24.04.2020 - 17:06 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Entscheidung bei Kliniken Nordoberpfalz AG: Neuer Wirtschaftsplan und Diskussion über Einschnitte

Diese Aufsichtsratssitzung galt seit Monaten als der entscheidende Termin für die Zukunft der finanzschwachen Kliniken Nordoberpfalz AG. Darin ist trotz der Corona-Krise ein Wirtschaftsplan vorgelegt worden. Auch Einschnitte waren Thema.

Wichtige Entscheidungen in Sachen Wirtschafts- und Sanierungsplan für die Kliniken AG sind nun gefallen.
von Simone Baumgärtner Kontakt Profil

So richtig zur Sache geht es in der Mitteilung der Kliniken Nordoberpfalz im Nachgang zur entscheidenden Aufsichtsratssitzung am Donnerstag nicht. Dabei tat sich einiges in der nichtöffentlichen Sitzung, in der neben dem Lob des Aufsichtsrats für den Klinikenverbund im Umgang mit der Corona-Pandemie der Wirtschaftsplan 2020 genauso Thema war wie die wegen der Finanznot nötigen Sanierungsmaßnahmen. Wie letztere genau aussehen, wird mit Verweis auf die Mitarbeiter – es sind über 3000 in der Kliniken AG –, die vorab informiert werden sollen, noch nicht deutlich. Tendenzen werden aber klar: Es wird durchgegriffen.

Weg raus aus Überschuldung

Und zwar im Sinne einer positiven Zukunft, wie es in der Mitteilung heißt. Sowie stets unter der Prämisse, dass die wirtschaftliche und strukturelle Neuaufstellung dazu diene, die kommunale Trägerschaft des Unternehmens, mehrere Tausend Arbeitsplätze und die Gesundheitsversorgung in der Region zu sichern.

Auf dem Weg dorthin sei in den ersten drei Monaten bereits extrem viel passiert. So seien wesentliche Organisations- und Leitungsstrukturen angepasst und neu aufgestellt, der Jahresabschluss 2019 fünf Wochen eher fertiggestellt und ein Wirtschaftsplan 2020 (ohne Berücksichtung der Coronakrise und Sanierungsmaßnahmen) erarbeitet worden. "Parallel dazu haben Aufsichtsrat und Vorstand ,Hand in Hand‘ die Themen Überschuldung und Liquiditätssicherung ordentlich angepackt." Damit spielt die Mitteilung auf die weiteren großen Finanzspritzen der kommunalen Träger, Weiden und die Landkreise Neustadt/WN sowie Tirschenreuth, an. Sie stellten zur Eigenkapitalstärkung der von der Insolvenz bedrohten Kliniken AG zusammen 50 Millionen Euro zur Verfügung. Die ursprünglich als Trägerdarlehen zur Verfügung gestellten Mittel müssen somit nicht mehr getilgt werden. Obendrein leisteten die drei Träger eine Liquiditätshilfe von je 5 Millionen Euro. Die finanzielle Situation der AG drohte sonst zu prekär zu werden.

Apropos prekär: Das ist wohl auch die Erstellung eines Wirtschafts- und Sanierungsplans in Ausnahmezeiten wie der Corona-Krise.

Kliniken AG braucht noch mehr Geld

Weiden in der Oberpfalz

So heißt es in der Mitteilung, die Erstellung des Wirtschaftsplans 2020 sei "enorm konzentriert verfolgt worden", aber sie sei unter erschwerten Bedingungen erfolgt. Die Auswirkungen und Ausgleichszahlungen nach den beschlossenen Schutzschirmmaßnahmen auf Bundes- und Landesebene hätten ja noch nicht bewertet werden können. Ein genauer Zeitraum dafür sei derzeit noch nicht absehbar. Dies bedeute für die aktuelle Situation auch eine Unkalkulierbarkeit hinsichtlich der Erlöse und Aufwendungen für das Unternehmen. Dem Gremium wurde daher ein Wirtschaftsplan vorgelegt, bei dem Erlöse und Aufwendungen sowohl vor Sanierung als auch Coronakrise dargestellt werden. Der Plan sorgte wohl für Wirbel bei der Sitzung, heißt es doch: "Aufgrund der aktuell nicht kalkulierbaren Auswirkungen der Coronakrise und der Veränderungseffekte durch den Sanierungsplan fanden umfangreiche Diskussionen statt." Am Ende aber habe das Gremium den Wirtschaftsplan einstimmig beschlossen.

Weiter Standorte und Abteilung auf dem Prüfstand

Laut der Kliniken-Mitteilung sei auch der aktuelle Stand des von allen Trägern geforderten Sanierungsplans bestätigt worden. Ob einstimmig wird nicht deutlich. Dafür wird nochmal erklärt, dass seit Anfang des Jahres ein rund 20-köpfiges Team der Kliniken Nordoberpfalz AG unterschiedliche Sanierungsthemen gesammelt, bewertet und priorisiert hat. Sie würden nun in den nächsten Monaten von der Oberender AG entsprechend ihren finanziellen Auswirkungen eingepflegt. Auch kurzfristig mögliche Einsparungen und Erlössteigerungen seien dem Aufsichtsrat vorgestellt worden.

Weiter stünden Abteilungen und Standorte auf dem Prüfstand: "Basis für das zwingend nötige Erreichen finanzieller Potentiale für die Kliniken Nordoberpfalz AG sind dabei genaue Prüfungen des wirtschaftlichen Betriebs von Standorten des Klinikverbunds sowie von Fachabteilungen." Darüber hinaus stünden viele weitere Themen auf der Sanierungsliste, unter anderem Bereiche wie die Prüfung von Verträgen, die weitere

Optimierung des Einkaufs und Organisations- sowie Prozessthemen.

Aber wie schon eingangs erwähnt: Mehr Details gibt es – noch – nicht. Erst würden die Mitarbeiter "direkt informiert".

Info:

Neuer Krankenhausleiter für Region Süd

Große Bedeutung kommt in Zukunft in der Kliniken Nordoberpfalz AG auch den Krankenhausleitungen zu, heißt es nach der Aufsichtsratssitzung der Kliniken Nordoberpfalz AG. Und so wurde eine weitere Stelle besetzt, die der Krankenhausleitung Region Süd. Sie hat Dietmar Eine bereits seit Mitte März inne. Er verfüge über umfangreiche Kenntnisse und Erfahrung in der Führung von Unternehmen im Gesundheitswesen und habe sich dem Gremium in der Sitzung vorgestellt.

Krankenhausleiterin Nord ist übrigens Claudia Kost und im Westen Carina Ascherl. Sie ist aber in Elternzeit und wird von Alexander Priebsch vertreten.

Die Aufsichtratssitzung Ende April galt schon im Vorfeld als entscheidend

Weiden in der Oberpfalz

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.