16.09.2021 - 15:22 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Glücksspielsucht kann auch Angehörige krank machen

Wenn ein Mensch glücksspielsüchtig ist, wirft das nicht nur sein eigenes Leben durcheinander, sondern auch das der Menschen in seinem Umfeld. Bei der Suchtambulanz der Caritas in Weiden gibt es deshalb ein neues Angebot für Angehörige.

Der Weg in die Glücksspielsucht ist ein schleichender Prozess. Bis Betroffene und Angehörige Hilfe suchen, vergehen oft viele Jahre. Dabei ist Unterstützung für beide Parteien wichtig.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

„Angehörige sind oft sehr schambehaftet, aber gerade auch für sie ist es wichtig, gut für sich zu sorgen“, weiß Michaela Lang, Leiterin der Caritas-Suchtambulanz in Weiden. Deshalb gibt es in ihrer Einrichtung seit einigen Wochen unter dem Namen GlücksKIT ein neues Angebot, das sich speziell an Angehörige von Glücksspielsüchtigen richtet.

„Angehörige übernehmen viel Verantwortung, zum Beispiel übernehmen sie häufig Schulden oder Mietschulden des Betroffenen“, erklärt Lang. Die Glücksspielsucht wirft damit nicht nur das Leben der direkt Betroffenen durcheinander, sondern häufig auch das der Menschen im Umfeld. Dass Glücksspiel zur Sucht geworden ist, werde oft erst sehr spät erkannt. „Dann ist oft schon ein riesiger Schuldenberg da, der Arbeitsplatz gefährdet oder der Betroffene hat Depressionen.“

Schleichender Prozess

Vanessa De Luca von der Suchtambulanz spricht von einer „Toleranz-Entwicklung“ über längere Zeit. Online-Spiele, Börsenspekulation, Spiel in Spielhallen, Sportwetten – beim Glücksspiel handle es sich anfangs oft um einen spaßigen Zeitvertreib mit Kumpels oder um Kompensation von Stress im Beruf. Eine krankhafte Entwicklung könne jeden treffen. Dann sei der Betroffene immer häufiger nicht da, sage zum Beispiel, dass er arbeite, sei aber in Wahrheit in der Spielhalle, fange an, sein Verhalten zu verheimlichen, leihe sich Geld.

Vor allem bei Online-Spielen sei es wegen der niedrigen Zugangsschwelle einfach, das Problem zu verheimlichen. „Das Suchtpotenzial ist hier enorm größer“, berichtet De Luca. In einer Spielhalle könne man sich sperren lassen, „aber wer kann schon das Handy weglassen“, fragt die Fachberaterin. „Das Spielbedürfnis wird immer stärker. Der Tag wird irgendwann nach dem Spielen strukturiert.“ Am Ende werde das Spielen über alles andere gestellt. Dieser schleichende Prozess bliebe lange unerkannt. Dabei könne das Problem wesentlich schneller erkannt werden, wenn die Menschen darüber aufgeklärt sind.

Hilfesuche aus der Not heraus

„Untersuchungen zeigen, dass die Spieler oft erst nach zehn Jahren bei uns auftauchen. Bis dahin kann schon viel passiert sein“, so De Luca. Die Suche nach Hilfe entstehe dann aus großer Not heraus, weil die Schulden überwältigend seien, die Sucht nicht mehr verheimlicht werden könne, Freunde sich abwenden oder es heftige Konflikte in der Ehe gebe.

Der Weg zur Suchtberatung führe außerdem häufig über Umwege. „Viele kommen über die Schuldnerberatung oder sie werden erst einmal wegen Depressionen behandelt, und dabei kommt dann heraus, dass es im Hintergrund noch ein anderes Problem gibt“, berichtet die Leiterin der Fachambulanz.

Doch die Sucht kann auch bei Angehörigen zu Überforderung und dadurch entstehenden gesundheitlichen Problemen führen. „Sie sollen wissen, dass sie nicht alleine dastehen“, betont Lang. Sie möchte in der Weidener Fachambulanz unabhängig vom Fortgang des Projektes GlücksKIT eine feste Gruppe für Angehörige installieren. Interessierte können sich bereits jetzt dafür melden.

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Hintergrund:

So funktioniert das neue Angebot für Angehörige von Menschen mit Glücksspielproblemen

  • Bei GlücksKIT handelt es sich um ein Pilotprojekt in Form einer Kurzintervention, die sich an Angehörige von Menschen mit Glücksspielproblemen richtet. Das Angebot ist zunächst befristet bis November.
  • Entwickelt wurde GlücksKIT von der Bayerischen Akademie für Sucht- und Gesundheitsfragen. In der Oberpfalz gibt es das Angebot bei den Caritas-Suchtambulanzen in Weiden und Regensburg.
  • Die Kurzintervention besteht zunächst aus drei bis vier Sitzungen.
  • In der ersten Sitzung werden unter anderem folgende Themen angesprochen: Verhalten gegenüber den Betroffenen, Selbstfürsorge für Angehörige, Umgang mit Verantwortung, Haftbarkeit bei Schulden, Geldmanagement.
  • Offene Sprechstunden (ohne Terminvereinbarung) der Suchtambulanz für Betroffene und Angehörige (zu allen Suchtfragen): dienstags von 9 bis 11.30 Uhr und donnerstags von 13.30 bis 16 Uhr, 0961/39890150.
  • Am 28. September startet in Weiden zudem eine Gruppe, in der betroffene Spieler sich beraten lassen und austauschen können. Kontakt: Vanessa de Luca, Telefonnummer siehe oben.

 

 

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