11.06.2021 - 16:53 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Impfen am Arbeitsplatz: So läuft es bei Betrieben in Weiden und Landkreis Neustadt

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Jetzt darf auch in den Unternehmen in Weiden und im Landkreis Neustadt/WN geimpft werden. Doch nicht jeder Betrieb macht mit. Wie groß ist die Resonanz der Mitarbeiter in den übrigen Firmen?

Das derzeitige Impfzentrum der Witt-Gruppe am Standort Brandweiher. Eine Mitarbeiterin wird über den Ablauf der betrieblichen Impfung aufgeklärt.
von Katrin Pasieka-Zapf Kontakt Profil

Von Anita Reichenberger und Katrin Pasieka-Zapf

Die Nachfrage nach Impfungen gegen den Coronavirus ist groß. Doch der Impfstoff ist weiterhin knapp. Zumal die Dosen nicht mehr nur an Impfzentrum und Hausärzte geliefert werden, sondern seit Montag auch zu Unternehmen. "Vor allem große Firmen haben Interesse an Betriebsimpfungen", weiß Florian Rieder, Geschäftsführer der IHK-Geschäftsstelle in Weiden. Kleinere und mittlere Betriebe seien noch zurückhaltend. "Teilweise sind die Mitarbeiter dort schon geimpft, oder sie stehen einer Impfung skeptisch gegenüber", sagt Rieder. Eher gering ist das Interesse bei Firmen in der Lebensmittelbranche: Aufgrund der hohen Priorisierung ist ein sehr hoher Anteil der Beschäftigten bereits geimpft. So sieht es in den Betrieben aus:

Witt-Gruppe, Weiden

Die betriebliche Impfkampagne für die Mitarbeiter im Logistikzentrum der Witt-Gruppe in Weiden-West startete am Mittwoch. Wie das Unternehmen in einer Mitteilung erklärt, nahm der Betriebsärztliche Dienst aus Amberg die Impfungen vor. 216 Dosen des Impfstoffs Biontech konnten so an zwei Tagen verimpft werden. Die Standorte in Ullersricht und in der Schillerstraße sollen zeitnah folgen. Bereits im April fragte das Unternehmen über einen anonymen Fragebogen die grundsätzliche Impfbereitschaft ab. Über eine verbindliche Anmeldung Ende Mai bekundeten rund 750 Beschäftigte Interesse. Aufgrund der Impfstoffknappheit und der stark begrenzten behördlichen Zuteilung der Vakzine kann das Unternehmen jedoch nur wenige Tage im Voraus planen. Ziel ist es, allen Impfwilligen bis Ende Juni ein Angebot zur Erstimpfung zu machen.

Witron, Parkstein

"Wir haben noch eine weite Strecke vor uns", sagt Witron-Geschäftsführer Helmut Prieschenk. Die Mitarbeiter im Unternehmen sind sehr jung, viele nutzen deshalb die Möglichkeit, sich im Betrieb impfen zu lassen. Bisher haben rund 500 der 1900 Mitarbeiter am Standort Parkstein die Erstimpfung erhalten. Witron setzt dabei auf verschiedene Impfstoffe. "Die Akzeptanz der Mitarbeiter ist diesbezüglich sehr hoch", so Prieschenk. Verteilt wird der Impfstoff nach verschiedenen Kriterien, unter anderem, ob die Mitarbeiter ins Ausland reisen müssen.

Constantia, Pirk

Seit Freitag wird auch bei Constantia in Pirk geimpft. "Es ist der erste von drei festen Terminen in diesem Monat", sagt Geschäftsführer Manfred Träger. 72 Dosen Biontech wurden dem Unternehmen für die erste Runde zugeteilt. Als bekannt wurde, dass im Unternehmen geimpft wird, haben sich viele Mitarbeiter gleich angemeldet. "Die Impfbereitschaft ist sehr groß." Träger stellt aber auch klar, dass "die Impfung für jeden freiwillig ist". Aufgeteilt wird der Impfstoff auf die verschiedenen Abteilungen, der Schwerpunkt liegt zunächst bei den Mitarbeitern in der Produktion.

Stadtverwaltung Weiden

"Bislang steht dem Betriebsarzt der Stadt Weiden kein Impfstoff zur Verfügung", teilt Pressesprecher Norbert Schmieglitz auf Nachfrage mit. Impfungen können daher momentan nicht angeboten werden. Sobald dies der Fall ist, wird die aktuelle Nachfrage bewertet und dementsprechend entschieden. Eine eventuelle Impfaktion kann "voraussichtlich ohne erhebliche Einschränkung des Verwaltungsbetriebs durchgeführt werden", so der Pressesprecher.

Rogers, Eschenbach

"Viele Kollegen können es kaum erwarten, ihren ersten Impftermin wahrnehmen zu können", gibt Marc Stolpe die Stimmung bei Rogers Germany in Eschenbach wieder. Ein kleines bisschen dauert das aber noch: Laut Aussage des Betriebsarztes vom Berufsgenossenschaftlichen Arbeitsmedizinischen Dienst (BAD) ist der Start für übernächste Woche geplant. Verabreicht werde dabei der Impfstoff von Biontech/Pfizer. Bei einer Umfrage unter den etwa 670 Beschäftigten habe Rogers vorab das Interesse an einer Impfung durch den Betriebsarzt abgefragt, informiert der Sprecher des Unternehmens: "Mehr als die Hälfte der Mitarbeiter hat Interesse bekundet." Da die Impfdosen begrenzt sind, seien mehrere Termine notwendig, um die Erstimpfung gewährleisten zu können. "Die Zweitimpfungen werden entsprechend gemäß der notwendigen Wartefrist geplant." Stolpe verweist auch darauf, dass "ein großer Teil der Belegschaft" bereits eine Erst- oder Zeitimpfung "aufgrund persönlicher Umstände oder öffentlichen Engagements" erhalten habe. Damit zeigten die Rogers-Beschäftigten "ein hohes Verantwortungsbewusstsein".

US-Armee, Grafenwöhr

Bereits der zweite Piks steht für die deutschen Angestellten der US-Armee in den nächsten Tagen an. "Alle Zivilangestellten haben inzwischen ein Impfangebot bekommen", sagt Pressesprecher Franz Zeilmann. Das Angebot wurde "sehr gut angenommen". Wohl auch, weil eine Impfung ohne Priorisierung möglich war. Über die Hälfte der Beschäftigten habe sich im Mai, entweder mit Johnson & Johnson oder Moderna, impfen lassen. Nun steht die Zweitimpfung im Mehrzweckraum der Kaserne in Vilseck an. "Bei Fragen ist ein deutscher Arzt vor Ort", so Zeilmann. Der Impfstoff kommt aus den Vereinigten Staaten und nicht aus dem deutschen Kontingent.

Landratsamt Neustadt/WN

Keine betrieblichen Impfungen bietet das Landratsamt in Neustadt/WN für seine Mitarbeiter an. Interessierte Arbeitnehmer können sich wie alle anderen Bürger über die Impfzentren oder die Hausärzte impfen lassen, teilt Pressesprecherin Claudia Prößl auf Nachfrage mit. Einige Mitarbeiter haben sich, aufgrund ihrer dienstlichen Tätigkeit zum Beispiel im Gesundheitsamt oder im Katastrophenschutz, bereits impfen lassen. Wie viele Mitarbeiter bereits geimpft sind, ist nicht bekannt.

Novem, Vorbach

"Wir haben am Donnerstag erfahren, dass wir in der Lage sind, von nächster Woche an zu impfen", berichtet Christoph Müller von der Firma Novem Car Interior Design. Die Resonanz sei "klasse": Auf die kurzfristige Ausschreibung hin hätten sich "circa 100 Leute spontan gemeldet bis Freitagmorgen". Das Angebot der Corona-Impfung über den Betriebsarzt gelte dabei nicht nur für die gut 1000 Mitarbeiter in Vorbach und die 300 Beschäftigten in Eschenbach, sondern auch für die Leiharbeitnehmer an den beiden Standorten. Geimpft wird ab Dienstag, den 15. Juni. Dann werden die ersten 24 Mitarbeiter das Vakzin von Biontech erhalten. Die externe Betriebsärztin sei dazu vier Stunden vor Ort. Weitere Termine werden folgen, um die Warteliste abzuarbeiten, erläutert Müller. Er bezeichnet diese als eine "lebende Liste": "Es kommen Beschäftigte wieder neu drauf, andere weg" – zum Beispiel jene, die im Impfzentrum oder beim Hausarzt kurzfristig geimpft werden. Novem habe sich in den vergangenen Wochen sehr bemüht, um den Mitarbeitern ein Impfangebot machen zu können, betont Müller. Dazu habe sich das Unternehmen etwa an den Landtagsabgeordneten Stephan Oetzinger gewandt, "mit der Bitte, sich einzusetzen". Nun "freut es uns auch sehr, dass wir bei den Ersten mit dabei sind".

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Hintergrund:

Betriebliche Impfangebote

  • Seit Montag, 7. Juni, können auch Betriebsärzte die Covid19-Schutzimpfung vornehmen. Die Organisation des Impfens in den Betrieben obliegt den Betriebsärzten selbst, so das Bundesministerium für Gesundheit.
  • Ein Impfangebot können grundsätzlich alle Beschäftigten bekommen, unabhängig vom Alter oder von Vorerkrankungen, vom Wohnsitz oder vom Aufenthaltsort - also auch Grenzpendler und Saisonarbeiter.
  • In der zu Ende gehenden Woche wurden laut Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände dafür bundesweit 702 000 Impfdosen geliefert. Für die nächste Woche werden am Montag, 14. Juni, an die Apotheken insgesamt 602 550 Dosen des Impfstoffs von Biontech/Pfizer geliefert. Bestellt haben insgesamt 6288 Betriebsärzte, so dass jeder von ihnen mindestens 84 Dosen bekommt (falls nicht weniger angefordert).
  • Für die Woche vom 21. bis 25. Juni steht Impfstoff von Biontech sowie von Johnson & Johnson zur Verfügung. Pro Betriebsarzt höchstens 300 Dosen Biontech und 50 Dosen des Vakzins von Johnson & Johnson bestellt werden. Dafür mussten von den Betriebsärzten ausgestellte Privatrezepte bis Donnerstag, 10. Juni, 12 Uhr, bei einer Apotheke eingereicht werden.
  • Am Mittwoch, 16. Juni, meldet der Großhandel die Anzahl der lieferbaren Dosen an die Apotheken, informiert die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände zum Prozedere. Die Apotheken wiederum informieren noch am selben Tag die Betriebsärzte, die dann die impfwilligen Mitarbeiter für die Woche darauf einbestellen können. (rca)

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