28.06.2021 - 15:46 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Fußball-EM: Darum jubeln TV-Zuschauer früher als Streaming-Nutzer

Fußball-EM in den Wohnzimmern in Weiden und im Landkreis Neustadt. Die Nachbarn jubeln schon, obwohl man selbst das Tor noch gar nicht gesehen hat. Liegt es an der Übertragungstechnik? Und welche ist die schnellste?

Der entscheidende Moment, wenn der Ball im Tor landet. Jürgen Gebhardt von EGBS Elektro- und Fernsehtechnik in Weiden gibt Auskunft über die zeitlichen Verzögerungen der verschiedenen Übertragungswege.
von Christine Walbert Kontakt Profil

Man stelle sich vor: Deutschland muss am Dienstagabend beim EM-Achtelfinalspiel gegen England ins Elfmeterschießen. Toni Kroos läuft zum alles entscheidenden Elfer an, und just in dem Moment jubelt die Nachbarsfamilie bereits lautstark. Die Spielverderber von nebenan werden offensichtlich schneller mit Bild und Ton versorgt. Man selbst schaut dagegen wenige Sekunden in die Röhre, bis der Ball auch auf der eigenen Mattscheibe im Netz landet. Doch woran liegt's?

Jürgen Gebhardt von EGBS Elektro- und Fernsehtechnik in Weiden hat für die individuellen Zeitverzögerungen bei Live-Übertragungen eine Erklärung. "Das liegt an den unterschiedlichen Übertragungsarten. Die einen schauen über Internet, die anderen über Kabel oder Satellit. Bis Bild und Ton bei der Übertragung bis zum Endkunden kommen, kann sich das je nach Übertragungsweg ein bis zwei Sekunden verzögern."

Mit dieser Technik geht's am schnellsten

Definitiv schneller am Ball sei man, wenn man über ein TV-Signal per Satellit versorgt werde. Der Grund: Die Verbindung sei direkt, die Daten werden sofort vom Satellitenreceiver empfangen und müssten nicht erst über einen Verteilerkasten umgesetzt werden. Kabelkunden müssen ein, zwei Sekunden länger warten bis sie dann Ton und Bild empfangen.

Hier wird gemeinsam gejubelt

Weiden in der Oberpfalz

Der Vohenstraußer PC-Spezialist Ernst Bartl erklärt, dass der Zuschauer auch bei Live-Streams im Internet mit Latenzzeiten rechnen muss: "Die Datenströme laufen auch hier nie synchron. Die Daten tröpfeln rein, es muss erst ein Puffer gebildet werden, bevor die Daten dann wieder rausgegeben werden. Und hier entsteht eine gewisse Verzögerung." Grundsätzlich gelte: Je besser der Anschluss, umso schneller die Übertragung.

Es gibt nur eine gute analoge Alternative

Der Vorteil von analogen Systemen, die quasi in Echtzeit übertragen haben, sei nur mehr beim guten, alten Radio vorhanden. "Im übrigen wäre es natürlich bei dem Thema am allerbesten, wenn man einfach im Stadion sitzt", scherzt der Computerexperte. Für Bartl selbst ist die Diskussion rein theoretisch. Ihm ist es relativ egal, wer zuerst jubelt: "Ich schaue die EM gar nicht an."

Ein Bericht der Nachrichten-Website "heise.de" (bei dem Nachrichtendienst wird als Themenschwerpunkt die Informations- und Telekommunikationstechnik behandelt), bestätigt die Aussagen der beiden Fachleute. Das TV-Signal per Satellit in SD-Auflösung bleibe in Sachen Schnelligkeit Spitzenreiter. Hier traten bei der von heise.de durchgeführten Überprüfung die geringsten Verzögerungen auf. Die hochauflösende HD-Variante per Satellit brauche allerdings nur wenige Millisekunden länger als das niedrigauflösende Pendant und bietet dabei das deutlich schärfere Bild. Der Satellitenempfang als schnellste Variante hinke der Realität auf dem Fußballfeld um sechs Sekunden hinterher.

Beim Kabelfernsehen werde das Bild sowohl bei SD- als auch bei HD-Übertragung etwa gleich schnell übertragen, allerdings auch satte 4,5 Sekunden später als beim Satelliten-Empfang. Per Stabantenne sei das Signal vom ARD hingegen bereits nach 0,5 Sekunden angekommen, das ZDF-Signal sei dagegen nach 1,5 Sekunden auf dem Bildschirm gelandet.

Im dem Test prüften die Experten auch die Übertragungen von Magenta-TV. Dabei soll sich der vom Telekom-Anschluss unabhängige Magenta-TV-Stick jedoch als vergleichsweise lahm erwiesen haben: Mit ihm verzögere sich der Fernsehempfang um rund 21 Sekunden.

Der Test von heise.de im Detail

Service:

Die schnellsten Übertragungswege

  • Bei gemessenen Verzögerungen handelt es sich um Richtwerte, da die Ergebnisse von Region zu Region und vor allem von Sender zu Sender abweichen
  • Am schnellsten kommt das TV-Signal bei Besitzern von SAT-Schüsseln an
  • Rund eine Sekunde später dürfen Antennenkunden (DVB-T2) jubeln, gefolgt von Kabelnutzern (etwa vier Sekunden später als Satellit)
  • Nach den drei klassischen TV-Übertragungswegen folgt Magenta TV; je nach Empfangsart und Sender liegt die Verzögerung zwischen 6,5 und 47 Sekunden Verzögerung zum Satelliten

Quelle: heise.de

 

 

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