18.03.2019 - 15:24 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Festnahme im Gerichtssaal

"Da brach ein bissl Panik aus." So schildert es ein Zeuge, 31 Jahre, Elektroniker. Er war mit Frau und Kindern im City-Center, als ein Streit eskalierte. Erst wurde ein Teppichmesser gezückt, dann schwangen die Angreifer ihre Gürtel.

Noch im Gerichtssaal nehmen Justizwachtmeister den 28-jährigen Angeklagten (in Rot) fest. Bis zur Rechtskraft des Urteils bleibt er wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft. Im Hintergrund übersetzt ein Kurdisch-Dolmetscher.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Unmittelbar nach der Urteilsverkündung ließ das Landgericht Weiden am Montag den Angeklagten von Justizwachtmeistern festnehmen. Der 29-Jährige, beteiligt an der Messerstecherei im City-Center im September 2017, bleibt damit bis zur Rechtskraft des Urteils in Untersuchungshaft. Die Berufungskammer legte in zweiter Instanz noch ein Vierteljahr drauf: Der Kurde aus dem Nordirak geht unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung für 2 Jahre 9 Monate hinter Gitter.

Die sofortige Festnahme begründete Vorsitzender Richter Reinhold Ströhle mit Fluchtgefahr. "Das hätte schon vor anderthalb Jahren geschehen sollen." Es sei ihm "völlig unverständlich", warum der Angeklagte nach der Tat auf freiem Fuß blieb.

In der Berufung gilt normalerweise ein Verschlechterungsverbot, wenn nicht - wie hier geschehen - auch der Staatsanwalt Berufung einlegt. Aus der vom Angeklagten erhofften Bewährung wurde es also nichts. Der 29-Jährige ist abgelehnter Asylbewerber und hält sich auf Basis von vierteljährlichen Duldungen in Deutschland auf. "In den Irak wird generell nicht abgeschoben", klärte Verteidiger Hans-Wolfgang Schnupfhagn auf.

Der zweite Angreifer, ein 20-jähriger Kurde, sitzt bereits. Er war 2018 zu drei Jahren Haft verurteilt worden (weitere Straftaten flossen ein). Folgendes hat sich aus Sicht des Gerichts am Samstagnachmittag, 9. September 2017, im Eingangsbereich des City-Centers abgespielt: Der Angeklagte (29) rempelte einen unbeteiligten Passanten (53) an und drohte ihm mit einem Teppichmesser. Sein Landsmann (20) verpasste dem Passanten zudem einen Kopfstoß. Andere Kunden mischten sich ein, darunter ein städtischer Mitarbeiter, der mit seiner Familie Einkaufen war. Er zog das Opfer in ein Friseurgeschäft. Dabei erlitt er eine Schnittwunde am Rücken durch die Kleidung hindurch.

Bis zuletzt blieb unklar, welcher der beiden Angreifer die Klinge führte. Auch der letzte Zeuge am Montag - ein Elektroniker (31) aus dem Landkreis - musste passen. "Das ist sehr, sehr lang her. Ich habe die Gesichter nicht mehr im Kopf." Sei's drum: Das Gericht urteilte letztlich in diesem Punkt auf Mittäterschaft. Das Verhalten des Angeklagten sei in "keinster Weise zu billigen", so Vorsitzender Ströhle, das Urteil müsse abschreckende Wirkung haben.

Der Elektroniker war getroffen worden, als die Täter ihre Gürtel schwangen. Seine Kinder hätten heute noch Angst, wenn die Familie das Center besucht: "Sie fragen: Kommen die bösen Männer wieder?"

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