07.08.2020 - 15:38 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Größerer Rettungshubschrauber für die Nordoberpfalz

Seit zehn Jahren ist in Latsch der Rettungshubschrauber stationiert. Nun musste der Betreiber neu ausgeschrieben werden. Zwei Konkurrenten lieferten sich ein hartes Rennen. Nun ist es entschieden – mit einem Überraschungscoup.

Auf die inneren Werte kommt es dem Rettungszweckverband bei der Partnerwahl für den Hubschrauber-Standort an. Im neuen Modell H 145 haben nicht nur Ärzte, Sanitäter und Patienten mehr Platz, sondern auch jede Menge Geräte, die noch in der Luft Leben retten können.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Der neue Betreiber des Helikopter-Rettungsdiensts in der Nordoberpfalz ist der alte: die DRF Luftrettung aus Filderstadt. Sie setzte sich bei der turnusmäßigen Neuvergabe gegen einen Mitbewerber durch, dessen Name zwar keiner bestätigt, den aber jeder kennt - den ADAC. "Wir haben uns für das beste Gesamtpaket entschieden", begründet Alfred Rast die Wahl. Er ist Geschäftsführer beim Zweckverband für Rettungswesen und Feuerwehralarmierung Nordoberpfalz (ZRF) und hat die Ausschreibung in Auftrag gegeben.

Zuvor habe man bewusst hohe Einstiegshürden gesetzt, um nur zuverlässige Anbieter auf den Plan zu rufen. Das waren am Ende eben zwei, von denen die DRF Luftrettung als Sieger hervorging.

Als Gewinner fühlen sich auch der ZRF und die Notärzte aus Amberg und Weiden, die mit dem Helikopter zu Unglücksorten fliegen. Denn die Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassen in Bayern, die mit der DRF die Einsätze abrechnet, hat den Wunsch der Nordoberpfälzer durchgewinkt, eine größere Maschine anzuschaffen. Somit wird ab dem 1. April 2021 weiterhin ein rot-weißer Hubschrauber am Himmel zwischen Naab und Vils zu sehen sein, allerdings ein größeres Modell. Der jetzige Helikopter "Christoph 80" vom Typ EC 135 wird durch einen H 145 ersetzt. Er ist größer, moderner und sicherer.

Kleiner als der Blackhawk

Große Hubschrauber, war da nicht was? "Keine Angst, er ist immer noch kleiner als der amerikanische Blackhawk, der drückt niemanden zu Boden", sagt Rast in Anspielung auf erst kurz zurückliegende Vorfälle am Klinikum Weiden. Mit dem H 145 steigt der Rettungsdienst gleichwohl in eine andere Liga auf - die von Regensburg, Nürnberg und München. "Wir sind damit eine der ganz wenigen Stationen außerhalb von Großstädten," sagt Dr. Jürgen Altmeppen, Leitender Hubschrauberarzt Christoph 80.

Der fliegende Rettungswagen hat es in sich: Er hat deutlich mehr Platz als der EC 135. Das bedeutet, dass Arzt und Sanitäter nicht mehr nur bis Hüfthöhe an den Patienten rankommen. Er hat Vorrichtungen für die ECMO (extrakorporale Membranoxygenierung), eine kleine Herz-Lungen-Maschine. Zudem können erstmals Blutkonserven mitgenommen werden. Ferner ist ein "learning seat" vorhanden, den angehende Notärzte oder Notfallsanitäter besetzen können. Oder Spezialisten wie Kardiologen oder Kinderärzte. Apropos Kinder: Der neue Helikopter verfügt über einen Inkubator zum Transport von Säuglingen. Auch vor diesem Hintergrund haben die Kliniken in Amberg und Weiden eine neue Kinderanästhesistin eingestellt, erklärt Altmeppen.

Piloten können bleiben

Auch der Latscher Stationsleiter Peter Flor atmet auf. Er und seine Pilotenkollegen Martin Anz und Emil Hüttemann können ihre Jobs behalten. Wäre der ADAC zum Zug gekommen, hätte der seine eigene Crew mitgebracht. Den H 145 ist Flor noch nicht geflogen, er ist aber neugierig auf die Schulungen. "Das ist das Modernste, was wir so haben." Dazu gehört auch, dass der Helikopter auf Autopilot umschalten kann, sollte der Mann am Steuer einmal selbst in Schwierigkeiten geraten.

In der Luft wird das neue Modell für Laien vorerst nicht vom alten zu unterscheiden sein. Erst in anderthalb bis zwei Jahren, sagt Altmeppen. Dann werde auf fünf Rotorblätter umgerüstet. Der Nebeneffekt soll am Boden zu spüren sein: Der Flug wird leiser.

Die Piloten Peter Flor und Martin Anz (von links) dürfen weiterhin Rettungseinsätze von Latsch aus fliegen.

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Kommentar:

Ende der Bescheidenheit

Tritt fest auf und mach’s Maul auf. Was Martin Luther vor über 500 Jahren deftig formuliert hat, ist heute noch gültig. Denn die Lobbyarbeit der Rettungsdienste in Sachen Hubschrauber hatte nichts von der verhuschten Oberpfälzer Bescheidenheit. Sie war entschieden, fleißig und am Ende erfolgreich.
Ähnliches gilt – mit Abstrichen – für den Appell der Notärzte aus der Region, dass mehr Kollegen sich den Dienst teilen sollen. Vielleicht wird die Notfallrettung attraktiver dadurch, dass im Helikopter inzwischen am modernsten Gerät nicht nur gerettet, sondern auch gelernt werden kann.
Für die Gegend zwischen Wondreb und Waldnaab, Vils und Pfreimd bedeutet der Hightech-Hubschrauber jedenfalls ein Stück mehr Sicherheit. Interessant wird in diesem Zusammenhang, ob Bayern dem Beispiel Baden-Württembergs folgt. Dort weicht allmählich das Nachtflugverbot für Rettungshubschrauber auf. Im Freistaat darf der Helikopter nur von Sonnenaufgang bis eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang unterwegs sein. Doch mit moderner Technik kommt vielleicht eines Tages auch hier Luther zum Zug: Hier fliege ich, ich kann nicht anders.

Friedrich Peterhans

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Kommentare

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Brigitte Frank

Zum Kommentar von Herrn Peterhans "Ende der Bescheidenheit":
Für die rheumatologische Versorgung für Patienten aus Weiden, Ldkrs. Neustadt und Landkreis Tirschenreuth würde ich mir ebenso "laute Stimmen" wünschen.
Die Versorgung ist unterirdisch.
Aber ich fürchte, solche Krankheitbilder eignen sich nicht zur Profilierung der Entscheidungträger. Da macht ein moderner Rettungshubschrauber schon mehr her.

09.08.2020
Brigitte Frank

Zum Kommentar von Herrn Peterhans "Ende der Bescheidenheit":
Für die rheumatologische Versorgung für Patienten aus Weiden, Ldkrs. Neustadt und Landkreis Tirschenreuth würde ich mir ebenso "laute Stimmen" wünschen.
Die Versorgung ist unterirdisch.
Aber ich fürchte, solche Krankheitbilder eignen sich nicht zur Profilierung der Entscheidungträger. Da macht ein moderner Rettungshubschrauber schon mehr her.

09.08.2020
Martin Anz

Zu den Kommentar von Herrn Friedrich Peterhans:
1. es gibt weder in Baden-Württemberg noch in Bayern ein Nachtflugverbot für Rettungshubschrauber.

2. welche Stationen nachts fliegen ( bestehende Nachtflugstationen sind Regensburg, München, Villingen- Schwenningen) entscheiden Bedarfs- und Strukturgutachten der Landesregierungen.

08.08.2020