15.01.2021 - 16:12 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Hochwasser in Weiden vor 10 Jahren: "Erschreckend und faszinierend zugleich"

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Der Stadt Weiden steht vor zehn Jahren das Wasser sprichwörtlich bis zum Hals: Die Fluten nähern sich der Altstadt, drohen in Keller zu schwappen. Erinnerungen von Alois Schröpf an den 14. Januar 2011, den letzten Hochwassertag der Stadt.

Faszinierende Spiegelungen am 14. Januar 2011 in der "Seenlandschaft" in Weiden-Süd. Links die Fahrzeuge auf der Südost-Tangente, die plötzlich als Deich wahrgenommen wird.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Alois Schröpf, heute 71 Jahre alt, ist damals mit der Kamera an den "Brennpunkten" im östlichen Stadtgebiet unterwegs. Er fühlt sich stark an seine Hochwassererfahrungen als kleiner Knirps erinnert: An der Hand seiner Mutter sei er - wohl Mitte der 1950er Jahre -durchs Untere Tor gegangen und "ziemlich plötzlich" am Schlörplatz im Wasser gestanden. Die Angst vor dem Hochwasser habe damals wohl jeder Weidener mit sich rumgetragen.

Alles verändert

Seitdem habe sich viel getan. Stadt und Staat hätten groß in den Hochwasserschutz investiert. Und dennoch hätten im Januar 2011 viele Weidener gebangt. Schneeschmelze und Regen ließen Schweinenaab, Herbstaugraben, Waldnaab und den Flutkanal anschwellen. Die Stadt liegt inmitten einer riesigen Seenlandschaft. Die Südosttangente wird zum Damm. Nur noch an den Baumreihen sind Waldnaab und Flutkanal in der weiten Seenlandschaft ausfindig zu machen. Alles scheint verändert, die Orientierung erschwert. "Das Hochwasser war erschreckend und faszinierend zugleich", sagt Schröpf. Dem damaligen Leiter des Sozialamtes haben es als versierten Fotografen vor allem die vielfältigen Spiegelbilder angetan. Noch heute erfreut er sich an den "einmalige Aufnahmen", die er auch gerne teilt.

Hochwasserschutz funktioniert

Entscheidend sei gewesen, dass die Hochwasserschutzmaßnahmen funktionierten, betont dazu Mathias Rosenmüller, der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Weiden, der allerdings erst vor acht Jahren an die Behörde kam. Nach den schlimmen Jahrhunderthochwasser kurz vor der Jahrtausendwende hatten Stadt Weiden sowie Freistaat und Bund kräftig in den Hochwasserschutz in und um Weiden investiert. So wurden die Ufer des Flutkanals überarbeitet, das Obere Wehr sowie der Schutz entlang der Herbstausgrabens sowie zum Max-Reger-Park ertüchtigt und die Schweinenaab in ein neues, hochwassersicheres Bachbett gelegt. Die Bewährungsprobe wurde 2011 mit Bravour bestanden.

Der Hochwasserschutz Weidens sei auf eine 100-jährliche Überschwemmung ausgelegt, erklärt Rosenmüller. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Flut in dieser Dimension sich jährlich wiederhole, sei immer gleich hoch. "Der Unterschied ist, dass man darauf vorbereitet sein sollte." Auch, dass derzeit der Düker des Flutkanals erneuert werde, gehöre zu Schutz der Stadt und der Unterlieger. In diesem Jahr werde der Deich des Flutkanals von der Brücke der Friedrich-Ebert-Straße stadtauswärts hin zu Wirtschaftsschule, Augustinus-Gymnasium und Baugebiet Am Orthegelmühlbach durch eine metallene Spundwand zusätzlich gesichert.

Flut gehört zum Fluss

Jeder Bürger müsse sich aber auch selbst überlegen, was er tun könne, um Schäden durch Überschwemmungen zu vermeiden, fordert der Amtsleiter. Zugleich unterstreicht er, dass Überschwemmungen zu jedem Gewässer gehörten. "Das schadet keiner Wiese. Problematisch wird es erst, wenn es um Gebäude geht. Wir werden nervös, wenn wir ein 20-jährliches Hochwasser erwarten." Obwohl weiterer Schneefall und für nächste Woche der Wetterumschwung mit Wind und Regen angekündigt ist, bleibt Rosenmüller noch gelassen. "Keine allzu große Hochwassergefahr."

Auch der Dükerbau am Flutkanal dient dem Hochwasserschutz

Weiden in der Oberpfalz
Über den Radweg runter ins Schmelzwasser. Links der flutkanal, rechts die gefluteten Äcker.
Hochwasser im Stadtbad, das inmitten des Stadtsees in Weiden-Ost liegt.

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