21.07.2020 - 15:44 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Werke von Wilhelm Vierling auf dem Dachboden von St. Josef entdeckt

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Wilhelm Vierling ist in Weiden nur wenig bekannt, obwohl der Künstler nicht nur in der Stadt viele Spuren hinterlassen hat. In St. Josef ist ein Ensemble zu sehen, das erst vor wenigen Jahren auf dem Dachboden der Kirche entdeckt wurde.

Wolf-Dieter Hamperl vor Kunstwerken von Wilhelm Vierling in St. Josef in Weiden. Laut dem Vorsitzenden des Heimatkreisvereins Tachau hat Stadtpfarrer Markus Schmid die verschollen geglaubten Werke vor wenigen Jahren auf dem Dachboden der Kirche entdeckt.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

"Weiden hat nicht so viele hochkarätige Künstler", findet Wolf-Dieter Hamperl. Der Vorsitzende des Heimatkreisvereins Tachau und Fachautor zur Kunstgeschichte der Oberpfalz und des Egerlandes setzt sich daher für die Erinnerung an das Wirken des Weidener Malers und Bildhauers ein. Noch für dieses Jahr soll sein Kunstband über Wilhelm Vierling erscheinen. "Wilhelm Vierling ist seit einigen Jahrzehnten in Vergessenheit geraten – zu Unrecht. Er wurde an der Münchener Akademie der Schönen Künste ausgebildet, hat religiöse Malerei studiert und war überregional tätig." Sein Atelier befand sich in seinem Haus in der Bürgermeister-Prechtl-Straße 21 (heute ADAC). "Vierling konnte von seiner Arbeit zeitlebens existieren. Das konnten die wenigsten."

Wilhelm Vierling gestaltete Kirchen in Weiden und Umgebung - Kunstband soll 2020 erscheinen

Weiden in der Oberpfalz

Pfarrer findet Kunstwerke auf dem Dachboden

Deutliche Spuren hinterließ Vierling (1885-1974) Anfang des letzten Jahrhunderts vor allem in der Josefskirche. Er wirkte bei deren Innengestaltung mit, zum Beispiel in der Taufkapelle, die er mit einem in Grün und Blau gehaltenen Mosaik verschönerte, und durch die Skulpturengruppe "David und Goliath". Betritt man die Kirche von der rechten Seite aus, entdeckt man ein aus privater Hand gespendetes Jesus-Gemälde Vierlings. Unter der Goliath-Skulptur ist seit wenigen Jahren ein Ensemble aus zwei Gemälden und einem Kruzifix zu sehen, das eine besondere Geschichte hat.

Die Tafelbilder und das Kruzifix entdeckte Hamperl zufolge vor zwei oder drei Jahren Stadtpfarrer Markus Schmid auf dem Dachboden der Kirche. Deutlich sind darauf Vierlings Signum und Symbol zu erkennen. Ein Datum ist nicht zu finden, Hamperl schätzt ihre Entstehung auf ungefähr 1930. "Vierling hat alle seine Werke auf Schwarz-Weiß-Fotos abgelichtet. Daher kenne ich diese. Sie sind im Stadtarchiv zu sehen. Bei einigen Werken weiß man heute nicht, wo sie sind", so Hamperl. Wo diese drei oder vier Werke – beim Tabernakel ist nicht sicher nachzuweisen, ob er von Vierling stammt – herkommen, scheint dagegen sicher. Vierling hat laut Hamperl in der ehemaligen Augustinerkirche in Weiden den Hoch- und Seitenaltar geschaffen. Teile des Hochaltars – recht achtlos zurechtgeschnitten und heute vergoldet – sind in der Aussegnungshalle des Klinikums zu finden. Hamperl vermutet, dass die besagten Werke aus St. Josef damals der Hauskapelle des Augustiner Seminars entstammen. Nach der Verstaatlichung der Kirche und dem Kauf des Areals durch die Kliniken AG seien sie wohl in St. Josef gelandet.

"Wilhelm Vierling ist seit einigen Jahrzehnten in Vergessenheit geraten – zu Unrecht."

Wolf-Dieter Hamperl

Hilfe unter Künstlern

Vierling unterstützte in der Josefskirche auch den Münchener Maler Franz Hofstötter, zum Beispiel bei der Gestaltung des Freskenzyklus. "Hofstötter hat in St. Josef den Chor und viele weitere Elemente in der Kirche gestaltet", so Hamperl. Die Künstler orientierten sich am Jugendstil und der farblich stärkeren Kasein-Maltechnik, die bei Auftraggebern allerdings auch Kritik auslöste. Hofstötter beendete deshalb sein Wirken in der Josefskirche. "Vierling muss dort eingesprungen sein, als Hofstötter nicht mehr wollte", vermutet Hamperl.

Info:

Vierling-Fahrt im August

Am Samstag, 29. August, bietet Wolf-Dieter Hamperl eine Fahrt zu Kunstwerken von Wilhelm Vierling in Reuth bei Erbendorf, Krummennaab, Bayreuth und Hof an. Anmeldung bei ihm unter der Rufnummer 08621/63627 oder per E-Mail: wolf-dieter.hamperl[at]online[dot]de.

Ob das Tabernakel unter dem Kruzifix von Wilhelm Vierling stammt, kann Wolf-Dieter Hamperl nicht mit Sicherheit sagen. Die beiden Gemälde (links der Erzengel Michael, rechts Erzengel Raphael) sowie das Kruzifix stammen aber eindeutig von dem Weidener Maler und Bildhauer.

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