12.05.2021 - 14:48 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Impfungen: Großer Andrang, aber zu wenige Dosen

Jetzt soll's ganz schnell gehen mit der Impfung: Die Weidener Bürger drängen – wegen der nahenden Pfingstferien. Es hilft jedoch nichts. Auch weil sich Impfstoff rar macht.

Astrazeneca liegt bereit. Doch viele ältere Bürger lehnen den Impfstoff ab. Das sorgt zunehmend für Probleme.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Ausgerechnet Urlaub bescherte den Helfern in den Impfzentren und Arztpraxen in der abgelaufenen Woche jede Menge Arbeit: Weil die Pfingstferien vor der Tür stehen und die Reiselust geweckt ist, häufen sich die Anrufe von Impfwilligen. Thomas Rauch vom Impfzentrum Weiden berichtet gegenüber Oberpfalz-Medien insbesondere von vielen Anfragen, "ob Zweittermine nach vorne geschoben werden können". Und er liefert auch gleich die Antwort: "Eine Verschiebung von Impfterminen ist nur aus triftigen Grund wie zum Beispiel Krankheit oder beruflicher Abwesenheit möglich. Eine Urlaubsreise zählt nicht zu diesen Gründen. Dies wurde auch seitens Staatsministerium so festgelegt."

Endlich Lockerungen in Weiden und im Landkreis

Weiden in der Oberpfalz

Derartige Begehrlichkeiten weckten jüngst Politikeraussagen, wonach die Abstände zwischen den beiden Impfungen reduziert werden könnten. Damit hätten die sogenannten Experten "ein Riesenei" gelegt, meint Hausarzt Dr. Matthias Loew. Zum einen, weil die komplette Logistik durcheinandergewirbelt werde, zum anderen, da laut Studien der längere Abstand aus medizinischer Sicht eben doch besser sei. Loew: "Was in den Pressekonferenzen entschieden wird, ist nicht durchdacht." Und, überhaupt: "Es hilft nichts, wenn man sich großartig drängelt." Die Impfdosenzuweisungen seien weiterhin "relativ beschränkt". Vor allem bei Biontech.

Impfzentrum Weiden: Nicht ausgelastet

Es könnte schneller vorangehen mit den Impfungen – das stellt auch Thomas Rauch fest: "Leider können wir derzeit an Tagen ohne Sonderzuteilungen unsere drei Impfzentren nicht zu 100 Prozent auslasten. Wenn mehr Impfstoff zur Verfügung stünde, könnten wir daher noch mehr Menschen impfen. Ob es nochmal Sonderlieferungen für unseren Landkreis gibt, wissen wir nicht." In den Impfzentren in Weiden und dem Landkreis erhielten in den sieben Tagen seit Mittwoch, 5. Mai, 1664 Bürger ihre Erstimpfung, 3180 ihre zweite. Insgesamt 41.743 Personen sind damit erst-, 15.538 zweitgeimpft. An der Reihe sind derzeit die Prio-Gruppen 2 und 3. Diesen Freitag erwartet Rauch die nächste Impfstoff-Lieferung: 3342 Dosen Biontech und 700 Dosen Moderna.

Hausärzte in Weiden: Viele Senioren lehnen Astrazeneca ab

Die Hausärzte in Weiden haben bis Mittwoch insgesamt 3789 Menschen erst- und 150 zweitgeimpft. Für die sieben Tage zuvor stehen damit 1000 Erst- und 86 Zweitimpfungen zu Buche. Loew fällt dabei auf, dass viele ältere Impflinge ausdrücklich eine Impfung mit Astrazeneca ablehnten – obwohl sie dafür geeignet wären. Dadurch nähmen sie Jüngeren mRNA-Impfstoffe (Biontech, Moderna) weg. Der Mediziner spricht von einer "Riesenungerechtigkeit".

Hausärzte im Landkreis: Mehr Anmeldungen von Jüngeren

Für die Hausärzte im Landkreis berichtet Dr. Martin Poschenrieder von insgesamt 8042 Erst- und 184 Zweitimpfungen. Innerhalb einer Woche kamen 2234 Erst- und 113 Zweitgeimpfte dazu. Überwiegend werde der Piks in der Prio-Gruppe 3 gesetzt. "Es kommen aber immer wieder auch Personen aus Prio-Gruppe 1 und 2 dazu, die bislang gezögert haben oder nach einer überstandenen Covid-Erkrankung darauf gewartet haben, nach 6 Monaten eine Impfung zu bekommen." Auch Poschenrieder stellt fest: "Die Aussicht auf einen möglichst unbeschwerten Sommerurlaub und die anderen Erleichterungen für Geimpfte hat der Impfkampagne auf jeden Fall einen Schub verliehen. Es melden sich mehr Jüngere an, aber die Zahl der Impfungen ist natürlich durch die Knappheit des Impfstoffs begrenzt."

Zugenommen habe dagegen der Beratungsaufwand. Viele Jüngere entscheiden sich nach den Worten des Mediziners für Vaxzevria von Astrazeneca, da sie sonst keine Aussicht auf eine baldige Impfung hätten. "Diese impfwilligen Personen müssen wir sehr sorgfältig über den Nutzen und die seltenen, aber gravierenden schweren Nebenwirkungen aufklären." Und auch Poschenrieder bedauert, dass zahlreiche Über-60-Jährige unbegründet Angst vor Astrazeneca hätten. Die Jüngeren müssten daher noch länger warten. So bekämen die Hausärzte mRNA-Impfstoff nur für Zweitimpfungen. "Für Erstimpfungen mit Biontech soll es maximal 6 Dosen pro Arzt geben, aber wir wurden bereits informiert, dass viele Ärzte ganz leer ausgehen."

Die Bürger können mithelfen, den Ablauf zumindest ein wenig zu beschleunigen: "Wenn eine Impfung beim Hausarzt erfolgt ist und bereits ein Termin im Impfzentrum vereinbart worden ist, sollte dieser unbedingt storniert werden", bittet Thomas Rauch vom Impfzentrum Weiden. Falls ein Bürger damit Probleme hat, hilft ein Anruf unter Hotline-Nummer 0961/39002600 weiter.

Die Impf-Bilanz in der Vorwoche

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