Spitzenpositionen in weiblicher Hand, Frauen, die Karriereleitern erklimmen – um die Stadt Weiden und den Landkreis Neustadt/WN scheint es in dieser Hinsicht nicht schlecht bestellt: Witt Weiden und das Werk der Constantia in Pirk liegen mit Marloes van Kooten und Heike Mahn zumindest teilweise in weiblicher Hand. Wie aber sieht es im Rest der Region aus?
Wie viele Frauen genau in der Region Führungspositionen inne haben, ist unklar. Offizielle Zahlen liegen nicht vor, schreibt die Industrie- und Handelskammer Regensburg auf Anfrage von Oberpfalz-Medien. Die großen Unternehmen der Region geben erste Hinweise darauf, wie es um weibliche Führung bestellt ist.
"Riesige Spannweite"
Die Firma Seltmann möchte sich auf Anfrage von Oberpfalz-Medien nicht äußern. BHS Corrugated, Witt Weiden und BHS Tabletop aber, geben Auskunft – und weisen alle recht unterschiedliche Zahlen auf. Die Anzahl weiblicher Führungskräfte unterscheidet sich sehr, sieht auch Regina Mehler, Gründerin und CEO von "1st Row & Women Speaker"
"Frauenquoten zwischen 10 und 25 Prozent – das ist eine riesige Spannweite", sagt Mehler. Optimierungsbedarf sieht die gebürtige Oberpfälzerin vor allem in MINT-Branchen.
Mangelnde Sichtbarkeit
Der Frauenanteil sei "vergleichsweise gering", gibt auch die BHS Corrugated zu. "Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass viele dieser Positionen aus technischen Fachlaufbahnen hervorgehen und damit aus einem Bereich, in dem Frauen nach wie vor unterrepräsentiert sind", erklärt die Firma. Die Branche im Bereich Maschinen- und Anlagebau sei "traditionell stark männlich geprägt".
Etwas, das sich dringend ändern müsse, findet Mehler. "Gerade in MINT-Berufen geht es um Sichtbarkeit. Schon im Studium sind Frauen unterrepräsentiert. Man muss schon den Mädels überhaupt die Option aufzeigen, dass sie zum Beispiel auch Astronautin werden könnten." Jungen hätten diese Vorbilder häufiger. "Die sagen viel selbstverständlicher: Ja klar, werde ich Chef."
Ziel: Frauen am "Entscheider-Tisch"
Sichtbarkeit fehle besonders in den höchsten Führungsebenen. Auf den unteren Führungsebenen fehle es häufig nicht an Frauen – in den Spitzenpositionen dafür schon. "Und daran krankt es: Wenn ganz oben die Entscheidungen anders gefällt werden, weil einfach nur Männer da sind, dann werden Perspektiven, die wir Frauen einbringen übergangen", sagt Mehler.
Wichtig sei, dass Frauen am "Entscheider-Tisch" sitzen – im Interesse der Frauen und der Unternehmen. "Studien zeigen: Diverse Teams bringen mehr Ideen ein, Unternehmen wachsen schneller", so Mehler. Damit sich etwas ändern kann, brauche es gezielte Förderungen – aber auch Druck. Instrumente wie die Frauenquote seien notwendig. "Ohne Quote sind wir zu bequem. Es hat sich schon viel geändert, aber hält sich das? Nein. Weil wir noch nicht so weit sind, dass Frauen andere Frauen nachholen", sagt Mehler.
Frauen müssen "überperformen"
Ziel müsse es sein, faire Chancen zu schaffen. "Wir brauchen nicht einfach nur Frauen, wir brauchen die besten als Leader", so Mehler. Oft gehe es um Politik innerhalb des Unternehmens, nicht darum, das Beste aus einem Unternehmen herauszuholen. Würde sich das ändern, stünden Frauen auch in der Debatte weniger im Fokus – und damit auch weniger unter Druck. "Frauen sind auf der Watchliste. Wir müssen über-performen, weil es mehr auffällt als bei Männern, wenn wir nicht leisten", sagt Mehler. Um Chancengleichheit herzustellen, müssen Bedingungen geschaffen und Frauen gefördert werden – auch in der Stadt Weiden und im Landkreis Neustadt/WN.
Etwas, das sich auch die drei Unternehmen vorgenommen haben. Bei Witt Weiden strebe man eine Frauenquote "von 30 Prozent auf Ebene der Bereichsleitungen an", schreibt eine Sprecherin auf Anfrage. Erreichen wolle man das mit verschiedenen Arbeitszeitmodellen, um Familie und Beruf besser vereinbaren zu können.
Frauennetzwerke
Auch die BHS Tabletop will durch "flexible Arbeitszeitmodelle" Beruf und Familie miteinander vereinbarer machen und ein "Arbeitsumfeld schaffen", dass Frauen "ermutigt". Zwar gebe es keine klar vereinbarte Ziel-Frauenquote, man wolle aber "Vielfalt aktiv fördern", zum Beispiel, in dem Diversitätsaspekte bei der Einstellung aktiv berücksichtigt würden.
Helfen, würden auch Frauennetzwerke, weiß Regina Mehler. "Ich glaube, die braucht es unbedingt. Nicht jede Frau ist laut und forsch bei dem Thema. Viele Frauen müssen erst sehen, wie viele von ihnen es eigentlich gibt, brauchen andere Frauen, die sich gegenseitig motivieren und stärken", so die Expertin. Mit "Women@Witt" gibt es so ein Netzwerk bereits bei der Firma Witt. Gefördert werden soll darin die "Sichtbarkeit und Selbstsdarstellung von Frauen", hieß es von Seiten des Unternehmens Anfang des Jahres.
Große Chance für die Region
Daraus, so Mehler, könne dann auch ein positiver Druck nach außen entstehen. "Der Druck muss aus der Gesellschaft kommen. Ich glaube, die Firmen würden sich nicht ändern, weil das sind so festgefahrene Strukturen." Frauen seien noch lange nicht da, wo sie sein könnten, für die Region sieht die Unternehmerin aber trotzdem großes Potential.
"Ich glaube, die Region hätte eine riesen Chance, wenn die Region sich dazu entscheidet, das als Wert zu entwickeln." Mehr Kitaplätze, mehr Bedingungen, um junge Familien zurückzuholen. "Wenn man die Chance fördert, in der Karriere voran zu kommen, nah an der Familie zu sein, günstiger zu leben", dann wäre das nicht nur gut für die Region, nicht nur für Frauen, sondern auch für den Wirtschaftsstandort an sich.
Frauen in Führungspositionen - wie sind große Unternehmen der Stadt Weiden und im Landkreis aufgestellt?
- BHS Corrugated:
Definition "Führungsposition": "Personen, die fachlich und/oder disziplinarisch führen"
Führungspositionen insgesamt: 100
Davon weibliche Führungskräfte: 10 (10 Prozent)
Frauenquote Mitarbeiter insgesamt: 258 von 1.467 (17,59 Prozent) - Witt Weiden:
Definition "Führungsposition": "Personen, die disziplinarisch weisungsbefugt sind."
Führungspositionen insgesamt: 180
Davon weibliche Führungskräfte: 25 bis 50 Prozent, je nach Führungsebene
Frauenquote Mitarbeiter insgesamt: 75 Prozent - BHS Tabletop:
Definition "Führungsposition: "Disziplinarische und fachliche Verantwortung für Mitarbeiter und wesentliche Unternehmensbereiche"
Führungspositionen insgesamt: 91
Davon weibliche Führungskräfte: 20 (22 Prozent)
Frauenquote Mitarbeiter insgesamt: 373 von 739 (47 Prozent) - Seltmann:
Will gegenüber Oberpfalz-Medien keine Angaben machen.


























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