18.05.2020 - 15:52 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Gastronomie öffnet wieder: Weidener Wirte sind verhalten optimistisch

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Die Gäste waren happy, die Wirte reagierten verhalten optimistisch. Am Montag durften die Außenbereiche von Gaststätten und die Biergärten wieder öffnen. Natürlich unter Wahrung der Abstandsregeln.

von Helmut KunzProfil

Die Gastronomie darf wieder öffnen, allerdings an diesem Montag nur in den Außenbereichen. Dafür gibt es allerdings strenge Regeln.

Ina Klapp hatte den Tag herbeigesehnt. Sie saß mit ihrer Familie bei Hugo, Aperol Spritz und Mineralwasser vor dem Alten Rathaus und genoss Kaiserwetter und das bunte Treiben. „Es ist toll. Es wieder ein ganz anderes Gefühl. Auch wenn man in den Stadt hineingeht. Es ist Lebensfreude. Wir genießen es total, in der Sonne zu sitzen und es uns einfach gut gehen zu lassen.“

Das Geschäft laufe nur langsam an, berichtete Mike Piccoli, Chef des Eiscafès „Piccola Venezia“, am Montag. Endlich seien wieder Gäste da, die er bedienen dürfe. „Wir warten seit zwei Monaten auf diesen Tag.“ Die normale Winterpause sei lang genug gewesen. Und dann kam Corona. Der Straßenverkauf über die Eisdiele allein habe die Umsatzeinbußen nicht wettmachen können. 20 Tische durfte er am Montag besetzen. Reservieren musste niemand. Stammgast Alfred Schicker ließ sich sein Weizenbier schmecken: „Ein Weißbier könnte ich auch daheim trinken. Aber will wieder Leute sehen und ratschen."

Um die Ecke nahm es Annemarie Bayern-Schäffler mit den Vorschriften ganz genau. Sie stellte die Tische mit Hilfe eines Metermaß auf. Auch das „La Bodega“ sollte ein Stück vom Kuchen abbekommen, wollte aber nichts falsch machen. Wegen der nur wenigen Tischen vor ihrer Vinothek lief die Wirtin keine Gefahr, die Abstandsregeln zu verletzen.

Auch Annette Reichel achtete vor dem "Kir Royal" pedantisch auf die behördlichen Anordnungen. „Wir haben ein Reservierungsbuch. So können wir kontrollieren, welche Gäste da sind." Vor dem Innenstadt-Lokal durften 23 Tische besetzt werden. „Sollte ein Hausstand mit vier, fünf Leuten kommen, dürfen die an einem Tisch sitzen.“ Die Hygieneregeln müssten streng eingehalten werden, unterstrich Reichel. Alle Gäste müssten eine Mund-Nasen-Maske tragen, die sie am Tisch ablegen dürften. Zum Toilettengang sei nur eine Person zugelassen und die müsste eine Maske tragen. Sie freue sich zwar "narrisch", überhaupt wieder Umsatz machen zu dürfen. „Umstände macht das aber schon."

Erwartet werde ohnehin nur ein Drittel der normalen Einnahmen, weil nur wenige Plätze genutzt würden und um 20 Uhr geschlossen sein müsse. Genau deshalb hat sich Bernd Mende entschlossen, seinen Biergarten vor dem „Parapluie“ noch nicht zu öffnen. Es lohne sich nicht. „Wir halten uns an die Empfehlung von Robert Drechsel, der vorgerechnet hat, dass sich eine Öffnung unter diesen Umständen nicht rentiert." Sein Kneipe würde erst um 17 Uhr öffnen. „Drei Stunden sind unrentabel.“ Am Sonntag habe er sein Personal zwar schon einmal in den neuen Verhaltensregeln und Gefährdungsbeurteilungen geschult. „Aber öffnen werden wir erst am 28. Mai. Dann nämlich, wenn die Gaststätten, auch im Innenbereich, wieder bis 22 Uhr öffnen dürfen." Die Corona-Zwangspause habe er bisher genutzt, das „Parapluie“ wieder auf Vordermann zu bringen.

Auch der Wiedereinstieg des "Le Pere" läuft an, sagte Geschäftsführerin Monika Fißl. „Ich bin glücklich, dass wir wieder nach vorne blicken können.“ Momentan sei alles noch sehr aufregend. "Aber es wird schon." Ein Gastronom der nicht namentlich genannt werden will, betonte, dass er der Wiederöffnung mit Bangen und gemischten Gefühlen entgegensehe. Die Auflagen seien zwar händelbar. Die Gäste spielten auch mit. Auch was die Angaben von Adresse und Telefonnummer angehe. „Aber viele fragen sich auch, wo hier der Datenschutz bleibt.“ Denn, so sehe es die Vorschrift vor, jeder Gast müsse sich registrieren lassen, nur für den Fall, dass die Infektionskette aktiviert werden müsse. „Solche Gäste bleiben mir weg."

Die „Kleine Freiheit“ mit Biergarten in Neubau öffnete erst um 16.30 Uhr. Essen zum Mitnehmen gab es bis 20.30 Uhr. Gut besucht war der Biergarten der Gaststätte "Naber". Robert Drechsel, Schmankerlwirt beim "Alten Schuster" hatte im Vorfeld die Wirtschaftlichkeit der Öffnung unter Corona-Regeln angezweifelt, öffnete aber doch. "Montag ist normalerweise vom Umsatz her nicht mein stärkster Tag", sagte er. Bis Mittag konnte er sechs Gäste bewirten. Für den Abend hatten sich zwölf vorangemeldet. "Rentiert sich nicht. Man braucht zwei Kräfte mehr, allein um die Empfangsmodalitäten und Dokumentationen zu bewerkstelligen und die Desinfektionsvorschriften sauber hinzubekommen." Von 90 möglichen Sitzplätzen im Biergarten dürften nur 30 genutzt werden. Es kämen Anfragen wegen des Vatertags. "Aber da mache ich nicht auf. Die kommen dann mit den Leiterwagen, das ist mir zu stressig. Ich wüsste nicht, wie ich das händeln sollte." Im Stadtbad laufe es mittelmäßig an, erklärte Ralf Möhrle am späten Nachmittag. Der Stadtbad-Wirt setzte auf den frühen Abend, “wenn die Leute von der Arbeit heimkommen”. Es waren am Nachmittag drei Tische besetzt.

Auch im Eschenbacher Raum fährt die Gastronomie langsam wieder hoch:

Speinshart
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