24.08.2021 - 16:01 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Der Groll war zu groß": Manfred Schiller kandidiert für die AfD

Für Manfred Schiller ist es eine Premiere: Der Fraktionsvorsitzende der Weidener AfD tritt zum ersten Mal als Direktkandidat für die Bundestagswahl an. Motiviert hat ihn der Frust über die aktuelle Politik, wie er sagt.

Manfred Schiller, Direktkandidat für die Bundestagswahl 2021 der AfD im Wahlkreis Weiden, Neustadt und Tirschenreuth.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

Manfred Schiller rechnet sich als Direktkandidat für die AfD im Wahlkreis Weiden, Neustadt und Tirschenreuth gute Chancen aus. „Ich habe ein gutes Gefühl. Aber wenn es nicht klappt, soll es so sein“, sagt der 59-Jährige im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Den 26. September wird der vierfache Familienvater und sechsfache Großvater aber nicht nur mit dem Blick auf den Verlauf der Wahl verbringen. „Ich bin bei der Kommunion meiner Enkeltochter und vermutlich etwas nervös“, erzählt er.

Erst CSU, dann AfD

Der Weidener ist seit über 25 Jahren Inhaber eines Radio- und Fernsehfachgeschäfts, zweiter Schützenmeister bei der Schützengesellschaft Adler Mitterhöll, spielt Tischtennis und fährt seit seinem 18. Lebensjahr Motorrad. „Ich habe mich schon in der Jugend für Politik interessiert“, beschreibt er den Start seines Weges in die Politik. Bis 2014 habe er ausschließlich die CSU gewählt. 2015 sei er bereits im „Dunstkreis der AfD“ unterwegs gewesen und habe sich schließlich dem Kreisverband und der Weidener Fraktion angeschlossen. „Es gibt nicht viele Mutige, die sich als Einzelhändler hinstellen und sagen, ich bin bei der AfD. Aber der Groll war zu groß“, sagt er mit Bezug auf die aktuelle Politik. Einige seiner Kunden hätten ihm das übel genommen, manchmal werde er beschimpft. Doch es habe nicht so viele negative Reaktionen gegeben, wie befürchtet.

Als Elektroniker nennt Schiller die Abschaffung der Energiewende und des Erneuerbare-Energien-Gesetzes als das erste seiner Kernthemen. Er sei gegen die Abschaltung von seiner Ansicht nach sauberen Kernkraftwerken. Erneuerbare Energien seien keine Alternative. „Wir marschieren auf einen Blackout zu, der nur von den Ländern verhindert wird, die unseren aktuellen Weg sowieso nicht mitgehen.“ Beim Thema Klima glaubt Schiller nicht an CO2 als von Menschen verursachter Haupttreiber des Klimawandels. Er glaube vielmehr, mit Weltuntergangsszenarien zum Klima werde versucht, „einen politischen Machtanspruch durchzusetzen, um die Gesellschaftsordnung zu ändern – genau wie bei Corona“.

Als „Bürokratie-Monster“ bezeichnet Schiller die Europäische Union. „Ich lehne die EU-Bürokratie ab, aber ich bin Feuer und Flamme für den zollfreien Handel.“ Er sei toll, wenn er einen Fernseher nach Tschechien verkaufen könne und es keinen Unterschied zu einem Verkauf in Deutschland gebe. In der EU entscheide aber ein Finne, was für einen Sizilianer richtig sei. Es werde Geld verschwendet, und der Euro sei kein Friedensprojekt, sondern gehöre abgeschafft.

Zuwanderung nach Punktesystem

Ein Problem sieht Schiller in dem Argument, Zuwanderung sei eine Chance gegen den demografischen Wandel. „Es ist nicht zu erwarten, dass die Zuwanderung uns Menschen bringt, die das Sozialsystem aufbessern“, so Schiller. Im Gegenteil seien Zuwanderer, von denen „ein Großteil nie ins Sozialsystem einzahlen“ werde, eine Belastung.

Als Lösung wolle er ein Einwanderungsgesetz nach kanadischem Vorbild mit Punktesystem. Ein Einwanderer solle „mindestens so qualifiziert sein, wie die Deutschen es durchschnittlich sind, damit er uns was bringt“. Der AfD-Politiker will sich zudem für heimatnahe Flüchtlingslager einsetzen, die finanziell unterstützt werden. Das sei billiger, als Geflüchtete in Deutschland zu unterstützen. Seine wie er selbst sagt steile These zu afghanischen Ortskräften: Diese könnten sich mit Geld aus Deutschland vor Ort selbst retten und zum Beispiel in solchen Lagern oder bei woanders lebenden Verwandten unterkommen.

Beendigung der Corona-Maßnahmen

Auch zum Umgang mit der Corona-Pandemie hat Schiller eine Position: Aufhebung aller Infektionsschutzmaßnehmen inklusive Maskenpflicht und Abschaffung der, wie er es nennt, „Impf-Apartheit“. Da eine Impfung nicht unbedingt vor Ansteckung schützt, dürfe es im Alltag keine Vorteile für Geimpfte geben. Ein Lockdown bringe seiner Ansicht nach wohl genau so viele Infektionen hervor wie ein Leben ohne Einschränkungen. Infizierte Menschen seien Fälle für Mediziner, nicht für die Politik. Die dürfe erst aktiv werden, wenn das Gesundheitssystem zusammenbreche. Und vor Mutationen könne sich die Gesellschaft wohl nur durch eine Durchseuchung schützen.

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Zur Person:

Manfred Schiller

  • Partei: Alternative für Deutschland (AfD)
  • Alter: 59
  • Familienstand: Verheiratet
  • Kinder: Drei Töchter, ein Sohn, sechs Enkelkinder
  • Beruf: Radio- und Fernsehtechniker, seit über 25 Inhaber eines Radio- und Fernseh-Fachgeschäfts in Weiden
  • Bisherige Wahlergebnisse: Tritt zum ersten Mal bei der Bundestagswahl an.
  • Drei politische Kernziele: Abschaffung Energiewende und Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG); Abschaffung des Euro und Ablehnung der Bürokratie in der EU; Einwanderungsgesetz nach kanadischem Vorbild und heimatnahe Unterbringung von Geflüchteten

 

 

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