18.03.2019 - 19:16 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Hans Dampf" droht die Todesspritze

Ein Dog-Argentino-Rüde aus Weiden sitzt im Hundezentrum Mittelfranken. Das kostet 1085 Euro im Monat - Geld, das die Stadt nicht mehr zahlen will. Wenn das Tier jetzt nicht endlich vermittelt werden kann, soll es eingeschläfert werden.

Der dreijährige Rüde ist ein Dog Argentino, eine Rasse, die umgangssprachlich zur "Kampfhund Kategorie 2" gehört.Findet sich niemand, der ihn haben möchte, muss er eingeschläfert werden.
von Michaela Lowak Kontakt Profil

Mit dieser Lösung will sich die Amtstierärztin der Stadt, Dr. Barbara Bäumler, nicht abfinden. "Vielleicht findet sich doch noch jemand, der den Hund nehmen würde", hofft sie. Der dreijährige Rüde stammt aus Serbien und kam als Welpe illegal nach Deutschland. Zunächst lebte er bei einer Familie in Weiden. Diese hielt ihn zusammen mit einer weiteren Hündin, ebenfalls ein Dog Argentino. "Diese Rasse wird in Argentinien gezüchtet, um Pumas und Wildschweine zu jagen", erklärt Bäumler.

Als sich der 13-jährige Sohn in eine Rangelei der beiden Hunde einmischt, wird er gebissen. Darauf haben die Hundehalter das Tier sofort zu einem Bekannten gebracht und sich an die Stadt gewandt. Bei einem Dog Argentino greift die "Verordnung über Hunde mit gesteigerter Aggressivität und Gefährlichkeit". Diese Verordnung teilt sich in zwei Kategorien. Rassen, die in die Kategorie eins fallen, sind verboten. Dazu zählen Pit-Bull, American Staffordshiere oder Bandog. Zur Kategorie zwei gehören unter anderem Mastiff, Bullterrier und eben auch Dog Argentino. Besitzer dieser Hunde müssen nachweisen, dass die Tiere nicht aggressiv sind. Eine Haltung genehmigt letztendlich die Behörde.

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Heim für Problemhunde mit Hundeschule

Da der Bekannte sich auf Dauer nicht um den Hund kümmern kann, kommt das Veterinäramt ins Spiel. Im Tierheim Weiden darf der Hund nicht untergebracht werden, denn dafür hat die Einrichtung keine Genehmigung. Der schneeweiße Dog Argentino zieht daher im Oktober 2017 ins Hundezentrum Mittelfranken nach Weiltingen in der Nähe von Dinkelsbühl. Betreiber Gerd Schuster nimmt nicht nur Problemhunde auf, sondern hat auch eine Hundeschule, eine Hundepension und bietet Physiotherapie für Hunde an.

Den ursprünglichen Namen des Rüden will Amtstierärtzin Bäumler nicht nennen, um in der Öffentlichkeit keinen Hinweis auf die ursprünglichen Besitzer zu geben. In Mittelfranken bekommt der Dog Argentino den neuen Namen "Hans Dampf". "Den hat er, weil er immer alles bewachen möchte", sagt Bäumler.

Seit Oktober 2017 zahlt die Stadt Weiden für die Unterbringung von "Hans" 35 Euro pro Tag, das sind bis zu 1085 Euro im Monat. Schuster würde den Hund komplett behalten. Einzige Bedingung: Die Stadt bezahlt ihm die Unterbringung für ein Jahr. Geld, das die Veterinärmedizinerin eigentlich nicht für einen einzelnen Hund ausgeben möchte. "Im Hinblick auf unseren Tierheimneubau könnten wir das gut gebrauchen", sagt sie.

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Einschläfern als letzte Option

Schuster hat in den vergangenen Monaten immer wieder versucht "Hans" zu vermitteln. Die Videos, die er postet, zeigen einen entspannten Rüden, der wedelnd durch sein großes Gehege streift, an einem lange Holzstück kaut und auch auf seinen Namen hört. Die Beträge werden in Facebook zwar eifrig geklickt, aber ernsthafte Anfragen ergeben sich daraus nicht. Die letzte Option wäre einschläfern, doch daran will momentan niemand denken. "Dazu müsste eine Ethikkommission gebildet werden, die darüber entscheidet", erklärt Dr. Bäumler.

Wer sich für den Rüden interessiert, kann sich im Veterinäramt der Stadt Weiden oder direkt bei Gerd Schuster im Hundezentrum Mittelfranken melden. Videos von "Hans" können auf der Facebookseite "Hundezentrum Mittelfranken" angeschaut werden:

Verordnung über Hunde mit gesteigerter Aggressivität und Gefährlichkeit

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Der dreijährige "Hans" sucht ein Zuhause.
Hintergrund:

Letzte Chance für Hans

„Hans“ ist laut Gerd Schuster ein toller Hund und durchaus händelbar. „Er ist kein Monster, aber man darf bei ihm nie vergessen, dass er sozial motivierte Agressionen hat“, sagt der Hundetrainer.

Der dreijährige Dog Argentino mag keine Frauen, keine Katzen und auch keine anderen Hunde. Er beschützt seine Bezugsperson und ist sehr wachsam.

Anfangs gibt sich das Tier sehr demütig. „Aber er kann einen auch schnell vereinnahmen“, warnt Schuster.

Bei einem erfahrenen Halter wäre das Tier in guten Händen. Er kann sich den Rüden als Wachhund eines umzäunten Firmengeländes vorstellen.

Ein möglicher neuer Besitzer müsse aber immer im Hinterkopf habe, dass der Rüde keine Fremden mag. „Hans“ müsse dann angeleint werden oder einen Maulkorb tragen.

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