09.10.2019 - 14:43 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Enkeltrick, Telefon-Gewinne und falsche Polizisten: Vortrag zu Betrügern im Projekt "Sensiwen"

„Ein Senior in Weiden braucht sich keine Sorgen um seine Sicherheit zu machen“, sagte Erster Polizeihauptkommissar Roland Ast beim Auftakt von „Sensiwen“. Allerdings seien Senioren für manche Straftäter die Hauptzielgruppe.

Diensthundeführerin Alexandra Gössl erklärt den Senioren nach dem Vortrag zum Thema Betrug, wie ein Polizeihund ausgebildet wird und wie eng die Verbindung zwischen ihm und seinem Hundeführer ist. Die Diensthundeführerin im Bild zeigt, wie ihr Hund zuschnappt. Sie will nicht erkannt werden.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

Das Projekt „Sensiwen“ soll das Sicherheitsgefühl älterer Menschen stärken. „Es stimmt nicht, dass man in Weiden nachts nicht alleine auf die Straße gehen kann“, sagte Ast am Dienstag. Es gebe „fast überhaupt keine“ Gewalttaten gegen Senioren. Allerdings seien sie die Hauptzielgruppe von Straftätern, die per Telefon Gewinnversprechen geben, per Enkeltrick Geld erbeuten wollen oder sich als Polizisten ausgeben. Zu diesen Betrugsdelikten nannte Ast Beispiele und gab Sicherheitstipps.

Erster Polizeihauptkommissar Roland Ast führte den knapp 20 Senioren eine Bodycam vor und erklärte, welche Maschen Telefonbetrüger anwenden.

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Enkeltrick: Organisierte Kriminalität

Enkeltrickanrufe treten Ast zufolge nicht vereinzelt auf. Dabei handle es sich um organisierte Kriminalität. Die Polizei habe schlechte Aussichten, die Täter zu ermitteln. Die Masche: Die Täter geben sich als Verwandte aus, schildern eine finanzielle Notsituation und fordern Geld. Ast zufolge haben die Anrufer ein gutes Gespür, ob sie es mit einem potenziellen Opfer zu tun haben. „Beim geringsten Verdacht legen die auf und rufen den nächsten an. Bei 300 Anrufen bleiben einige hängen.“

Der Enkel befinde sich beispielsweise angeblich beim Notar, um Wohneigentum zu kaufen und müsse eine Vorauszahlung leisten. Oder er habe jemanden überfahren, befinde sich in Tschechien im Gefängnis und könne gegen eine Kaution raus. Immer werde angeboten, ein Abholer könne den Geldbetrag in Empfang nehmen. „Keine Oma lässt den Enkel in Not hängen“, meinte Ast. Die Schilderungen seien so extrem, dass man nicht rational überlege.

Falsche Polizeibeamte am Telefon

Manche Betrüger geben sich am Telefon als Polizisten aus. Sie behaupten beispielsweise, bei einem Einbrecher sei ein Zettel mit der Adresse des Angerufenen gefunden worden. Falls das Opfer Wertsachen zu Hause habe, würde ein Beamter diese abholen und sichern. Technisch sei es möglich, dass im Display die Nummer der Polizei erscheine. Und auch, dass man den Anrufer zurückrufe, in Istanbul lande, wo sich aber jemand mit „Polizei Weiden“ melde.

Gewinnversprechen gegen Bargeld

Polizeilich bekannt sind auch Betrugsanrufe, bei denen die Auszahlung eines hohen Geldgewinns versprochen wird, wenn man vorab eine Gebühr überweist. „Die zu zahlenden Beträge sind meist nicht extrem hoch“, sagte Ast. Deshalb, und weil sie sich schämten, zeigten viele Opfer solche Fälle nicht an.

Tipps gegen Betrüger

  • Keinerlei Informationen oder sensible Daten wie IBAN oder Pin übers Telefon preisgeben.
  • Im Zweifel eine vertraute Person um Rat fragen.
  • Dem Anrufer Fragen stellen: Wie geht es dem Vater, was macht die Tochter? „Wenn es ein Betrüger ist, legt der sofort auf“, so Ast.
  • Ausweis zeigen lassen, wenn sich Fremde als Mitarbeiter der Stadtwerke, von Dachdeckerfirmen, Polizisten ausgeben.
  • Verdachtsfälle und Betrug immer bei der Polizei anzeigen.

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