Weiden in der Oberpfalz
01.02.2022 - 10:29 Uhr
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Insolvenz während der Pandemie: Verbraucher mit den meisten Anträgen

Kein Geld, hohe Schulden. Die Folge: Insolvenz. Die Zahl der Privatinsolvenzen in Deutschland ist 2021 stark angestiegen, die der Unternehmen gesunken. Dr. Harald Schwartz, Fachanwalt für Insolvenzrecht in der Region liefert Gründe.

Eine Pleitewelle während der Coronapandemie? Nicht überraschend. Weniger Einnahmen, Ausgaben bleiben weitgehend gleich. Allerdings traf es in erster Linie nicht Unternehmen, sondern Privatleute. Vor allem im vergangenen Jahr haben viel mehr Menschen Insolvenz angemeldet als noch in den Jahren zuvor, meldet das Statistische Bundesamt. Die Zahl der Privatinsolvenzen in Deutschland hat sich beispielsweise im Oktober 2021 im Vergleich zu Oktober 2020 mehr als verdreifacht. Insgesamt trudelten zwischen Januar und Oktober 2021 über 86 000 Anträge ein. 2020 gab es im gesamten Jahr vergleichsweise nur knapp 60 000.

Auch in der Oberpfalz zeichnete sich ein Trend nach oben ab, wie das Bayerische Landesamt für Statistik mitteilt: Im Januar 2021 gab es über 60 private Anträge und damit knapp 15 Prozent mehr als noch im Januar 2020. Zahlen für das komplette Jahr 2021 liegen allerdings noch nicht vor.

Ist nur die Pandemie Schuld?

Gründe für die hohen Insolvenzzahlen auf privater Ebene sind auch pandemiebedingt, vermutet Dr. Harald Schwartz, Rechtsanwalt und Insolvenzverwalter, unter anderem in Amberg und Weiden. Kurzarbeit, Lohnausfälle und offene Rechnungen treiben mehr Menschen in die Pleite. Nicht jeder hatte vorher die Chance, genügend Geld anzusparen, um die Krisenzeiten sorglos zu überstehen. Zusammen mit steigenden Lebensmittel- und Benzinpreisen kommen viele dann nicht mehr um den Insolvenzantrag herum, so Schwartz. Die hohen Zahlen 2021 haben allerdings nicht nur mit Corona zu tun: Die sogenannte Restschuldbefreiung wurde im vergangenen Jahr nämlich von sechs auf drei Jahre verkürzt. Konkret heißt das, dass Privatpersonen ihre Schulden nur noch innerhalb von drei Jahren abbezahlen müssen. Was dann übrig bleibt, verfällt. Da diese Information bereits einige Zeit vorher angekündigt wurde, haben viele gewartet und ihre Anträge erst 2021 gestellt, meint Schwartz.

Weniger Unternehmen melden 2020 und 2021 Insolvenz an

Hingegen ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in den letzten beiden Jahren deutlich gesunken, trotz zweier harter Lockdowns. Allerdings ist das weniger dem Glück zuzuschreiben, sondern einer Sonderregelung, die während des ersten Lockdowns eingeführt wurde: Zwischen März 2020 und Ende 2020 waren Unternehmen von der sogenannten Insolvenzantragspflicht befreit. Das heißt, sie mussten sich nicht insolvent melden, obwohl sie Schulden aufbauten. Vorrausetzung war allerdings, dass die jeweiligen Firmen vor 2020 keine finanziellen Probleme hatten. Hilfspakete und Kurzarbeit der Mitarbeiter halfen einigen Unternehmen dann während dem Höhepunkt der Pandemie über die Runden zu kommen. Trotz Schulden gab es also Aussicht auf Besserung. Auch vermutet Schwartz, dass viele Gläubiger während der harten Lockdown-Phasen mehr Verständnis zeigten und somit die Zahlungsfristen für Firmen verlängerten. Die Sonderregelung wurde dann bis Mai 2021 verlängert, allerdings eingeschränkt.

Resümee und Ausblick in die Zukunft

Dr. Harald Schwartz erwartet in den kommenden Jahren einen rapiden Anstieg der Insolvenzanträge, auch auf unternehmerischer Seite. Eine erneute Sonderregelung wird es höchstwahrscheinlich nicht geben. Die aktuellen Probleme, wie Lieferengpässe, Inflation sowie steigende Energie- und Lebensmittelpreise, werden Firmen und Privatpersonen finanziell deutlich zu spüren bekommen, so Schwartz.

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