16.06.2021 - 15:05 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Fischereivereine: Mehr Gastangler und Tageskarten

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Die Coronakrise hat natürlich auch für Fischer in Weiden und im Landkreis Neustadt/WN einen Haken. Aber in einer Hinsicht freuen sie sich über teils ordentliche Fänge.

Während der Coronapandemie war Angeln grundsätzlich erlaubt, wie hier am Röthenbacher Hammerweiher. Er ist eins von vielen Gewässern des Sportanglerbunds Weiden. Fischereivereine in der Region verbuchten auch einen Zuwachs an Tageskarten oder Gastanglern.
von Thorsten Schreiber Kontakt Profil

Auch während des Corona-Lockdowns war Angeln erlaubt, außer nachts wegen der Ausgangssperre. Aber ab 5 Uhr morgens durfte gefischt werden. Folgende Vereine in der Region freuten sich zwar über einen Anstieg an Gastanglern und Tageskarten, haben aber die Auswirkungen der Pandemie dennoch zu spüren bekommen.

  • Sportanglerbund Weiden

Beim Sportanglerbund Weiden musste das Vereinsleben zwangsläufig eine Pause einlegen, bedauert Vorsitzender Reiner Wolfrath. Die Verantwortlichen versuchten, es einigermaßen aufrechtzuerhalten. Da es keine Versammlungen gab, mussten die 444 Mitglieder über das Internet oder mit der Post informiert werden. Das Königsfischen, das traditionell am ersten Sonntag im Juni über die Bühne geht, fiel heuer aus. Pflegemaßnahmen wie Mähen der Ufer oder Besatz der Vereinsgewässer war jedoch unter Berücksichtigung der Hygienevorschriften möglich, informiert Wolfrath.

Langsam laufen auch weitere Aktivitäten an. Kürzlich traf sich der Ausschuss zur ersten Sitzung seit September, am Donnerstag beginnt mit 50 Teilnehmern der Vorbereitungskurs auf die Fischerprüfung, der eigentlich für Januar geplant war. Zum 60-jährigen Bestehen soll es ein Jubiläumsfischen geben. Das Wallerfischen am ersten Wochenende im Juli ist ebenfalls fest eingeplant, ebenso das Zeltlager für die Jugendlichen zum Start der Sommerferien. Davon abgesehen hat Wolfrath eine deutliche Zunahme an Gastanglern und Tageskarten festgestellt. "Das waren so viele wie noch nie. Die Leute hatten Zeit und durften ja zum Angeln raus." Davon profitierten schließlich Züchter von Besatzfischen, da die Gewässer wieder aufgefüllt werden mussten.

  • Sportanglerverein Eschenbach

Aus 14 Zuchtweihern mit Besatzfischen, Karpfen oder Hechten kann der Sportanglerverein Eschenbach einen gewissen Bedarf in der Region decken. Wegen Corona mussten die Verantwortlichen aber das Abfischen beantragen und ein Hygienekonzept erstellen, informiert zweiter Vorsitzender Günter Ring. Nicht nur deswegen hat es "ganz klar Einschränkungen gegeben". Über ein Jahr waren keine Neuwahlen möglich, vor Kurzem ist auch noch der Chef zurückgetreten. Für 9. Juli ist daher die Generalversammlung geplant. Nachdem es heuer wie im vergangenen Jahr kein Fischerfest geben wird, bieten die Verantwortlichen am 10. und 11. Juli an der Gemeinschaftshalle in Tremmersdorf "Fish to Go" an. Es gibt geräucherte Forellen, gegrillte Saiblinge und Makrelen, Forellen in Folie und Fischburger.

Das Königs- und Hegefischen soll "in kleinerem Rahmen" am 18. Juli über die Bühne gehen. Voriges Jahr waren es 48 Teilnehmer, erklärt Ring. Bereits am 27. Juni steht eine Gewässerbegehung für Neuzugänge im Kalender. Die Jugendlichen trafen sich bereits zu zwei Gruppenstunden, in den Sommerferien sind ein Zeltlager und ein Schnupperangeln geplant. In der Vorstandssitzung am Sonntag, 20. Juni, sollen weitere Einzelheiten besprochen werden. Aktuell gehören dem Verein rund 430 Mitglieder an. Kontakt zu ihnen haben die Verantwortlichen über Whatsapp, Internet und zwei Rundschreiben im Jahr gehalten. Außerdem gab es zwei Videokonferenzen. Der Verkauf an Tageskarten ist dank des Rußweihers, der im Oktober abgefischt wurde und seit 1. Mai wieder voll ist, immer konstant gut. In Vereinsgewässern dürfen keine Gastangler fischen, erläutert der zweite Vorsitzende.

  • Kreisfischereiverein Vohenstrauß

20 Prozent mehr Tageskarten hat der Kreisfischereiverein Vohenstrauß verkauft, sagt Vorsitzender Johann Dittmann. Üblicherweise waren es 100, zuletzt 120. Dafür gab es bei den Jahreskarten einen Rückgang von 95 auf 86. Ansonsten war auch im Altlandkreis die Vereinsarbeit nicht einfach. "Der Zusammenhalt geht während Corona den Bach runter." Immerhin gab es pandemiebedingt keine Austritte, die Zahl der Mitglieder ist mit 350 konstant geblieben, freut sich Dittmann. 60 davon sind in einer Whatsapp-Gruppe, die 11 Vorstandsmitglieder trafen sich online zu Konferenzen. Die Jahreshauptversammlung wäre im März gewesen und ist um ein Jahr verschoben worden.

Besatzmaßnahmen mit ein, zwei Leuten waren kein Problem, nur Pflegeaktionen hat es seit fast zwei Jahren nicht gegeben. Finanziell macht sich die Pandemie ebenfalls bemerkbar: Zwar gibt es bei Arbeitsdiensten zehn Pflichtstunden, und jede nicht geleistete wird mit acht Euro verrechnet. Aber der Verein investiert in ein Besatzprogramm mit Rote-Liste-Fischen, muss Pachtverträge und Verbandsbeiträge zahlen. Zudem fielen Veranstaltungen aus, die sonst Geld in die Kasse spülen. Dittmann rechnet mit rund 6000 Euro, die fehlen.

Der Vorsitzende macht noch auf ein weiteres Problem aufmerksam: Er betreibt privat eine kleine Forellenzucht, während der Pandemie sind allerdings Gaststätten als Abnehmer abgesprungen. Dafür kauften Kunden die Fische, um sie zu Hause zu grillen oder zu räuchern. Allerdings gibt es wegen der Fischreiher immer weniger Teichwirte.

Mit dem Königsfischen am Sperlweiher bei Gröbenstädt am Sonntag, 27. Juni, läuft das Vereinsleben langsam wieder an. 20 Teilnehmer sind bereits angemeldet, bisher gingen immer 30 bis 35 an den Start. Bei einem Abstand von 8 bis 10 Metern zwischen den Anglern sind die Infektionsschutz-Vorschriften leicht einzuhalten. In Sachen Jugendarbeit beteiligt sich der Kreisfischereiverein normalerweise immer am Ferienprogramm der Stadt Vohenstrauß. Das gemeindeübergreifende Zeltlager am Sperlweiher ist für 9. August geplant. Die Fahrt an die Ostsee musste schon drei Mal verschoben werden, nächster Versuch ist am 26. September.

  • Kreisfischereiverein Neustadt/WN

"Wir haben ziemlich alles runtergefahren", erklärt Bernhard Weiß, Chef des Kreisfischereivereins Neustadt/WN. Der Altersdurchschnitt der 130 Mitglieder ist hoch, daher hatte die Vorsicht vor einer Ansteckung mit Covid-19 Vorrang. Gewässerpflege oder Abfischen war jedoch in kleinem Rahmen möglich. Weitere Aktivitäten gehen nun "zaghaft wieder an". Kommende Woche ist eine Vorstandssitzung geplant, in der weitere Termine besprochen werden. Für 4. Juli ist das Königsfischen geplant, für die Jugend soll es ein Schnupperangeln geben. "Wir hoffen außerdem, dass wir das Vereinsheim wieder öffnen können, sind aber zuversichtlich", sagt Weiß.

Dafür freut sich der Störnsteiner über einen totalen Ausverkauf bei Tageskarten. "Das hat es schon lang nicht mehr gegeben. Viele, die anderweitig nichts machen konnten, zum Beispiel in anderen Vereinen oder in Urlaub fahren, gingen mal wieder fischen. Da waren wir sehr überrascht." Bei den Jahreskarten ist der Absatz ziemlich konstant geblieben.

In Grafenwöhr gibt es am 27. Juni einen Fischverkauf

Grafenwöhr
Der Kreisfischereiverein Vohenstrauß nimmt normalerweise immer am Ferienprogramm der Stadt teil. Wegen Corona war das 2020 nicht möglich.
Die Mitglieder des Sportanglervereins Eschenbach fischen den Rußweiher ab.
Die Kießgrube mit Fischerhäusl in Pressath gehört dem Sportanglerbund Weiden.

"Der Zusammenhalt geht während Corona den Bach runter."

Johann Dittmann, Vorsitzender des Kreisfischereivereins Vohenstrauß

Hintergrund:

Vier ausgewählte Vereine und ihre Gewässer

  • Sportanglerbund Weiden: 444 Mitglieder, 10 Kilometer Fließgewässer und 45 Hektar stehende Gewässer
  • Kreisfischereiverein Vohenstrauß: 350 Mitglieder, 14 Bäche und stehende Gewässer
  • Kreisfischereiverein Neustadt/WN: 130 Mitglieder, 4 Zuchtweiher, 1 Angelweiher, 14 Kilometer Fließgewässer (Waldnaab)
  • Sportanglerverein Eschenbach: über 430 Mitglieder, 4 stehende Gewässer, 2 Fließgewässer, 14 Zuchtweiher

 

 

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