Weiden in der Oberpfalz
20.08.2026 - 14:53 Uhr

Fahrräder, Stühle und Schulbänke aus Weiden für die Ukraine

In der Pressather Straße 157 in Weiden wird ein 40-Tonner mit Hilfsgütern beladen. Ziel ist die Westukraine. Dort soll eine neue Schule in der Region Iwano-Frankiwsk eingerichtet werden. Viele Ehrenamtliche packen mit an.

Im Lager der Space-Eye-Außenstelle in der Pressather Straße 157 herrschte am Donnerstag geschäftiges Treiben. Bild: Helmut Kunz
Im Lager der Space-Eye-Außenstelle in der Pressather Straße 157 herrschte am Donnerstag geschäftiges Treiben.

Um 9 Uhr beginnt an diesem Donnerstag das große Beladen. Schulbänke werden getragen, Stühle gestapelt, Fahrräder hochgewuchtet. Im Lager der Space-Eye-Außenstelle in der Pressather Straße 157 herrscht geschäftiges Treiben. Viele freiwillige Helfer sind gekommen, um den großen Hilfstransport der Weidener Außenstelle auf den Weg in die Ukraine zu bringen.

Im Mittelpunkt stehen 40 Schülerbänke und 100 Stühle der Hans-Sauer-Schule aus Rothenstadt. Sie werden für eine neue Schule in der Region Iwano-Frankiwsk benötigt. Dazu kommen Schreibmaterialien, Spielzeug, Plüschtiere, medizinische Artikel für ein Krankenhaus, rund 50 Fahrräder sowie zahlreiche weitere Sachspenden von Privatleuten und Firmen.

Bürokratischer Aufwand

Was nach einfachem Verladen aussieht, ist allerdings mit erheblichem Aufwand verbunden. Jedes einzelne Stück muss erfasst und deklariert werden. "Jedes T-Shirt, jede Porzellantasse, jede Gabel", sagt Andreas Lehner, der ehrenamtliche Leiter der Space-Eye-Zweigstelle Weiden. Die ukrainischen Behörden verlangen eine genaue Dokumentation. "Das ist ein absoluter Wahnsinn", beschreibt Lehner den logistischen Aufwand.

Der Grund sind schlechte Erfahrungen aus der Vergangenheit. Hilfsgüter seien früher teilweise unkontrolliert in die Ukraine gebracht und vor Ort einfach abgeladen worden. Heute wird jede Lieferung digital dokumentiert und von mehreren Behörden kontrolliert. "Bei uns garantiert jeder dafür, dass das, was wir hinausschicken, am Ziel auch ankommt", sagt Lehner.

14 Stunden Fahrt

Ursprünglich wollte Space Eye die Güter mit Sprintern in die Westukraine bringen. Doch die Menge machte einen 40-Tonner notwendig. Rund vier Stunden wird allein in Weiden geladen. Anschließend fährt der Lastwagen nach Regensburg, wo weitere Hilfsgüter zugeladen werden. Etwa 14 Stunden dauert die Fahrt bis in das Zielgebiet.

Für Lehner ist die Ukraine kein unbekanntes Terrain. Der Rentner war bereits 14-mal vor Ort. Die Weidener Helfer sind auch in Regionen im Einsatz, die deutlich näher an der Front liegen. "Die kürzeste Entfernung zur Frontlinie: drei Kilometer", berichtet er. Er habe schon russische Drohnen mit 16 Metern Spannweite in sehr geringer Höhe über seinem Kopf fliegen sehen. "Das ist brutalst."

Plötzliche Evakuierungen

Die Hilfe wird dringend benötigt. In der Westukraine werden immer wieder Menschen aus den umkämpften Gebieten im Osten aufgenommen. Darunter sind Kinder, Familien, Waisen und ältere Menschen. Einrichtungen müssen sich häufig innerhalb kürzester Zeit auf viele neue Bewohner einstellen. "Morgen kommt ein Zug mit 100 Kindern. Kümmert euch darum", lautet mitunter die gesamte Information, die die Helfer erhalten. Einen Tag später steht der Zug im Bahnhof und in der Oberpfalz laufen die Vorbereitungen für einen Hilfstransport.

Auch die Schulen wachsen unter diesen Bedingungen. In einem bereits unterstützten Ort stieg die Zahl der Schüler von zunächst 40 auf 280. Nun soll eine weitere Schule eingerichtet werden. Benötigt werden vor allem Schülerbänke, Stühle und Schreibmaterialien.

Ehrenamtliche gesucht

Space Eye wurde 2018 von Michael Buschheuer, dem Gründer von Sea-Eye, ins Leben gerufen. Der gemeinnützige Verein mit Sitz in Regensburg leistet humanitäre Nothilfe für Menschen auf der Flucht und in Krisengebieten. Zu den Aktivitäten gehören neben Hilfstransporten unter anderem Projekte für Geflüchtete und mobile Backstuben in der Ukraine.

In Weiden wird dafür jede helfende Hand gebraucht. Ehrenamtliche sortieren, tragen, dokumentieren und laden. "Wir suchen ständig neue Ehrenamtliche", sagt Lehner. Dabei spiele es keine Rolle, wie alt jemand sei oder welche Nationalität er habe. Am Ende schließen sich die Türen des Lastwagens. Dahinter stapeln sich Schulbänke, Stühle, Fahrräder und unzählige einzelne Spenden.

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Weiden in der Oberpfalz10.05.2026
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