Yassine ist seit Monaten auf der Suche nach einem Zuhause in Weiden. Der Student hat sich für den Masterstudiengang "Logistik" an der OTH Amberg-Weiden eingeschrieben. Semesterstart ist im Oktober. "Ich habe nicht erwartet, dass es so schwer sein wird, eine Unterkunft zu finden. Ich war überrascht, dass es nur wenige Leute gibt, die eine Wohnung zur Verfügung stellen", erzählt er. Yassine hat über 30 Leute kontaktiert – von WGs über Einzimmerwohnungen und privaten Studentenwohnheimen war alles dabei. "Ich habe von allen eine negative Antwort bekommen."
Yassine ist einer unter vielen jungen Menschen, die kurz vor Studienbeginn noch auf der Suche nach einer Unterkunft sind. Weil die Mietpreise in Großstädten, wie Berlin oder München, ins Unermessliche schießen, treibt es immer mehr junge Menschen an Universitäten und Hochschulen von kleineren Städten. Das Problem: Jede Stadt stößt in Sachen "Wohnungsmarkt" irgendwann an ihre Grenzen. Auch in Weiden ist es nicht leicht, bezahlbare Mietwohnungen auf Anhieb zu finden. Wer noch vor Vorlesungsbeginn eine Wohnung oder ein WG-Zimmer benötigt, dem läuft langsam die Zeit davon.
Heiß begehrte Wohnungsplätze
Schon vor der Pandemie waren WG-Zimmer, Studentenwohnheimplätze und Appartements umkämpft. "Der Wunsch vieler Studenten ist es, nah an der Uni zu wohnen, damit sie mit Bus oder mit dem Fahrrad gut von A nach B kommen können", sagt OTH-Vizepräsident Ulrich Müller. "Leider sind günstige Wohnungen plus gute Lage in Weiden Mangelware." Während der Andrang in den vergangenen zwei Jahren kaum spürbar war, ist er dieses Jahr umso deutlicher. "Es gibt nun beinahe 4.000 Studenten an der OTH, wobei das Wachstum vor allem in Weiden stattfand. Inzwischen sind in Weiden fast 1.000 Studenten mehr als in Amberg", teilt die Stadtbau Weiden mit. "Die meisten Vorlesungen haben während der Pandemie vor dem Bildschirm stattgefunden. Viele junge Menschen haben daheim bei den Eltern gewohnt. Doch jetzt zieht es sie wieder an die Uni, sie wollen was Neues sehen", sagt Müller. Auch der Ukraine-Krieg hat zusätzlich die Situation auf dem Wohnungsmarkt verschlechtert.
Und mit neu eingeführten Studiengängen kommen immer mehr Studierende dazu, sagt er. Die Stärkung der internationalen Beziehungen habe in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass die Einschreibungen an der OTH stark zunehmen. Die Herausforderung sei, die OTH so attraktiv zu machen, dass sich die Studenten einschreiben – trotz Wohnraumengpass in der Stadt. "Wir sind froh über jeden einzelnen jungen Menschen, der zu uns kommt. Wir sehen positiv der Zukunft entgegen, müssen aber vorbereitet sein und an Lösungen arbeiten."
Mehr Appartements geplant
"Am freien Wohnungsmarkt sind Studentenwohnungen im größeren Umfang nicht vorhanden", heißt es seitens der Stadtbau. "Sie sind schwieriger zu bewirtschaften, Vermieter müssen deutlich mehr Aufwand aufbringen und häufiger Auszüge und Wiedervermietung managen." Das Studentenwerk Oberfranken stellt aktuell zwei Wohnanlagen zur Verfügung: Die Wohnanlage "Fischerberg" in der Stresemannstraße verfügt über 50 Appartements, neun Einzelzimmer und ein barrierefreies Einzelzimmer. Die Wohnanlage "Am Postkeller" am Schirmitzer Weg verfügt über 60 Einzelappartements, 40 Einzelzimmer, vier barrierefreie Appartements und ein Eltern-Kind-Appartement.
Zusammen mit der OTH plant das Studentenwerk, in den nächsten Jahren mehr Appartements und Wohnheime zu bauen. "Der Bedarf ist jetzt schon da, doch wir können nicht zaubern. Planung, Genehmigungen, Bauphasen – alles braucht seine Zeit", so Müller. "Wir brauchen unbedingt mehr Einzelappartements. Wir sind dran, günstige Optionen zu entwickeln", teilt eine Sprecherin des Studentenwerks mit.
Wohnungsbörse der OTH
Für den Moment hat die Hochschule eine Online-Wohnungsbörse ins Leben gerufen – eine Informationsplattform, auf der sich Vermieter und Wohnungsbesitzer in der Region melden können. Sie sollen bei der Zimmersuche unterstützen. Mittlerweile sind einige Stellenanzeigen online, das Angebot der OTH wird gut genutzt. Aber auch Studenten können selbst eine Anzeige schalten. Alexander aus Weiden hat genau das gemacht: Er sucht für seinen Bruder eine möblierte Wohnung in Weiden. "Bisher haben sich zwei Vermieter gemeldet. Die eine Wohnung war viel zu teuer, die Besichtigung der anderen Wohnung steht noch aus", sagt er. Preislich solle die Wohnung nicht mehr als 350 Euro warm kosten – eine Herausforderung.
Keine Panik
Ein Blick auf die OTH-Plattform zeigt, dass insbesondere Zimmer und Wohnungen im Zentrum von Weiden (oder Amberg), dem nahen Umland und in Campus-Nähe gesucht werden. "Ein passendes Objekt in Nähe der Hochschule finden und dann für einen guten Preis, ist wirklich nicht einfach. Aber die Hochschule muss per Bus oder Fahrrad erreichbar sein. Ohne Auto kann mein Bruder nicht mehrere Kilometer außerhalb Weidens wohnen, die Anbindung hier ist nicht gerade gut", erklärt er. Alexander verlässt sich nicht nur auf die Wohnungsbörse, das ist beim aktuellen Wohnungsmarkt nicht möglich. "Das Studium beginnt im Oktober. Wir versuchen jetzt zusätzlich über Ebay-Kleinanzeigen und anderen Portalen ein Appartement zu finden. Wir bleiben geduldig", sagt er.
Für die Zukunft sieht die Stadtbau schwarz: "Die explosionsartigen Steigerungen bei den Baukosten, die Verteuerung bei den Finanzierungskosten und die zuletzt verschlechterten Wohnungsbau-Förderbedingungen des Staates machen es beinahe unmöglich, einen Neubau wirtschaftlich darstellen zu können."
Die Plattform sieht Ulrich Müller deshalb als Chance – vor allem für diejenigen, die bisher kein Glück bei der Wohnungssuche hatten. "Studenten müssen sich in der Anfangsphase mit so viel beschäftigen. Wo finden meine Vorlesungen statt? Wie sieht mein Stundenplan aus? Und so weiter. Ein Zimmer vor Ort – wenn auch nur für zwei, drei Monate – hilft, sich in der neuen Umgebung zurecht zu finden und die Wohnungssuche aus einem neuen Blickwinkel zu starten", erklärt er. "Wir wollen keine Panik verbreiten. Studenten sind in Weiden gut aufgehoben. Die Plattform soll helfen, Kontakte zu knüpfen." Vermieter und Studenten haben die Möglichkeit, sich unter www.oth-aw.de/wohnungen kostenlos einzutragen.
Tipps zur Wohnungssuche
- Zeitungsanzeigen: Anzeigen in Lokal- und Regionalzeitungen können zu wahren Glücksgriffen werden.
- Online: Die Online-Wohnungssuche hat gegenüber Zeitungsanzeigen einen Vorteil: Im Internet werden weitaus mehr Informationen zu der jeweiligen Wohnung preisgegeben.
- Selbst aktiv werden: Auf Ebay-Kleinanzeigen oder anderen Online-Börsen eine "Suche Wohnung"-Anzeige erstellen und die Informationen auch in die Zeitung setzen.
- Soziale Netzwerke: In Facebook-Gruppen beitreten, eine Wohnungsanzeige erstellen und Freunde und Familie bitten, diese zu teilen.
- Makler: Ein Makler kostet zwar Geld, doch sein Job ist es, freie Wohnungen zu finden.
- Wohnungsbesichtigung: Pünktlich sein, nicht in Jogginghose erscheinen, keine Fragen stellen, die bereits in der Wohnungsanzeige beantwortet wurden.



















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