23.12.2020 - 17:19 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Aus fürs Weidener Schülercafé "Scout" beschlossene Sache

Für das Schülercafé "Scout" war es ein katastrophales Jubiläumsjahr: Erst Schließungen wegen Corona – und jetzt auch noch die Nachricht vom endgültigen Aus. Im August 2021 ist Schluss.

Das Schülercafé "Scout" muss nach zehn Jahren auf der Allee schließen.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Ein trauriges Jubiläum: Zehn Jahre Schülercafé "Scout" auf der Allee – und viel mehr Zeit ist ihm auch nicht mehr vergönnt. Wie jetzt bekannt wurde, hat eine Stadtratsmehrheit bereits im November in nichtöffentlicher Sitzung das Aus für die Einrichtung beschlossen. Das Kolping-Bildungswerk betreibt das Schülercafé noch bis August 2021, dann wird der Betrieb eingestellt. Auf Anfrage von Oberpfalz-Medien bedauert Oberbürgermeister Jens Meyer die Entscheidung: "Ich selbst habe für den Weiterbetrieb gestimmt, weil ich davon überzeugt bin, dass diese Einrichtung wichtig ist. Gerade Kinder und Jugendliche brauchen ein niederschwelliges Betreuungsangebot mit einem guten Konzept."

Von letzterem waren die Stadträte von CSU, Bürgerliste, FDP/Freie Wähler, ÖDP und AfD zuletzt offenbar nicht mehr überzeugt. Mit 25 Stimmen lehnten sie ab, den Weiterbetrieb bis 2024 auszuschreiben. Das Nachsehen hatten damit 13 Stadträte von SPD und Grün.Bunt.Weiden sowie OB Meyer, die das "Scout" als nach ihrer Ansicht wichtigen Jugendtreff in der Stadtmitte erhalten wollten. Dem Vernehmen nach erachtete die Mehrheit die Besucherzahlen als zu niedrig. Im vergangenen Jahr zählte das Schülercafé 315 Gäste pro Monat, pro Öffnungstag sollen es rund 20 gewesen sein. Seit 2013 betrieb das Kolping-Bildungswerk das "Scout", nachdem es drei Jahre zuvor in die renovierten Räume des ehemaligen Café Schaller umgezogen war. 2001 hatte es im damaligen Café Dostler eröffnet.

Zwischenbilanz im Coronajahr

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Wegen des Beschlusses kritisieren die SPD, die Linke und die Grünen auf ihren Facebook-Seiten die "bürgerliche Mehrheit" scharf. Diese habe "ohne mit der Wimper zucken, hinter verschlossenen Türen und ohne auch nur im Geringsten über Alternativen oder andere Möglichkeiten zu diskutieren, das Schülercafé Scout abgeschafft", heißt es bei den Grünen. "Es ist eine Schande", kommentiert die Linke. Benjamin Zeitler, Chef der CSU- und damit der stärksten Stadtratsfraktion, war am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht zu erreichen, ebensowenig Kolping-Geschäftsführer Jürgen Förster.

Bereits 2015 stand die Einrichtung im Zuge der rigiden städtischen Sparpolitik vor dem Aus, nicht zuletzt der nachhaltige Widerstand der Jugendlichen selbst verhinderte die Schließung. Die Proteste werden sich diesmal wohl in Grenzen halten: Wegen der Coronapandemie war das Schülercafé über Monate geschlossen, auch sonst erreichten die Besucherzahlen bei weitem nicht das Niveau früherer Jahre. Die Klientel scheint sich "verlaufen" zu haben.

Das Kolping-Bildungswerk bekommt 2015 wieder den Zuschlag als Betreiber

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