefreut habe er sich rückblickend über die Gründung der Bürgerenergie Oberpfalz Nord und des Freundeskreis der Keramischen. Nicht gut heißen könne er den permanenten Sparzwang im kulturellen Bereich. Schade findet er, dass der Neubau der Stadtbau GmbH in Weiden das „grüne Band“ am Stadtmühlbach zerschneidet.

Dem neuen Stadtrat wünscht Wagner eine gute Gesprächskultur und ein stets glückliches Händchen. Was bleibt ihm persönlich? „Erstmal viel Arbeit. Ich muss einen Riesenstapel an Sitzungsunterlagen und Zeitungsartikeln ausmisten. In zwölf Jahren hat sich da einiges angesammelt“, sagt der 74-Jährige. Ist das erledigt, freut sich der pensionierte Deutschlehrer aufs Lesen, seine Familie und Reisen.

„Und dann bin ich noch in vielen Vereinen engagiert, zum Beispiel bei Weiden ist bunt, Amnesty international, bei der Kulturbühne oder im Bund der Berliner.“ Auch an einer Idee feilt er noch. „Ich fände es schön, wenn sich ein Stammtisch ehemaliger Stadträte etabliert. Wir könnten uns dann standesgemäß im ,Ratskeller’ treffen. Erste Gespräche gab’s schon“, sagt Wagner.

Den Wahlsonntag wird er zunächst zu Hause verbringen, und abends im Neuen Rathaus – zum Gratulieren.

Alois Schinabeck (SPD) findet, 18 Jahre Stadtrat sind genug. "Jetzt sollen Jüngere ran."

Oft viel zu lange diskutiert

Einen „ganz gemütlichen Wahltag“ verbringt Alois Schinabeck. „Vormittags geht´s in die Kirche, dann zum Wählen“, sagt der langjährige SPD-Stadtrat, der nach 18 Jahren nicht mehr antritt. Seine Entscheidung sieht er ganz pragmatisch. „Das Mandat ist auf sechs Jahre angelegt. Im September werde ich 75, und würde dann mit 81 Jahren noch im Stadtrat sitzen? Nein, ich will nicht im Sarg aus dem Stadtrat getragen werden“, sagt Schinabeck. Er habe sich genügend engagiert. „Jetzt dürfen auch mal Jüngere ran.“

In seiner Bilanz als Stadtrat schmerzt den pensionierten Konrektor vor allem die Auflösung der Grundschule in Neunkirchen. „Das tut mir heute noch weh.“ Positiv seien hingegen die Entscheidung für den neuen Festplatz und der Neubau der FOS/BOS gewesen. „Wenngleich sich die Entscheidung viel zu lange hinzog“. Seiner Meinung nach symptomatisch für viele Debatten in der vergangenen Wahlperiode, was schade sei.

Als Neunkirchner habe ihm „sein“ Stadtteil immer besonders am Herzen gelegen, gibt er zu. „Aber natürlich hätten auch andere Stadtteile berechtigte Forderungen. Das müsse man als Stadtrat auch stets im Auge behalten. „Wir wollen immer nur das Beste.“ Nicht gut leiden mag es der SPD-Mann, wenn gleich nach der Stadt gerufen werde. Als Beispiel nennt er das Thema ÖPNV, bei dem viel erreicht habe. „Neunkirchen ist hier wirklich gut angebunden, aber das Angebot wird vom Bürger schlecht genutzt.“ Und auch der Tante-Emma-Laden könnte besser frequentiert sein. Müsste er schließen, wäre das Geschrei sicher groß, sagt Schinabeck.

Und was erhofft sich der 74-Jährige nach seinem Ausscheiden? „Mehr Zeit für meinen geliebten Shanty-Chor und den Kirchenchor“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Auch freut sich der Familienmensch darauf, endlich spontane und längere Ausflüge machen zu können, „ohne dass ich abends zur Fraktionssitzung wieder zu Hause sein muss“.

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