29.07.2020 - 10:58 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

US-Hubschrauber weht 85-jährigen Weidener um

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Der Vater von Ralf Heibl schiebt sein Fahrrad gerade in der Nähe des Weidener Klinikums zum Zebrastreifen, als ihn plötzlich eine starke Windböe erfasst: Ein US-Hubschrauber fliegt das Klinikum an und weht dabei den 85-Jährigen samt Rad um.

Ein Black Hawk der US-Armee aus Grafenwöhr verursacht viel Wind - so viel, dass es einen 85-jährigen Weidener samt seinem Fahrrad umfegt.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

Es klingt nach einem schlechten Scherz, was Ralf Heibl aus Weiden zu berichten hat. Der 49-Jährige erhielt vergangenen Donnerstagabend einen Anruf von seiner Mutter, die ihm erzählte, dass der Vater - 85 Jahre alt - kurz vorher mitten in Weiden von einem Hubschrauber umgeweht wurde und in der Notaufnahme des Klinikums behandelt werden musste. Heibl konnte es zunächst kaum glauben, doch die vielen Schürfwunden an Ellbogen, Knien und Händen des Seniors sprächen für sich.

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Der 85-Jährige erzählte seinem Sohn später, er sei zu Fuß in Richtung Zebrastreifen unterwegs gewesen, der in der Nähe des Hubschrauberlandeplatzes auf dem Dach des Klinikums liegt. Das Fahrrad schob er neben sich her. Plötzlich habe ihn der Abwind eines anfliegenden US-Hubschraubers derart erfasst, dass der 85-Jährige samt Rad zu Boden und mehrere Meter mitten auf die Straße geschleudert worden sei. Auf den Beinen halten konnte er sich nicht mehr und festhalten ging so schnell auch nirgendwo. "Er hat gesagt: ,Nicht mit aller Gewalt hätte ich es geschafft'", erzählt Sohn Ralf. Auch zwei Frauen, die auf der gegenüberliegenden Straßenseite waren, hätten mit dem starken Abwind des Hubschraubers zu kämpfen gehabt. Zwei Männer halfen dem gestürzten Senior schließlich auf und brachten ihn zur nahegelegenen Notaufnahme. Die Wunden bluteten wegen des Blutverdünners, den der 85-Jährige nimmt, stärker. In der Notaufnahme des Klinikums wurden die Abschürfungen verbunden, und der Vater habe eine Tetanusspritze bekommen. Eine Gehirnerschütterung konnte ausgeschlossen werden. "Glücklicherweise wird hoffentlich außer dem Schock, den Schmerzen und Narben nichts zurückbleiben", sagt der besorgte Sohn.

Franz Zeilmann, Pressesprecher der US-Armee-Garnison "Bavaria" in Grafenwöhr, ist überrascht, als er die Geschichte über den umgewehten Weidener hört. "Unsere Rettungshubschrauber Black Hawk wirbeln schon viel Luft auf", gibt er zu. Doch so etwas sei vorher noch nie passiert. Bei Flug- und Landeübungen auf dem Hubschrauberlandeplatz des Klinikums Weiden, wie in diesem Fall am 23. Juli, dürften die Piloten immer nur die genehmigten Routen nehmen. "Sie müssen sich zu Hundert Prozent daran halten und das machen sie auch." Zeilmann geht daher davon aus, dass verschiedene unglückliche Umstände an diesem Tag zusammengekommen seien. Erklären könne er sich diese aber nicht. "Wir wollen ihm gute Besserung wünschen. Wenn etwas wäre, stehen wir dafür gerade", teilt der Pressesprecher mit. Die Familie solle sich bei ihm melden, sollten im Nachhinein noch Probleme auftreten.

Mit seinem Schritt an die Öffentlichkeit will Ralf Heibl keinen Ärger machen und auch kein Schmerzensgeld, wie er betont. Er wolle nur auf den Fall hinweisen, damit so etwas nicht noch einmal passiert. "Uns geht es darum, dass nicht irgendwann etwas Schlimmeres passiert. Denn das hätte dumm ausgehen können." Er wünscht sich nun vor allem Warnschilder, die auf mögliche starke Windböen in der Nähe des Hubschrauberlandeplatzes am Klinikum Weiden hinweisen. Auch Zeilmann hielte solche für sinnvoll. Denn es werde noch öfter vorkommen, dass entweder für einen Notfall geübt werde oder tatsächlich ein Hubschrauber wegen eines Notfalls landen müsse.

In der Nähe des Hubschrauberlandeplatzes des Weidener Klinikums weht es einen 85-Jährigen mit seinem Fahrrad plötzlich mehrere Meter auf die Straße. Ein Hubschrauber der US-Armee übt dort in dem Moment das Landen und verursacht dabei starke Windböen.
Verwüstete Gräber am Stadtfriedhof:

Helikopter soll Grabschmuck umgeweht haben

Schon einmal hat es in Weiden einen Vorfall gegeben, bei dem ein Hubschrauber als Täter verdächtigt wurde.

  • Tatort: Der Stadtfriedhof in der Nähe des Weidener Klinikums
  • Tat: Im Dezember 2019 werden etliche Gräber verwüstet, auch das Elterngrab von Thomas Färber aus Weiden ist betroffen. Gestecke liegen auf dem Boden, und der Bereich rechts neben des Haupteingangs ist verunstaltet.
  • Täter: Vandalismus schließt die Polizei damals aus, Tiere ebenfalls. Die Vermutung: Der Abwind von Rettungshubschraubern könnte schuld sein. Die Weidener Luftrettung untermauert diese Vermutung. Dass es Black Hawks der US-Armee gewesen seien könnten, dem widerspricht die Pressestelle in Grafenwöhr jedoch. Derartige Trainingsflüge habe es zu diesem Zeitpunkt nicht gegeben, heißt es vonseiten der US-Armee.

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