26.06.2020 - 11:17 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Heiner Nachtmann: "Für mich fällt das Bürgerfest nicht aus"

Eigentlich wäre an diesem Wochenende in Weiden die Hölle los. Doch das Jubiläums-Bürgerfest fällt Corona zum Opfer. Urgestein Heiner Nachtmann verrät ihm Interview, was er sich für die Party vorgenommen hatte – und was er stattdessen tut.

Heiner Nachtmann vor seinem Lieblingsplatz am Oberen Markt.
von Helmut KunzProfil

Heiner Nachtmann ist ein Urgestein des Weidener Bürgerfests. Als "Mister Gambrinus" und Mitglied der Stadtkapelle hat er in den vergangenen Jahrzehnten keine Bürgerfest-Party ausgelassen. In diesem Jahr muss auch er zwangsläufig darauf verzichten. Allerdings nicht komplett, wie er im Interview mit Oberpfalz-Medien verrät.

ONETZ: Herr Nachtmann, heuer fällt das 50-jährige Jubiläums-Bürgerfest aus. Sind Sie traurig darüber?

Heiner Nachtmann: Es ist generell absolut schade, dass coronabedingt eigentlich alles still steht. Dass unser Bürgerfest still steht, ist natürlich ganz besonders schade. Aber ich glaube, dass wir Weidener schon die notwendige Freude im Herzen mitbringen und uns bereits heute auf ein grandioses Bürgerfest 2021 freuen.

ONETZ: Was hatten Sie sich für dieses Bürgerfest vorgenommen?

Heiner Nachtmann: Ich bin ja eigentlich schon ein bisschen in der Ruhephase. Ich bin nicht mehr derjenige, der wie in den letzten Jahrzehnten immer nur auf der Bühne steht und Stimmung macht. Was ich mir aber vorgenommen hatte? Freunde treffen. Das Bürgerfest ist einfach genial, es ist von den drei Weidener Festen das größte. Hier kommen Freunde aus allen Patenstädten, aus allen Teilen der Welt zusammen. Als mein Sohn in der Deutschen Botschaft in Washington arbeitete, traf er einen Amerikaner, der schon mal in Weiden war. Und der hatte ihm ein Foto vom Bürgerfest gezeigt, auf dem ich zu sehen war. Das ist mein Papa, sagte mein Sohn. Unser Bürgerfest wird über alle Grenzen hinweg gefeiert. Das ist das Leben, das ist das was Weiden so schön macht.

ONETZ: Wie viele Bürgerfeste haben Sie persönlich miterlebt?

Heiner Nachtmann: Ich hab’s gar nicht mitgezählt. Aber wenn wir jetzt das 50. hätten, dann würde ich mal sagen, es waren so 45. Und zwar war ich immer aktiv dabei. Die letzten beiden Jahre eher passiv, nachdem sich die Musikszene beim Bürgerfest in eine etwas andere Richtung entwickelt hatte. Was ich persönlich aber toll finde und was durchaus in Ordnung ist. Aber davor war jedes Jahr volle Kanne: Vom Anwinken bis zum Abwinken.

ONETZ: Inwiefern hat sich das Bürgerfest über die Jahre hinweg verändert?

Heiner Nachtmann: Kann ich nicht sagen. Ich war immer am Oberen Markt, wo ich mich sauwohl gefühlt habe. Hier war der See-Weidener Wein, hier war das Bier und hier spielten wir, die Stadtkapelle, mit der ich verwurzelt war. Ich kam ganz selten bis zum Lions-Stand. Und bis zum Ramasuri hab ich es nie geschafft, weil unsere Pausen einfach nicht so lange waren, dass ich weiter rumgekommen wäre. Und unterwegs hatte man immer so viele Bekannte getroffen, dass man praktisch alle zwei Meter zum Ratschen angehalten hat.

ONETZ: Was waren die Höhepunkte in all den Bürgerfest-Jahren?

Heiner Nachtmann: Oh, Gott! Ich glaube jedes Bürgerfest für sich ist ein absolutes Highlight. Mein persönliches Highlight war, als ich oben aus dem Fenster im dritten Stock des damaligen Kurpfälzer Hofs mit der Trompete das Trompeten-Echo raus geblasen habe. Ich weiß heute noch nicht, wie ich da raufgekommen bin. Ich würde mich das im Leben nicht mehr trauen. Bei mir zuhause steige ich auf keine Leiter. Auslöser für diese Aktion war einfach der Enthusiasmus, der beim Bürgerfest entstand. Und: Der Hopfen im Bier beruhigt.

ONETZ: Ihr standet ja immer bis in die Nacht hinein unter Volldampf auf der Bühne.

Heiner Nachtmann: Wir waren die einzige Band, die von elf Uhr vormittags bis Mitternacht durchgespielt hat. "Satisfaction" hat natürlich definitiv zu den letzten Stücken mit dazugehört. Aber "Sierra Madre" war in den letzten zwölf Jahren immer der Rausschmeißer. Meistens sind unsere italienischen Freunde auf die Bühne gekommen. Oder der Bürgermeister von Weiden am See, Willy Schwartz, der dann dirigierte. So etwas kann man nicht erträumen oder erdenken. Das ist einfach Weiden pur. Und so wird es im nächsten Jahr mit Sicherheit auch wieder werden.

ONETZ: Was treiben Sie jetzt an diesem Wochenende ohne Bürgerfest?

Heiner Nachtmann: Für mich fällt das Bürgerfest nicht aus, weil wir vor acht Jahren eine wunderschöne Gemeinschaft gegründet haben. Wir sind die Bierfilzler. Eine Gemeinschaft aus Freunden aus allen Patenstädten. Diese Gemeinschaft haben wir an einem Vorabend des Bürgerfests auf einem Bierfilzl besiegelt. Seitdem treffen wir uns zweimal im Jahr. Einmal davon immer zum Bürgerfest. Aus diesem Grund sind alle Freunde da, leider bis auf die aus Macerata. Wir feiern unser privates Bürgerfest mit Anstand und Abstand.

Die besten Bilder des Bürgerfest 2019:

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Alle Infos und Bilder:

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Video-Botschaft aus den Partnerstädten zum Bürgerfest

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