28.09.2021 - 10:35 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Evangelischer Männerverein kritisiert Kirche für geplanten Verkauf des Vereinshauses

Das Haus der Evangelischen Gemeinde soll verkauft werden. Das hat der Kirchenvorstand von St. Michael beschlossen. Beim Evangelischen Männerverein Weiden stößt das auf Unverständnis. Die Mitglieder üben harte Kritik.

von Helmut KunzProfil

Es war eine harmonische Jahreshauptversammlung des Evangelischen Männervereins Weiden, bis zu dem Augenblick, als beim Tagesordnungspunkt "Sonstiges" die Rede auf den Verkauf des Vereinshauses kam. Die Überlegungen zur Veräußerung lägen bereits mehr als drei Jahre zurück, erklärte Dekan Thomas Guba in seinem Bericht. Jetzt habe es einen einstimmigen Beschluss des Kirchenvorstandes gegeben, die Immobilie zu verkaufen. „Schweren Herzens.“

Die Verpachtung an den Partyservice Voit sei nur eine Zwischenlösung gewesen. „Das war keine Dauerlösung.“ Der Unterhalt des Gebäudes koste die Gemeinde 30.000 bis 40.000 Euro jährlich. „St. Michael kann sich dieses große Gebäude nicht mehr leisten.“

Kirchenvorstand und Dekan "tatenlos"

Werner Giese war 20 Jahre lang Verwaltungsstellenleiter in St. Michael, ehe er 2004 in den Ruhestand verabschiedet wurde. Er erhob Vorwürfe an den Kirchenvorstand und den damaligen Dekan und bescheinigte ihnen Tatenlosigkeit. Beide hätten sich nicht genügend um das Haus gekümmert.

„Alle Investitionen: Alles umsonst.“ Giese wurde laut. „Jetzt soll verkauft werden, ich kann das nicht verstehen.“ Das Problem liege nicht am Geld, sondern an der Führung. „Das Gemeindehaus wurde vernachlässigt. Es gab hier keinerlei Gemeindeveranstaltungen mehr.“ All diejenigen, die mit Herzblut hier gearbeitet hätten, seien entsetzt, dass dieses traditionelle Haus jetzt verkauft werde. Wie schon weiland die Blockhütte.

Unterhalt zu teuer

„Was wird jetzt aus den Vereinen, die hier untergebracht sind?“ fragte ein anderer. „Was hat es hier für schöne Bälle und Theateraufführungen gegeben?“ „Soll das Vereinshaus bald eine Ruine werden und so ausschauen, wie das Josefshaus?" Günther Roscher erklärte, dass der Unterhalt des Gebäudes der Evangelischen Gemeinde „eindeutig zu teuer“ käme. „Mit einem besseren Haushalt hätten wir es halten können.“ Aber die Gemeindemitglieder würden immer weniger werden.

Die Crux hatte vorher schon Dekan Guda in den Ring geworfen. „Es wäre schön, wenn wir das Haus erhalten könnten. Im Dekanat gibt es aber noch mehrere Beispiele. Es ist schade, aber es trifft die katholische Kirche genauso: Wir werden einfach immer weniger. Und damit auch unsere Angebote. Daraus müssen wir ganz einfach unsere Konsequenzen ziehen." Wie der Dekan weiter betonte, stünden aus selbigem Grund bis 2030 rund 40 Prozent aller Pfarrzentren zum Verkauf. „Die Landeskirche gibt das vor. Das Geld ist rar.“

Interessenten vorhanden

„Das Evangelische Vereinshaus ist ein Klotz am Bein der Evangelischen Kirchengemeinde.“ Der Verkauf habe schon vor zehn Jahren zur Diskussion gestanden. Inzwischen sei das Anwesen bei City Immobilien gelistet. Pfarrerin Stefanie Endruweit sei mit dem Verkauf betraut. „Es gibt Interessenten“, sagte der Dekan. „Aber es gibt noch keine konkreten Angebote. Das mit dem Verkauf wird also noch dauern.“ Es könnte sich ja vielleicht jemand finden, der es kaufe und weiter nutze, wie bisher.

Zwei Jahre lag die letzte Jahreshauptversammlung zurück. Vorsitzender Horst Seifert erinnerte an einige Vorträge und Lesungen noch vor Ausbruch der Pandemie. "Jetzt fangen wir wieder an", sagte er. Bereits am 4. Oktober stelle Jürgen Geuß den Karnischen Höhenweg vor. Der Vorsitzende kündigte ferner an: Einen Männergottesdienst, Adventsfeier und Neujahrsandacht. Für 50 Treue wurden Hans Häring und Friedrich Gollwitzer mit Urkunden geehrt. Für 40 Jahre Gerhard Rix, Dieter Bock, Ernst Krain, Manfred Erben, Hartmut Geuß und Helmut Wunderlich. Neumitglied Dekan Guba wurde von Amts wegen neuer zweiter Vorsitzender.

Die Gemeinde sucht einen Käufer

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