29.04.2021 - 15:49 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Frühlingsfest-Ausfall: Weidener Schausteller bangen um ihre Zukunft

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Den Betreibern der Buden und Fahrgeschäfte fehlt es an Einnahmen. Dass das Weidener Frühlingsfest ausfällt, ist nur ein weiteres bitteres Kapitel der Pandemie. Über das Leid einer Branche, die eigentlich für Lebensfreude steht.

Schausteller Hans Blum lagert sein Kinderkarussell im Weidener Westen. Der erneute Ausfall des Frühlingsfestes kommt zwar nicht eben überraschend, trifft die Branche aber dennoch hart. Die Einnahmen fehlen.
von Florian Bindl Kontakt Profil

Eigentlich würden von Freitag an auf dem Weidener Festplatz Masskrüge klirren. Zehn Tage lang. Es würde nach gebrannten Mandeln und Zuckerwatte duften. Der Geruch von Bratwürsten hinge in der Luft. Kinder würden sich nicht entscheiden können: Lieber Riesenrad oder doch Karussell? Alles eigentlich. Alles nichtig. Ein Weidener Frühlingsfest wird es 2021, wie schon im Vorjahr, nicht geben. Die Corona-Infektionszahlen lassen keinerlei Veranstaltungen dieser Größenordnung zu. Für die Weidener ist das schade, vielleicht bitter. Für die Schausteller, die auf diesen Festen ihre Waren oder Fahrgeschäfte anbieten, ist die verlängerte Dürreperiode existenzgefährdend.

In einer Lagerhalle im Weidener Westen steht ein Kinderkarussell, auf dem sich Staub bildet. Es gehört Hans Blum. Der Weidener ist seit Jahrzehnten mit dem Karussell und einem Brotzeitstand auf den Festen der Region unterwegs. Ihm ist anzumerken, wie sehr ihn der Ausfall des Frühlingsfestes schmerzt. "Es ist das erste Fest im Jahr, da freuen sich die Leute besonders drauf." Freilich sei es nachvollziehbar, dass eine solche Veranstaltung derzeit nicht möglich ist. Der Schutz der Gesundheit müsse Vorrang haben.

Trotzdem: Einnahmen hat Blum derzeit keine. Schon als der Weidener Weihnachtsmarkt ausgefallen war, hatte Blum eine schwere Winterzeit befürchtet. Normalerweise generieren die Schausteller ihren Umsatz von Frühlingsfest bis Weihnachtsmarkt, danach müssen die Einnahmen reichen. "Ein bisschen Staatshilfe" sei schon angekommen. "Aber das reicht halt hinten und vorne nicht." Im Prinzip müsse er jetzt an seine Altersvorsorge ran. "Und was mache ich dann im Alter?", fragt sich Blum. Es brauche Lösungen, "sonst marschieren wir alle in die Altersarmut."

"Es ist nur Überleben"

Wirklich ausgleichen kann Daniela Margraf ihre Verluste auch nicht. Sie steht jetzt mit ihrer Bude vor Supermärkten im Stadtgebiet und bietet ihre Süßwaren an. Nachdem sie das Geschäft von ihrem Vater Robert übernommen hat, geht sie nun aufgrund der Pandemie durch eine wirtschaftliche Krise. "Das Leben geht ja weiter, wir haben unsere Ausgaben." Die Einnahmen vor den Läden halten sie gerade so über Wasser. "Es ist letztendlich nur Überleben. Der Zulauf ist aber da, die Weidener unterstützen uns schon." Immer wieder höre sie von ihren Kunden, wie schade es sei, dass wieder keine Feste stattfinden. "Es fehlt etwas, das ist klar. Gerade den Kindern geht das ab." Wie lange geht das für ihr Geschäft noch gut? "Es ist ein Spiel auf Zeit", meint Margraf vielsagend. "Wir werden weiterhin auf Überbrückungshilfe angewiesen sein."

Genaue Zahlen, wie viel Staatshilfe geflossen sei, will keiner der von Oberpfalz-Medien kontaktierten Schausteller nennen. Große Sprünge sind mit dem Geld aber kaum möglich, so viel ist herauszuhören. "Wir kämpfen uns durch", seufzt Claudia Heindl aus Grafenwöhr. Auch sie betreibt eine Süßwaren-Bude und ringt derzeit an verschiedenen Stellplätzen um Einnahmen. "Die Staatshilfen", sagt sie und überlegt kurz, "es hilft und hilft gleichzeitig nicht. Es ist ein Tropfen auf den heißen Stein." Heindl ist enttäuscht. "Wir sind doch auch Geschäftsleute und müssen Steuern zahlen. Jetzt sind wir das letzte Glied."

Im Impfstoff liegt die Hoffnung

Zurück in Hans Blums Lagerhalle. Über den Winter hat er immer wieder kleine Reparaturen an seinem Karussell durchgeführt. Viel mehr kann er derzeit nicht tun. "Irgendwann ist halt alles ausgebessert und repariert", lacht er. Es dürfte eine Portion Galgenhumor dabei sein. Angesprochen auf das Geschäftsmodell von Margraf und Heindl sagt Blum: "Das lohnt sich für mich nicht. Freilich könnt´ ich mich vor einen Supermarkt stellen und Brotzeit verkaufen. Aber die Metzgereien und Bäckereien sind eh günstiger."

Alle drei setzen ihre Hoffnungen auf den raschen Fortschritt der Impfungen. "Wenn es schnell geht, vielleicht können wir im Mai oder Juni schon unser Karussell vor dem NOC aufstellen, vielleicht auch den Brotzeitstand", sagt Blum. Margraf bittet um Solidarität: "Es hilft nur impfen, impfen, impfen. Hoffentlich macht jeder mit." Ein zarter Hoffnungsschimmer ist zudem das Weidener Volksfest im September, auch für Daniela Margraf. "Da sollten wir in jedem Fall noch abwarten und nicht aufgeben." Vielleicht geht ausgerechnet im Sommer die lange Dürre bei den Schaustellern vorbei. Und das Eigentlich findet ein Ende.

Ende März gab die Stadt Weiden das Aus für das Frühlingsfest 2021 bekannt

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Das sagten Schausteller zur Absage des Weidener Weihnachtsmarktes

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Hintergrund :

Kein Frühlingsfest 2021

  • Ursprünglich hätte das Weidener Frühlingsfest von 30. April bis 9. Mai stattfinden sollen.
  • Ende März musste die Stadt das Fest - wie schon im Vorjahr - absagen. Sie ist Veranstalterin des Frühlingsfestes.
  • Gemäß §5 der 12. Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung sind Veranstaltungen und öffentliche Festivitäten landesweit untersagt.

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