Weiden in der Oberpfalz
22.09.2026 - 18:01 Uhr

Engagierter Heimatforscher: Wolf-Dieter Hamperl im Alter von 83 Jahren verstorben

Der Heimatforscher und ehemalige Chefarzt Dr. Wolf-Dieter Hamperl ist im Alter von 83 Jahren gestorben. Fast vier Jahrzehnte lang führte er den Heimatkreisverein Tachau und prägte die Erinnerungskultur der Vertriebenen aus dem Egerland.

„Bis ich sterbe.“ Das antwortete Dr. Wolf-Dieter Hamperl im Jahr 2020 auf die Frage von Oberpfalz-Medien, wie lange er als Vorstand des Heimatkreisvereins Tachau weitermachen wolle. 30 Jahre lang hatte er den Verein zu diesem Zeitpunkt bereits geleitet. Am 2. September ist er in seinem Wohnort Altenmarkt an der Alz im Landkreis Traunstein verstorben. Er wurde 83 Jahre alt. Sein Lebenswerk hinterlässt in Weiden und im Landkreis Tirschenreuth deutliche Spuren.

Geboren wurde Wolf-Dieter Hamperl 1943 im Kreis Tachau im Egerland. Nach dem Einmarsch der Wehrmacht 1938 wurde das Egerland zum Teil des Deutschen Reichs. Die Tschechoslowakei vertrieb Teile der Bevölkerung, darunter Hamperls Mutter mit ihren damals zwei Kindern. Die kleine Familie kam zunächst in Waidhaus unter, zog fünf Jahre später nach Vohenstrauß und drei Jahre danach nach Weiden. Die Einwohnerzahl der Stadt stieg damals nach der Vertreibung um mehr als 10.000 Menschen an. Die Vertriebenen beeinflussten das lokale Handwerk, die Kultur und das Stadtbild. 1956 übernahm die Stadt Weiden die Patenschaft über die früheren deutschen Einwohner der Stadt und des Kreises Tachau.

Erinnerung als Lebenswerk

Wolf-Dieter Hamperl war von 1992 bis 2008 Chefarzt für Allgemein- und Abdominalchirurgie an der Kreisklinik Trostberg im Landkreis Traunstein. Sein Lebenswerk aber war es, die Erinnerung an die Vertreibung und an das Erbe der Vertriebenen aus dem ehemaligen Kreis Tachau aufrechtzuerhalten. Ab 1985 verbrachte er mehrmals im Jahr Zeit in der alten Heimat und half dort unter anderem bei der Renovierung mehrerer barocker Kirchen.

1990 übernahm er den Vorsitz des 1972 gegründeten Heimatkreisvereins Tachau. Im Jahr 2011 eröffnete der Verein das Tachauer Heimatmuseum im Alten Schulhaus in der Weidener Altstadt. Dort befindet sich auch das Stadtarchiv.

"Väterlicher Freund"

Dessen Archivar Dr. Sebastian Schott lernte Hamperl vor 26 Jahren kennen. „Mit Dr. Hamperl habe ich nicht nur meinen wichtigsten Ansprechpartner im Heimatkreisverein Tachau sowie einen hervorragenden Vermittler der Oberpfälzer und Egerländer Kunstgeschichte verloren, sondern einen väterlichen Freund“, zeigt er sich betroffen. Schott und Hamperl engagierten sich gemeinsam für die Einrichtung des Heimatmuseums. Der Stadtarchivar lobt es als „die modernste und vielleicht auch schönste Abteilung des Stadtmuseums“. „Geradezu legendär“ seien Hamperls Kulturfahrten zu Orten und Stätten im Kreis Tachau und in andere Teile des Egerlands gewesen. Die Zusammenarbeit mit dem Heimatforscher sei für ihn eine Bereicherung gewesen: „Er war immer bereit, sein umfassendes Wissen weiterzugeben und zu teilen, ließ sich aber auch mit guten Argumenten überzeugen und für ein neues Projekt gewinnen“, erinnert sich Sebastian Schott.

Bücher über Kunst und Kultur

Wolf-Dieter Hamperl ist Autor mehrerer Bücher über Vertreibung, Kultur und Kunst. 2020 kam sein Buch „Wilhelm Vierling – Ein fast vergessener Weidener Künstler“ heraus, die erste größere Publikation über den Maler und Bildhauer. Außerdem befasste sich Hamperl in einem Buch mit dem Schaffen des Tirschenreuther Kirchenmalers Maurus Fuchs, zu dem er im Stiftland auch Vorträge und Führungen anbot.

Wolf-Dieter Hamperl hinterlässt seine Ehefrau, zwei Kinder und drei Geschwister mit ihren Familien. Die Urnenbeisetzung fand in Kirchberg statt.

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