10.06.2019 - 11:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Erste Hinweise auf Weidens Gastro-Geheimnis

Wann sperren die denn auf? Was hinter dem Bauzaun und den Fenstern des ehemaligen Leder-Kaufmann vor sich geht, ist derzeit das meistdiskutierte Projekt der Weidener Gastronomie. Das Besitzerpaar gewährt nun erste Einblicke.

Arbeit an allen Ecken und Enden. Trotzdem gehen Dominik Schultis und Sophie Herzner den Umbau ihres zukünftigen Restaurants weiterhin mit guter Laune an. Unterstützt werden sie von den Handwerkern Benno Stokloßa und Franz Krismanek.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Das markante Eckhaus am Oberen Markt soll Bar und Restaurant werden. Wie es heißen soll, was aus der Küche kommt, wer dort arbeitet, welche Weine und welche Farbgestaltung die Gäste erwarten dürfen - all das, was landläufig "Konzept" heißt, wird noch nicht verraten. "Wir wollen die Neugier noch ein bisschen hochhalten", sagt Dominik Schultis. Der Inhaber des Lokals ist seit über einem Jahr am Umbauen.

Wo einst Koffer und Schultaschen die Auslage bestimmten, sollen ab Sommer nächsten Jahres auf zwei Ebenen Speisen und Getränke im Mittelpunkt stehen. Im Erd- und im Obergeschoss können je 30 Menschen Platz finden. Bis dahin sind Dominik Schultis und etliche Baufirmen noch kräftig gefordert. Überall hängen Kabel, stehen Maschinen, liegen Leitungsrohre. Der Rohbau ist bis auf den Trockenbau abgeschlossen. Derzeit werden die Elektro-, Gas- und Wasserleitungen verlegt, danach kommt eine 90-Grad-Ecktreppe.

Die Einteilung ist jedoch schon erkennbar. In beiden Etagen fallen zwei Schächte für Aufzüge auf. Einer führt direkt in die Küche im ersten Stock, die sich auf der Schulgassenseite befindet. Der zweite steht zentraler im Raum, in etwa dort, wo zu Leder-Kaufmann-Zeiten eine hölzerne Rundtreppe die beiden Stockwerke verband. In ihm sollen ab und an Teller, aber vor allem Getränke transportiert werden.

Wer das Lokal betritt, wird dies durch den Haupteingang am Oberen Markt tun. Dazu wird die Eingangstür nach vorne versetzt, so dass sie mit der Fassade bündig ist. "Dann kann man dahinter auch mal einen Vorhang anbringen", erklärt Schultis. Rechts vom Eingang soll ein Podest ins Auge fallen, in dem im Winter die eventuelle Außenbestuhlung gelagert werden kann. Das Podest selbst soll als Bühne dienen. Für Kleinkunst? Theater? Konzerte? "Wird noch nicht verraten." Der Clou dabei: Über eine Leinwand können auch die Gäste im oberen Stock mitbekommen, was sich unten an Kultur tut. Oder auch nicht. Der Bühnenbereich ist mit einer großen Stahlklappe vom Parterre gleichermaßen abtrennbar.

Die jetzigen Schaufenster am Oberen Markt sollen Flügelfenstern mit Wetterschenkel weichen. An warmen Tagen kann man sie aushängen, so dass es innen luftig, aber schattig ist. Unten befindet sich ebenfalls ein Tresen mit Spülbereich. Zum Ausschank kommt ... "wollen wir noch nicht sagen."

Vermuten kann man aber so einiges. Schultis und seine Verlobte Sophie Herzer, Assistenzärztin in der Gynäkologie am Klinikum Weiden, haben sich unter anderem mit dem Keller viel Mühe gegeben. Sie haben dort ein Gewölbe aus dem 15. Jahrhundert freigelegt und zwei Meter weiter in die Tiefe graben lassen. Ein zeitaufwendiges Unterfangen: So ist auf einem völlig neuen Fundament ein ausgebautes Tiefgeschoss mit Backsteinmauern und Bögen entstanden. Es wird die eigentliche Schatzkammer des Lokals mit Rotweinkeller, einem 6-Grad-Bereich für Weißweine und einem Technikraum. Von dem aus wird alles zentral gekühlt. "Die Abwärme wird zum Heizen der Spülstraße genutzt", erklärt der Chef. Er hat auch die Heizung von Öl auf Gas umgerüstet. Unter anderem, weil eine Ölheizung Mikro-Oxidation bedingt, was dem gelagerten Wein nicht zuträglich ist.

Mit dem kennt sich Dominik Schultis aus. In Wiesau, Südafrika, den Niederlanden und Wien hat er sich sein Gastro-Knowhow angeeignet. Er darf sich unter anderem Diplom-Sommelier, -Schaumweinconnaisseur und - Barkeeper nennen. Vom Rotweinkeller hat er den Putz abgeschlagen und mit Kalkfarbe nachgestrichen. "Die wirkt desinfizierend, der Wein soll bei uns nicht nur lagern, sondern auch reifen." Ob er damit auch handeln will? "Sagen wir später."

Dass die Innenstadt mit Weinbars bereits reichlich bestückt ist, schreckt den Newcomer-Wirt nicht. "Die Weinwelt ist groß, wir werden mit Sicherheit etwas anbieten, was andere nicht haben." Auf die Obergeschoss-Küche darf man ebenfalls gespannt sein. Ihre Eckdaten: Zwei Garbereiche für Fleisch, Sechs-Flammen-Herd, Kippbratpfanne, Fritteuse, zwei Konvektomaten mit Ofen, Dampfgarer und Smoker.

Klingt Personalintensiv. Ein Aushang in der Schulgasse zeigt, dass noch Mitarbeiter gesucht werden. Einige hat Schultis auch schon, erzählt er stolz: "Den Grundstock für die Küche, sehr gute Theker, von denen einer den Meistersommelier macht, eine Super-Patisserie und eine sehr gute Serviceleiterin."

Das stellt auch Ansprüche ans Ambiente. Es soll eher reduziert als überladen daherkommen. "Eine Kombination aus Industrial Design und Bauhausstilistik", erklärt Schultis. Neben einer Backsteinwand sollen Sichtbeton, Stein, Holz und Glas die Optik bestimmen. Zunächst an fünf Wochentagen. Sobald es läuft, soll mal ein Ruhetag wegfallen. Doch das alles ist Zukunftsmusik. Den aktuellen Sound liefern Flex und Bohrmaschine.

Freisitz in der Schulgasse abgelehnt:

Welch’ Enttäuschung bei den Bauherren Sophie Herzer und Dominik Schultis. Die Stadträte folgten im Bau- und Planungsausschuss der Empfehlung der Verwaltung und erteilten der gewünschten Sondernutzung für die Bestuhlung in der Schulgasse, Ecke Oberer Markt, eine Absage. Und das sogar einstimmig.

Einer der Gründe ist die räumliche Situation. Mit den Freisitzen zwischen Leder Kaufmann und Michaelskirche würde es für die Verkehrssicherung zu eng, vor allem dann, wenn wie bisher Stadt, Handwerker, aber auch die Rettungsdienste und Polizei diesen Teil der Schulgasse „temporär“, also vorübergehend, als Parkplatz nutzen.

Bau- und Planungsdezernent Oliver Seidel räumte ein, dass es bisher nur für den Oberen und Unteren Markt ein Konzept für die Nutzung der öffentlichen Flächen vor den Häuserfassaden gebe. Die Fußgängerzone dehne sich aber weiter bis in die Gassen aus. Dort gebe es noch eine „Regulierungslücke“. „Wir haben hier keine Vorgabe, die uns bei der Gleichbehandlung der Antragssteller hilft.“

Für die SPD-Fraktion vertraten Karl-Heinz Schell und Hildegard Ziegler die Position der Bauverwaltung: Noch freie Plätze in der Altstadt sollten auch frei gehalten werden. Dort gebe es immer wieder große Veranstaltungen. „Jedesmal müssen wir wieder Krieg mit den Wirten anfangen, damit sie zurückrutschen“, stellte Schell fest. Schon jetzt werde es in der Altstadt schnell eng, wenn mehrere Nutzungen aufeinanderfielen, sagte Ziegler. „Es ist Zeit, auch die Seitengassen in den Blick zu nehmen.“ Einzig Reinhold Wildenauer (Bürgerliste) begrüßte die intensive gastronomische Nutzung. „Einfach wunderschön.“ (wd)

Es wird zu eng, wenn in der Schulgasse, westlich vor dem ehemaligen Anwesen von Leder Kaufmann, noch bestuhlt würde.
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