08.12.2021 - 18:17 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Impfzentrums-Leiter zu Kreuzimpfungen: "Moderna ist mindestens genauso wirksam"

Ärzte und Impfzentrums-Mitarbeiter impfen, was das Zeug hält. Entsprechend erfreulich sind die Zahlen. Doch es gibt bei manch Impfwilligen auch Anlass für Frust.

Impfungen gibt es in den Impfzentren wie hier in Weiden nur mit Termin. Dadurch ist die durchschnittliche Wartezeit laut Impfzentrums-Leiter Sebastian Seibert auf maximal 12 bis 15 Minuten gesunken. Doch das verhindert offensichtlich das Warten in Schnee und Kälte nicht gänzlich.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

In den Impfzentren und Arztpraxen in Weiden und im Landkreis Neustadt/WN tun die Mitarbeiter, was sie können, um die Nachfrage nach Impfungen zu bedienen. Das macht sich positiv bemerkbar: In den vergangenen sieben Tagen wurden allein in den Impfzentren in Weiden, Vohenstrauß und Pressath fast doppelt so viele Erstimpfungen verabreicht wie in der Woche zuvor. Auch die Auffrischungsimpfungen ziehen weiter an. Doch nach wie vor sorgt die Rationierung des Impfstoffs von Biontech/Pfizer für Frust, und das Thema Wartezeiten scheint nicht ganz vom Tisch.

Von Letzterem kann Adolf Baumann ein Lied singen – allerdings mit heiserer Stimme. „Wir sind jetzt gegen Corona geschützt, aber meine Frau und ich haben eine Bronchitis“, erzählt der 83-jährige Weidener. Am 2. Dezember hatte das Ehepaar Termine zur Booster-Impfung im Impfzentrum und rieb sich bei der Ankunft die Augen: Vor ihm habe sich eine Schlange aus acht bis zehn Impfwilligen gebildet, die trotz Termin bereits eine dreiviertel Stunde in der Kälte ausharrten. „Wir haben gefroren wie die Schneider.“ Die Bronchitis sei eindeutig auf die einstündige Wartezeit im Freien zurückzuführen. Es sei nicht nachvollziehbar, warum es nicht möglich sei, einen warmen Wartebereich zur Verfügung zu stellen, so Baumann.

Frust über Impfstoff-Auswahl

Mit einem anderen Thema dagegen hatten er und seine Frau überhaupt kein Problem. Wie alle Über-30-Jährigen bekam das Ehepaar den Impfstoff von Moderna verabreicht und damit ein anderes Vakzin als zuvor. Zwar wäre ihm der Stoff von Biontech/Pfizer lieber gewesen, doch Bedenken hätten er und seine Frau nicht gehabt. Beide hätten die Booster-Impfung gut vertragen. Die Bronchitis sei unangenehmer.

Ganz anders reagiert beim Thema Kreuzimpfung Georg Miedel aus Neustadt am Kulm, der sich am Dienstag im Pressather Impfzentrum boostern ließ. „Ich bin bisher zwei Mal bei meinem Hausarzt mit Biontech geimpft worden. Ich bin 72 Jahre alt und gesundheitlich etwas vorbelastet“, so Miedel. „Mein Hausarzt wird schon wissen, warum er mir zwei Mal Biontech gespritzt hat.“ Deshalb habe er wieder diesen Impfstoff haben wollen. Dass er diesen nicht bekomme, habe er erst vor Ort erfahren. Deshalb sei er wieder gegangen und abends zurückgekehrt, in der Hoffnung, dass zum Feierabend vielleicht eine Dosis Biontech übrig sei.

„Ich habe gemotzt, aber die Leute können nix dafür“, weiß der Senior. Er wirft der Politik vor, ältere Menschen mit der Impfstoff-Verknappung zu hintergehen. Die Auffrischung mit Moderna habe er sich widerwillig verabreichen lassen, um seinen Teil für die Gemeinschaft beizutragen. „Wer Biontech rationiert, muss sich nicht wundern, wenn die Leute gehen“, findet er. Er ist am Mittwoch noch immer verärgert, den „falschen“ Impfstoff bekommen zu haben. Aber vertragen hat er ihn gut: „Mir tut der Hals weh, aber nicht so, dass ich es nicht ertragen könnte.“

Der Leiter des Weidener Impfzentrums Sebastian Seibert betont, „dass aufgrund der durch uns nicht zu verantwortenden Verknappung an Biontech-Impfstoff alle Personen über 30 Jahren pauschal erstmal – es sei denn, es bestehen ärztlich dokumentierte Kontraindikationen – mit dem Impfstoff von Moderna erst-, zweit und drittgeimpft werden“. Er erklärt auch, warum: „Dies ist schlichtweg notwendig, um auch den Unter-30-Jährigen weiterhin eine Impfung anbieten zu können, und um Terminvereinbarungen dieser Personengruppe so gut es geht aufrecht zu erhalten. Das ist uns bisher zu 100 Prozent gelungen.“ Man hielte sich damit ganz klar an die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (siehe Kasten).

Hersteller-Diskussion zweitrangig

„Der Impfstoff von Moderna ist für sich genommen und auch in Kombination mit anderen Impfstoffen mindestens genauso wirksam“, betont Seibert. Die Hersteller-Diskussion sei zweitrangig. „Das große Ziel sollte sein, möglichst viele Personen vor einem gravierenden Krankheitsverlauf mit Covid-19 zu bewahren.“ Die Ärzte leisteten viel Überzeugungsarbeit. „Wir haben pro Tag maximal zehn Personen, die eine Kehrtwende einlegen.“ Dennoch gebe es Menschen, die aggressiv auftreten und mit rechtlichen Schritten drohten. „Jedoch unsere Mitarbeiter anzuschreien oder mit Konsequenzen zu bedrohen, ändert an der Sachlage gar nichts“, findet er deutliche Worte. Aber er äußert auch Verständnis: „Wir verstehen den Unmut bis zu einem gewissen Grad.“ Er hoffe, dass sich die Situation entspanne. „Wir sind zudem sehr stolz, dass wir auch unter tatkräftiger Unterstützung der Kreisverwaltungsbehörden eine Gesamtimpfkapazität von mehr als 9000 Impfungen pro Woche anbieten können.“

Zurück zum Thema Wartezeit: „Die durchschnittliche Wartezeit beträgt 12 bis 15 Minuten, im schlechtesten Fall“, sagt Seibert. Pro Viertelstunde würden in Weiden 12 Personen eingeplant, in den Außenzentren 6. Die Wartezeit hänge von Faktoren wie der Einarbeitung neuer Mitarbeiter, dem Aufwand bei einem Wechsel der Impfstoff-Chargen und Verzögerungen wegen technischer Probleme ab. Nicht zuletzt binden Beratungen und das Fehlen von Unterlagen der Impfwilligen Kapazitäten. „Wir wollen jedem die Möglichkeit geben, Bedenken anzusprechen. Es handelt sich um einen medizinischen Eingriff, und darüber muss wohlüberlegt aufgeklärt werden.“ Seibert weist darauf hin, dass es reiche, fünf oder zehn Minuten vor dem Termin einzutreffen. Beheizte Warteräume stünden in allen Impfzentren zur Verfügung – allerdings nach der ersten Kontrolle am Eingang.

Die aktuellen Impfzahlen aus den drei Impfzentren:

  • Erstimpfungen: bislang 59 918, davon 702 in den vergangenen 7 Tagen (Vorwoche: 382)
  • Abschlussimpfungen: bislang 57 680, davon 536 in 7 Tagen (Vorwoche: 366)
  • Auffrischungen: insgesamt 14 642, davon 5477 in den vergangenen 7 Tagen (Vorwoche: 2975)

So wurde in den Arztpraxen geimpft:

  • Stadt Weiden: 25 372 Impfungen gesamt (Vorwoche: 24 013), davon 10 398 Erstimpfungen (Vorwoche: 10 326), Abschlussimpfungen: 11 160 (Vorwoche: 11 039), Auffrischungen: 3 814 (Vorwoche: 2648)
  • Landkreis Neustadt/WN: 55 982 gesamt (Vorwoche: 52 329), davon 21 744 Erstimpfungen (Vorwoche: 21 456), 23 639 Abschlussimpfungen (Vorwoche: 23 377), 10 599 Auffrischungen (Vorwoche: 7496).

So laufen die Auffrischungsimpfungen in der Oberpfalz

Amberg

Die aktuellen Corona-Zahlen der Oberpfalz

Weiden in der Oberpfalz
Service:

Das müssen Sie für Ihren Impftermin wissen

  • Die drei Impfzentren in Weiden, Pressath und Vohenstrauß haben jeden Tag geöffnet.
  • Öffnungszeiten: Montag bis Freitag jeweils 9 bis 22 Uhr, Samstag und Sonntag 9 bis 18 Uhr
  • Online-Terminvereinbarung zwingend erforderlich unter https://impfzentren.bayern/citizen
  • Impf-Sonderaktion im NOC freitags 13 bis 18 Uhr (mit Anmeldung über das genannte Portal)
  • Mitzubringen sind: Personalausweis, Impfnachweis, Impf-Dokumentation der letzten Impfungen, bei Unter-18-Jährigen eine von (soweit vorhanden) beiden Erziehungsberechtigten unterschriebene Einverständniserklärung
  • Menschen über 30 bekommen grundsätzlich den Impfstoff von Moderna (außer bei ärztlich bestätigter Kontraindikation), da die Ständige Impfkommission (Stiko) für jüngere Menschen ausschließlich den Impfstoff von Biontech/Pfizer empfiehlt.
  • Selten auftretende Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen wurden bei Menschen unter 30 nach der Impfung mit Spikevax (Moderna) häufiger beobachtet als nach Impfung mit Comirnaty (Biontech/Pfizer). Für Menschen ab 30 Jahren besteht laut Stiko nach der Impfung mit Spikevax kein erhöhtes Risiko.

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.