19.03.2019 - 14:48 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Wer entscheidet über Todesspritze für "Hans Dampf"?

Kampfhund "Hans Dampf" sucht dringend ein neues Zuhause. Sollte er keines finden, droht ihm womöglich die Einschläferung. Doch wer entscheidet in solchen Fällen über Leben und Tod?

Muss der dreijährige "Hans Dampf" eingeschläfert werden?
von Redaktion ONETZ Kontakt Profil

Grundsätzlich darf im Tierheim kein Tier einfach eingeschläfert werden. Ein Grund, der jedoch dafür sprechen würde, wäre die hohe Aggressivität eines Hundes. Dadurch kann dieser laut Dr. Barbara Bäumler, Amtstierärztin der Stadt Weiden, nämlich nicht mehr vermittelt werden. Sollten die Bestimmungen des Tierschutzgesetzes nicht über die Zukunft eines betroffenen Tieres entscheiden können, wird eine sogenannte Ethikkommission einberufen. Wie genau muss man sich das vorstellen?

"Diese Kommissionen werden meist bei Angelegenheiten eines Tierheims gebildet", erklärt Bäumler. "Welche Personen Teil dieser Gruppe sind, kann eigenständig festgelegt werden." So könne unter anderem der Hundetrainer oder der Betreuer des betroffenen Tieres über dessen Schicksal abstimmen. Aber auch der Vorstand des zuständigen Tierheims sowie Tierärzte seien im Regelfall beteiligt. "Es handelt sich um ein großes Gremium von Experten", sagt Bäumler.

Weiden in der Oberpfalz

Die Ethikkommission überprüfe dann vorliegende Dokumentationen und Aufzeichnungen über das Verhalten des Hundes und entscheide, ob bereits alle möglichen Alternativen und Versuche zur Besserung der Situation ausgeschöpft wurden oder nicht. Laut Tierheimordnung des Deutschen Tierschutzbundes muss die Arbeit der Kommission "objektiv und in jedem Falle für das Lebewesen" erfolgen.

In Deutschland gelten für jedes Tier vor Gericht die gleichen Vorschriften, die auch für "Sachen" angewandt werden. Und dennoch wird bei einer bevorstehenden Einschläferung in einem Gremium darüber entschieden – wie passt das zusammen? "Der Hund wird rein rechtlich tatsächlich wie eine Sache behandelt, und eine Verletzung oder Tötung wird meist als Sachbeschädigung eingestuft", erklärt Dr. Bäumler, "Fundtiere sind hier in Weiden zum Beispiel eine Angelegenheit für das Fundbüro, das die Aufgabe dann aber an das Tierheim übergibt."

Trotz dieser rechtlichen Grundlage dürfen die Tiere in Deutschland natürlich nicht ohne "vernünftigen" Grund getötet werden. Dies besagt das Tierschutzgesetz, das laut Bäumler in jedem Fall höherrangig ist. Dieser vernünftige Grund für eine Einschläferung könne je nach Situation variieren. Deshalb müsse eine Kommission darüber abstimmen.

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