20.02.2020 - 11:07 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Drogentherapie ist einzige Chance

"Bewaffneten Drogenhandel" warf Staatsanwältin Sandra Dechant einem Ledigen vor. Weil er schwer abhängig ist und unter psychischen Störungen leidet, gab ihm das Landgericht noch eine Chance.

Symbolbild.
von Autor hczProfil

Im März 2019 erwischte die Polizei einen 36-Jährigen am ZOB mit knapp 13 Gramm Crystal, verpackt in typischen Konsummengen in Druckverschlusstütchen. Am Schienbein des Straftäters fanden die Beamten einen angeschnallten Teleskopschlagstock und am Körper zudem ein so genanntes „Scheckkarten-Messer“. Nach knapp einem Jahr in U-Haft stand der gebürtige Weidener nun vor der 1. großen Strafkammer des Landgerichts. In der Wohnung der Mutter des Arbeitslosen hatten die Ermittler zudem 200 Gramm Rauschgift in einem, ihm gehörenden, Safe gefunden.

Ein einschneidendes Erlebnis in ihrer Laufbahn sei die Vorführung des Beschuldigten nach seiner Festnahme gewesen, berichtete Staatsanwältin Sandra Dechant. „Außer Rand und Band“ sei dieser gewesen, habe einen Fluchtversuch unternommen und jede Beteiligung an Rauschgiftgeschäften abgestritten. Froh sei sie, dass der nun 37-Jährige sich nun dazu durchgerungen hatte, alles zu gestehen. Schon sein Benehmen im Vorfeld hatte Zweifel an seiner Zurechnungsfähigkeit aufkommen lassen. Dr. Thomas Wenske, der stellvertretende Leiter des Instituts für forensische Psychiatrie der Universität Erlangen, bezeugte als Sachverständiger, dass diverse psychische Störungen beim Angeklagten im Raum stünden. Eine bipolare Störung war nach einem Alkohol- und Drogenentzug in Wöllershof diagnostiziert worden. Schizophrenie, eine manisch depressive Erkrankung oder eine drogeninduzierte Psychose sei vermutet worden. Auf jeden Fall lasse der hohe Konsum des Angeklagten von bis zu einem Gramm Methamphetamin täglich auf krankhaften Hang schließen. Er empfehle deshalb eine Therapie, die bis zu 24 Monate dauern könne.

Der Mann selbst brachte zum Ausdruck, dass er sich selbst eine Drogentherapie erhoffe. Schon im Bezirksklinikum Regensburg, wo er zuletzt untergebracht war, habe er intensiv an der Bewältigung seiner Suchtkrankheit mitgearbeitet, sagte sein Verteidiger, Rechtsanwalt Peter Hofmann aus Regensburg.

Staatsanwältin Dechant hielt dem Ledigen zugute, dass er den Handel und die Einfuhr der Drogen aus Tschechien nur begangen hatte, um seine eigene Sucht zu finanzieren. Allerdings müsse man die großen Mengen sehen und die einschlägigen Vorstrafen. Eine Therapie sei die einzige Chance für den Mann, jemals wieder positiv in die Zukunft blicken zu können. Dechant beantragte sieben Jahre Freiheitsstrafe und die Unterbringung in einer Therapieeinrichtung. Rechtsanwalt Hofmann hatte Erfolg mit seinem Antrag, etwas milder zu urteilen. Dadurch könne seinem Mandanten ohne Vorwegvollzug der sofortige Antritt der Drogentherapie ermöglicht werden. Landgerichtspräsident Gerhard Heindl, Richter Matthias Bauer und die Schöffen entsprachen diesem Wunsch und verurteilten den Angeklagten zu sechs Jahren mit gleichzeitiger Unterbringung. Somit kann dieser, nachdem er schon ein Jahr in U- Haft verbracht hat, nach zwei Jahren erfolgreicher Therapie auf Bewährung entlassen werden.

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