19.03.2019 - 14:50 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Haustier-Serie: Zeus rollt durchs Leben

Sabrina Wirbs hat einen quietschfidelen Welpen. Zumindest, bis er sich im Alter von nur einem Dreivierteljahr bei einem Spaziergang am Hammerweg plötzlich merkwürdig verhält. Dieser Tag ändert für den kleinen Zeus und sein Frauchen alles.

Mit dem geländetauglichen Rolli kann Zeus herum flitzen wie ein nicht behinderter Hund. Die Pflege der fünfjährigen Französischen Bulldogge ist für Sabrina Wirbs allerdings aufwendiger als bei einem gesunden Tier.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

„Wir sind ganz regulär spazieren gegangen, am Hammerweg“, erinnert sich Sabrina Wirbs. „Das war vor rund fünf Jahren. Zeus hat plötzlich zu zittern angefangen, ganz große Augen bekommen und ist nicht weiter gelaufen. Als er zu Hause ein Leckerli verweigerte, bin ich mit ihm zum Tierarzt.“ Dessen erster Verdacht habe auf Tetanus gelautet, auch, weil die kleine Französische Bulldogge zu krampfen anfing. Der Arzt habe Zeus zwei Tage lang da behalten und die 35-jährige Weidenerin dann zu einem Arzt nach München verwiesen. „Die wussten nicht, was Zeus hat. Und ihnen ist trotz literweise Infusionen nicht aufgefallen, dass er nicht gepinkelt hat“, so Wirbs. In München die Diagnose: Bandscheibenvorfall. Not-Operation. „Man sagte mir, man wisse nicht, ob Zeus je wieder laufen kann.“

Sabrina Wirbs spricht heute von einem Behandlungsfehler, den der erste Arzt begangen habe. „Wenn der Hund mit einem Bandscheibenvorfall nicht innerhalb von 36 Stunden operiert wird, kann er wahrscheinlich nicht mehr laufen. Zeus hätte noch laufen können, wenn man die Diagnose rechtzeitig erkannt hätte.“ Dabei gibt es ihr zufolge „fast keine Französische Bulldogge, die keine Rückenprobleme hat. Weil die Tiere typisch gedrungen und muskulös gezüchtet werden“. Für Zeus jedenfalls kam die Operation zu spät: Seine Hinterbeine bleiben gelähmt.

„Höchst-Pflegefall“

Zeus verbrachte eine Woche in der Münchener Tierklinik und bekam einen Katheter. Sich selbst kontrolliert entleeren kann Zeus nicht mehr. Wenn kein Malheur passieren darf, muss er Babywindeln tragen. „Wenn er Durchfall hat, ist das die Hölle auf Erden. Ich muss ihn baden, föhnen, eine neue Windel umlegen, und dann geht’s wieder von vorne los.“ Und ständig besteht die Gefahr, dass Rest-Urin in der Blase eine bakterielle Entzündung auslöst. „Zeus war ein Höchst-Pflegefall“, sagt Sabrina Wirbs. Sie weiß, wovon sie redet, denn sie arbeitet selbst im Pflegeberuf. „Ich habe ihn vier Wochen lang in einem Kinder-Laufstall gehalten, ihn drei bis vier Mal pro Woche zur Physiotherapie nach Regensburg gebracht und gelernt, ihm manuell die Blase zu entleeren.“ Das geht durch leichten, gezielten Druck auf eine bestimmte Stelle an der Bauchseite.

Schließlich ließ die 35-Jährige in Bochum für 650 Euro einen Hunde-Rollstuhl anfertigen. Der gleicht die Lähmung der Hinterbeine aus. „Zeus ist ein ’Spinal Walker’. Wenn er ohne Rolli los läuft, schafft er einige Meter, aber das ist völlig unkoordiniert. Er schlackert eher. Das geht nur im Garten oder zu Hause.“

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Ohne Rolli kann Zeus sich eigentlich nur zu Hause oder im Garten bewegen.

Bis Zeus allerdings wieder so quietschfidel rennen konnte wie vor dem Vorfall, dauerte es. „Die Umgewöhnung war sehr schwer. Kurz nach dem Klinikaufenthalt habe ich mich schon gefragt: War das die richtige Entscheidung? Aber Zeus war und ist so lebensfroh. Und inzwischen haben wir uns auch voll eingespielt“, so Wirbs. Anfangs war sie mit ihrem Hund im Hunde-Buggy unterwegs. „Dabei bin ich sogar beschimpft worden, weil Leute glaubten, ich hätte den Hund aus Spaß im Hundewagen.“ Heute kennt die 35-Jährige alle Reaktionen: mitleidige Blicke, Interesse und Leute, die ihr dafür danken, dass sie die Umstände aus Liebe zum Tier auf sich nimmt.

Zeus bekam den Bandscheibenvorfall, als er nicht einmal ein Jahr alt war.

Hund mit Facebook-Seite

Das Leben der Weidenerin, die jetzt in Krummennaab lebt, hat sich durch Zeus auch beruflich verändert. Die intensive Arbeit mit ihm hat ihr deutlich gemacht, dass sie wieder zurück in ihren Pflegeberuf möchte. Zuvor hatte sie einen Bürojob, doch das war zu viel Theorie. Heute begleitet Zeus sie sogar manchmal bei ihrer Arbeit in einer außerklinischen Intensivpflege in Altenstadt. „Ältere Menschen finden ihn toll, nach dem Motto ’Guck, der sitzt ja auch im Rollstuhl’. Und auch zum Beispiel Wachkoma-Patienten reagieren gut auf das Tier.“

Die schlimmste Phase haben Sie und der fünfjährige Zeus längst überstanden. „Aber wir müssen damit rechnen, dass es irgendwann einen zweiten Vorfall geben kann. Auch, weil Zeus einen Herzfehler hat, werden wir in dem Fall keine zweite Operation vornehmen. Darüber bin ich mir mit meinem neuen Tierarzt in Weiden einig.“ Sie hofft, dass eine medikamentöse Therapie dann helfen kann.

Wirbs wünschte, sie könnte sich mehr mit anderen in der Region austauschen. „Aber ich kenne hier keinen, der auch einen Rollihund hat.“ Dafür hat Zeus immerhin eine eigene Facebook-Seite ("Zeus Frenchi mit Hindernissen") – mit über 800 Abonnenten aus ganz Deutschland, darunter natürlich auch andere Rollihund-Herrchen und -Frauchen.

Eis mögen wohl alle Hunde, daher natürlich auch Zeus. Er ist heute fünf Jahre alt und quietschlebendig.

Zur Facebook-Seite "Zeus Frenchi mit Hindernissen"

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