18.06.2021 - 16:56 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Geburten: Mehr Babys in Weiden nach dem Lockdown

Diesen Artikel lesen Sie mit
Alle Informationen zu OnetzPlus

Wie aktuelle Geburtenzahlen des Standesamts Weiden zeigen, hatten viele Weidener während des ersten Lockdowns wohl eine besonders schöne Beschäftigung. Oder woher sonst zeugt der Babyboom nach dem Lockdown?

Woher der Baby-Boom in Weiden wohl kommt? Vom Lockdown etwa? Fakt ist: In den ersten sechs Monaten 2021 wurden insgesamt mehr Geburten beurkundet als den vergangenen beiden Jahren.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

Manche nutzten den ersten Lockdown sinnvoll, um die Wohnung zu entrümpeln oder eine Fremdsprache zu lernen. Doch auch die Familienplanung scheint bei den Weidenern trotz Pandemie nicht zu kurz gekommen zu sein: Im ersten Halbjahr 2021 kamen rund 120 Babys mehr zur Welt als während Januar bis Juni 2020. Das zeigen die Daten der beurkundeten Geburten beim Standesamt in Weiden deutlich.

Vergleicht man die Zahlen der einzelnen Monate, fällt einer besonders auf: der Februar 2021. Hier kamen mit 151 Kindern fast doppelt so viele zur Welt als noch im Februar 2020 (80). Rechnet man zurück, wurden diese Februar-Kinder genau während des ersten Lockdowns gezeugt, der sich von März bis Juni 2020 erstreckte. Auch der März 2021 liegt gut bei den Geburten im Rennen. Hier kamen mit 147 Babys für dieses Jahr vorerst die zweitmeisten Babys in Weiden zur Welt - und damit auch deutlich mehr als im März der beiden Vorjahre.

Bundesweiter Baby-Boom im März

Die Geburtensituation in Weiden entspricht damit dem bundesweiten Trend, den das Statistische Bundesamt jüngst in einer Mitteilung aufzeigte. Demnach wurden im März 2021 bundesweit 65 903 Kinder geboren und damit so viele wie seit 23 Jahren nicht mehr. Denn mehr als 65 000 Geburten in einem März hatte es zuletzt 1998 gegeben. Schon im Februar habe sich bundesweit eine leichte Zunahme der Geburten angedeutet. Auch das Statistische Bundesamt stellt den Zusammenhang zu Lockdown und Pandemie her. In einer Mitteilung heißt es entsprechend: "Der Anstieg steht in zeitlichem Zusammenhang mit dem Abflachen der ersten Welle der Corona-Pandemie in Deutschland und den Lockerungen ab Anfang Mai 2020."

Eine Grafik zeigt es auf einen Blick: Trotz Pandemie wurden in Weiden in den ersten sechs Monaten 2021 mehr Kinder geboren als in den Jahren zuvor. Nur Mai und Juni liegen bislang hinter den Vorjahren zurück.

In Weiden zeichneten sich dagegen bereits ab Dezember (153) und Januar (145) viele Geburten ab - und damit zurückgerechnet eine deutliche "Aktivität" während der Monate des harten Lockdowns. Ein Einbruch der Geburten wegen der möglicherweise pandemiebedingt unsicheren gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lage, ist an den Zahlen aus dem Standesamt Weiden jedenfalls nicht zu erkennen. Im Gegenteil.

Deutschlandweit mehr Geburten

Ob die hohe Zahl der Geburten auch in Weiden konkret mit der Pandemie zusammenhängt, will die Stadt auf Anfrage aber nicht bestätigen. Außerdem sei zu berücksichtigen, dass die Zahl der Geburten aus dem Standesamt nur die beurkundeten Geburten dokumentiert und nicht die Anzahl der tatsächlich in Weiden im Klinikum geborenen Kinder. Fakt sei auch, dass seit Herbst 2020 bis Mai 2021 die Geburtsstation im Krankenhaus Tirschenreuth geschlossen war und daher auch viele Geburten aus diesem Bereich in Weiden stattgefunden hätten.

Der Trend zu mehr Geburten sei außerdem nicht neu: Bereits seit einigen Jahren steigen die Zahlen. Kamen in den Monaten Januar bis Juni 2019 noch 614 Kinder zur Welt, waren es 2020 bereits 49 Kinder mehr. 2021 schlägt bislang alles mit einem erneuten Anstieg um 122 Geburten auf bislang 785 Neugeborene.

Lockdown-Babys 2.0?

Im Mai 2021 schwächelt die Geburtenzahl mit 125 Babys übrigens ein wenig im Vergleich zu den Vorjahren. Rechnet man zurück, wurden diese Kinder während der späten Sommermonate gezeugt, just dann als neben der trauten Zweisamkeit auch viele andere Aktivitäten wie etwa das Verreisen wieder möglich waren. Wurden die bevorzugt, kann es mit den geburtenstarken Monaten im Jahresverlauf schon wieder vorbei sein. Und wie steht's um die weiteren Baby-Aussichten, nachdem ab Dezember 2020 wieder Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen verhängt wurden? Das werden die Zahlen des Standesamts wohl frühestens im Herbst und Winter verraten.

Faktencheck: Kann die Corona-Impfung unfruchtbar machen?

Weiden in der Oberpfalz

Eine Schwangere erzählt über die besondere Zeit während der Pandemie

Regensburg
Hintergrund:

Geburtentrend im März in ganz Europa

  • In besonders stark von der Corona-Pandemie betroffenen Ländern wie Spanien, Frankreich oder Belgien stabilisierten sich die zunächst deutlich rückläufigen Geburtenzahlen wieder.
  • Große Zuwächse an Geburten im Vergleich zum Vorjahresmonat März gab es laut Bundesamt für Statistik in den folgenden Staaten: Rumänien (+ 15 Prozent), gefolgt von Estland und Litauen (jeweils + 13 Prozent), Niederlande, Finnland und Ungarn (jeweils + 10 Prozent).
  • Von Babyboom wird häufig nach Stromausfällen berichtet, obwohl ein amerikanischer Wissenschaftler das bereits am Beispiel des Blackouts in New York vom 9. November 1965 widerlegte.

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.