16.07.2021 - 09:37 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Freibier für Spritze: Rotes Kreuz und Wirte planen Impfaktion in Weidens Altstadt

Kommen die Menschen nicht zum Impfstoff, kommt der Impfstoff eben zu ihnen. Der Rotkreuz-Kreisverband und die Weidener Altstadt-Gastronomen machen am Wochenende des 23. und 24. Juli jungen Kneipengängern ein ganz spezielles Angebot.

So sehen Gastronomen und Nachtschwärmer den Unteren Markt am liebsten – als längste Theke der Oberpfalz. Damit nicht wieder ein Lockdown über die Zapfhähne verhängt wird, wollen Wirte und Rotes Kreuz demnächst eine gemeinsame Impf-Initiative an zwei Abenden in der Altstadt starten.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Die Meldung ließ Mitte der Woche aufhorchen: Das Impfzentrum Weiden plant eine Art Filiale in Form eines Zelts in der Weidener Innenstadt. Inzwischen liegen Details vor. Statt eines Zelts wird die Mobile Wache des Kreisverbands des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) am Freitag und Samstag, 23. und 24. Juli, auf dem Unteren Markt Station machen. Es handelt sich um einen wohnwagenähnlichen Container, der zurzeit vor der BRK-Zentrale in der Ulrich-Schöneberger-Straße steht.

Von 18 bis 21 Uhr haben Menschen ab 18 Jahren am kommenden Wochenende die Möglichkeit, sich sozusagen im Vorbeigehen eine Anti-Corona-Spritze verpassen zu lassen. "Niederschwelliges Impfangebot" heißt das im Fachjargon.

"Die Idee dazu stammt aus dem Kreis der Altstadt-Gastronomen, die sind auf uns zugegangen", schwärmt BRK-Geschäftsführer Sandro Galilitzdörfer. Anfang der Woche haben die beiden Parteien Nägel mit Köpfen gemacht: Das BRK steht mit einem Arzt, einer Verwaltungskraft und einer medizinischen Hilfskraft impfbereit auf dem Unteren Markt. Wer das Angebot annimmt, bekommt einen Gutschein für ein Getränk in den umliegenden Lokalen. Wahlweise gibt's einen Kaffee, ein Bier, einen Softdrink oder vielleicht eine Kugel Eis gratis.

Erste Kontakte im Lockdown

Auf Wirteseite laufen die Fäden bei Annette Reichel zusammen. Sie betreibt mit ihrem Partner Frank Höllriegl das "Kir Royal" und das "Toucan". Nun trommelt sie bei Kollegen, sich der Gutschein-Aktion anzuschließen. Das Motiv dahinter: bloß nicht noch mal einen Lockdown. Je mehr Geimpfte, desto niedriger dieses Risiko.

"Als wir geschlossen hatten, hat unser Mitarbeiter Johannes Wührl im Impfzentrum gejobbt. Er hat die Verbindung zum BRK aufgebaut", gibt Reichel die Meriten für die Initiative weiter. Kneipiers und Rotes Kreuz sehen darin eine Chance, jüngere Menschen an die Spritze zu bekommen. Alles, was die tun müssen, ist, einen Ausweis und nach Möglichkeit einen Impfpass mitzubringen.

Die Prozedur läuft genauso ab, wie im großen Impfzentrum. Ein Mitarbeiter registriert die Dokumente, ein Arzt klärt auf, und eine Fachkraft setzt die Nadel an. Der Impfling wartet anschließend eine Viertelstunde im Freien, ob sich nicht unerwünschte Nebenwirkungen einstellen. "Deswegen und weil sonst zu wenig Leute kommen, können wir alles nur bei gutem Wetter machen", sagt Galitzdörfer.

Verimpft wird ausschließlich das Vakzin von Johnson & Johnson. Hauptgründe dafür: Bei diesem Impfstoff setzt eine Schutzwirkung schon nach zwei Wochen ein. Ferner braucht es nur eine Dosis, statt einer zweiten einige Wochen später.

"Wir haben überlegt: Jetzt beginnt die Urlaubszeit. Wenn die jungen Leute Ende August wegfahren, dann kriegen wir die nicht zum Zweitimpftermin. Mit Johnson & Johnson bauen wir aber schon schnell einen Schutz auf," erklärt Galitzdörfer. Wer lieber Moderna oder Biontech will, muss in eines der Impfzentren in Weiden, Vohenstrauß oder Pressath kommen. Dort kann er sich von Montag bis Samstag von 10 bis 13 Uhr auch ohne Termin impfen lassen. Auch Hausärzte haben Termine frei und Vakzin im Medikamentenschrank.

Demnächst auch in Stadtteilen

Sollte die Aktion auf dem Unteren Markt ein Erfolg werden, ist denkbar, sie zu wiederholen. "Wir wollen jetzt rausgehen in die Fläche", beschreibt Galitzdörfer seine Strategie. Die Fläche heißt, dass das Impfmobil demnächst in Stadtteilen seine Türen öffnet: am 28 und 29. Juli gastiert es in der Neuen Mitte in der Stockerhut, das Wochenende darauf wahrscheinlich am Hammerweg. Auch in Neustadt sind die BRK-Leute auf der Suche nach einem Termin und einem Standort.

Über all dies werden die Weidener Impf-Organisatoren mit einem Fachmann sprechen, der bereits am Samstag, 17. Juli, in der Ulrich-Schönberger-Straße vorbeischaut. Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek macht sich zusammen mit BRK-Präsident Theo Zellner und Stephan Oetzinger ein Bild von der Impfsituation vor Ort.

Ein Kommentar zur sinkenden Impfbereitschaft in Weiden und Neustadt/WN

Weiden in der Oberpfalz
Dieser Container soll am 23. und 24. Juli Anlaufstelle für impfwillige Flaneure in der Weidener Fußgängerzone sein.
Hintergrund:

Impfbereitschaft sinkt

  • In den drei Impfzentren Weiden, Vohenstrauß und Pressath geht die Anzahl der Impfwilligen seit zwei Wochen stark zurück
  • Zwischen 6. und 13. Juli ließen sich dort 392 Menschen erstimpfen; in der Vorwoche waren es noch 2415
  • In den Weidener Hausarztpraxen bekamen im gleichen Zeitraum 357 Frauen und Männer die Erstimpfung; in der Vorwoche waren es 740
  • Im Landkreis Neustadt ist die Impfmüdigkeit weniger stark ausgeprägt: Hausärzte impften dort zwischen 6. und 13. Juli 1051 Menschen erstmalig, in der Vorwoche waren es 1097

 

 

Kommentare

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Marcus Kunert

Die spinnen doch jetzt alle!!!

16.07.2021