23.07.2019 - 08:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Hauptsache: g'sund!

Künstliche Intelligenz, Big Data und Co. werden auch in der Gesundheitsversorgung immer wichtiger. Die OTH erweist sich einmal mehr als wichtiger Schrittmacher für die nördliche Oberpfalz.

Bis Kollege Roboter in der Gesundheitsversorgung zum normalen Erscheinungsbild gehört, wird noch einige Zeit vergehen. Doch in der Oberpfalz erhält die Digitalisierung in der Medizin viel Beachtung. Auch eine Modellregion soll entstehen.
von Matthias SchöberlProfil

„Hauptsache: g’sund!“, so hört man es landläufig. Doch um gesund zu sein, zu bleiben oder wieder zu werden, muss man die modernsten Technologien und Methoden anwenden. Im 21. Jahrhundert bedeutet das: den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, Big Data und Co. in der Gesundheitswirtschaft. Die Region Nordoberpfalz ist dabei bestens aufgestellt, um die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen.

Je nach Blickwinkel bietet die Gesundheitsbranche riesige Chancen oder sie muss katastrophale Entwicklungen überstehen. Da werden neue Produkte und Verfahren entwickelt, der technologisch-wissenschaftliche Fortschritt ermöglicht die Heilung bisher als unbehandelbar geltender Krankheiten und es entstehen sichere Arbeitsplätze. Auf der anderen Seite regiert der Kostendruck, die Strukturen der Gesundheitsversorgung sind überholt und der demografische Wandel stellt gerade die ländlichen Räume vor schier unlösbare Aufgaben. Nur in einem sind sich die Auguren einig: Die Digitalisierung wird alles verändern und wohl auch verbessern.

Roboter bei Operationen

Professor Dr. Steffen Hamm von der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Amberg-Weiden lehrt Gesundheitswirtschaft am Medizintechnik-Campus in der Reger-Stadt. Was uns in der Zukunft erwartet – Hamm holt Luft und spult eine ganze Litanei ab: Roboter werden bei Operationen stärker unterstützen. Hochspezialisierte Chirurgen werden mittels Robotern auch über große Entfernungen hinweg komplizierte Operationen durchführen – sie sitzen in ihrem Münchner Büro, der Roboter operiert in Weiden. 3-D-Drucker erstellen passgenaue Implantate. Bildgebende Verfahren unterstützen bei Operationen. Künstliche Intelligenz hilft bei der Brustkrebsfrüherkennung mit – und hilft, Frauen untersuchende Bestrahlungen zu ersparen. Die Aufbereitung medizinischer und klinischer Daten wird die Diagnostik revolutionieren und individuelle Behandlungen ermöglichen. Das sind nur die bekanntesten Beispiele.

„Nur mit digitalen Technologien können auch in Zukunft alle Menschen Zugang zu einer erstklassigen medizinischen Betreuung erhalten“, ist Hamm überzeugt. Nur neue Organisationsformen und neue Prozesse, die digitale Technologien nutzen, würden den immer älter werdenden Menschen in strukturschwachen, ländlichen Gebieten, eine gute medizinische Versorgung ermöglichen.

Digitale Modellregion

Der größte Vorteil dabei ist, dass die Digitalisierung nicht nur zu mehr Effektivität, sondern zugleich zu gesteigerter Effizienz der Versorgung beitragen kann. Organisations- und Prozessinnovationen bergen nicht nur das Potenzial, die Qualität zu verbessern, sondern eben auch dem kontinuierlichen Kostenanstieg Einhalt zu gebieten. Hierin liegt eine enorme Chance. Die nordoberpfälzischen Städte und Landkreise haben sich das Ziel gesetzt, dies in einer Modellregion innovativer ländlicher Gesundheitsversorgung umzusetzen. Die Bürger und Patienten sollen die positiven Wirkungen direkt spüren.

Neben der Digitalisierung gibt es jedoch noch einen weiteren wichtigen Erfolgsfaktor: „Wir arbeiten hier in der Region sehr eng und vertrauensvoll zusammen. Wissenschaft, Wirtschaft, Versorgung und die Politik in der Nordoberpfalz sind echte Partner.“ Steffen Hamm ist auch Geschäftsführer der GesundheitsregionPLUS Nordoberpfalz und überblickt die verschiedenen Gremien und Verbünde. „Unser Netzwerk ist so dicht, dass niemand hindurchfallen wird“, ist er überzeugt. Die Versorgung wird gewährleistet und die Wirtschaft angekurbelt. Was man am dringendsten brauche, so der Professor, seien hoch qualifizierte Fachkräfte.

Ein wichtiger Baustein ist dabei die OTH Amberg-Weiden mit ihren Studiengängen zu Medizintechnik und Gesundheitswirtschaft. „Im Studiengang ,Digital Healthcare Managemen' bringen wir unseren Studierenden bei, interdisziplinär zu denken und zu handeln, Prozesse und Zusammenhänge auf dem Gesundheitsmarkt zu verstehen und gesundheitsökonomisch zu bewerten“, erklärt Hamm. Im Studiengang „Physician Assistance“ werden Arztassistenten ausgebildet, die mehr können, als das Skalpell zu reichen. Gerade für Interessierte an einem Medizinstudium, die aktuell aufgrund der Zulassungsbedingungen keinen Studienplatz erhalten haben, stellt der neue Studiengang durchaus eine Alternative dar. Im Laufe des Jahres 2020 starten dann die berufsbegleitenden Masterstudiengänge „Management im Gesundheitswesen“ und „Medizinrecht“.

Grundsätzlich ziele die Forschung an neuen Technologien und Versorgungsmodellen auf die Praxis, den tatsächlichen Bedarf, und soll unmittelbar in die Gesundheitswirtschaft und -versorgung überführt werden. „Das bedeutet, dass wir alle Veränderungen daran messen müssen, ob sie den Patientinnen und Patienten nützen“, sagt Steffen Hamm. „Hauptsache: g’sund!“

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