22.02.2021 - 17:54 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Internetbetrug: Das müssen Verbraucher beachten

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Wer im Internet bestellt, sollte wachsam sein. Das zeigen Betrugsfälle, in denen Polizisten in Weiden und Neustadt aktuell ermitteln. Die Polizei erklärt aber auch, woran betrügerische Angebote zu erkennen sind.

Kriminelle inserieren zum Beispiel bei Ebay oder Vinted, einer Plattform für gebrauchte Kleidung. Die Käufer erhalten in vielen Betrugsfällen ihre Ware nicht. Betrugsopfer gibt es auch viele in Weiden und im Kreis Neustadt.
von Susanne Forster Kontakt Profil

Was ein Wäschetrockner und Internetkriminalität miteinander zu tun haben? Mitunter viel. Denn ein Mann aus dem Bereich der Polizeiinspektion Neustadt ist einem Kriminellen im Netz in die Falle gegangen, als er im Internet einen Wäschetrockner und einen Geschirrspüler zu günstigen Preisen bestellte. Nachdem er das Geld für die Haushaltsgeräte auf ein ausländisches Konto überwiesen hatte, brach der Kontakt zum Anbieter ab. Als das Opfer die im Impressum angegebene Telefonnummer anrief, meldete sich ein Sexshop. Von dort hieß es, der Betrüger habe die Nummer schon häufiger missbräuchlich genutzt. Sprich: Der Besteller aus dem Landkreis Neustadt war auf einen Fake-Shop hereingefallen, sein Geld sah er nie wieder. Die Ermittlungen der Polizeiinspektion Neustadt waren ergebnislos.

Das raten Experten der Polizei

Der Fall zeigt: Im Internet zu bestellen, geht schnell und einfach. Doch es ist Vorsicht geboten. Nicht immer kommt die bestellte Ware an. Gerade im Lockdown werde aber Vieles online bestellt, sagt Hermann Weiß, Leiter der Polizeiinspektion Neustadt. Internetbetrugsfälle sind bei den Polizeiinspektionen in Stadt und Landkreis ein präsentes Thema. Sowohl in Weiden als auch in Neustadt gibt es eigens Experten für solche Angelegenheiten.

Oft würden Mobiltelefone oder Computerspiele im Internet zu marktuntypischen Preisen gehandelt: Die Käufer vermuten ein Schnäppchen, schlagen zu und gehen Betrügern auf den Leim, weiß Georg Fritsch, stellvertretender Dienststellenleiter in Neustadt. Bei seiner Dienststelle seien heuer bisher 11 Internetbetrugsfälle angezeigt worden (2020 insgesamt 58 Fälle, 2019: 48 Fälle). Die Leute fielen sowohl auf private Anbieter oder auch auf Fake-Shops herein.

Betrug bei Online-Autokauf

Opfer von Betrügern wurde etwa auch eine Frau, die über ein Online-Fahrzeugverkaufsportal ein Auto kaufte. Sie überwies dem Betrüger knapp 2000 Euro über einen Geldtransferdienst, schildert die Polizei Neustadt. Käuferin und Täter hätten zudem E-Mail-Adressen ausgetauscht. Als das Geld beim vermeintlichen Verkäufer angekommen war, sei der Kontakt allerdings abgebrochen. Ihr Fahrzeug habe die Frau nie erhalten. Die Polizei überprüfte die E-Mail-Adresse des Betrügers: Er hatte mit gefälschten Personalien gearbeitet. Seine angegebene Wohnadresse führte zu einer evangelischen Kirche in einer deutschen Großstadt. Die Ermittlungen laufen.

Vorsicht vor Auktionsplattformen

Meist liefen die betrügerischen Geschäfte auf Auktionsplattformen wie Ebay, Ebay-Kleinanzeigen oder dem Second-Hand-Portal Vinted (ehemals Kleiderkreisel), erklärt Mario Schieder von der Polizei Weiden. Die Dienststelle registrierte die meisten Fälle zu Ebay-Kleinanzeigen. Dort bezahlten Käufer etwa per Paypal-Freunde oder Amazon-Gutscheinkarten, zwei unsichere Zahlungswege. In mehr als der Hälfte der Fälle liefen Geschäfte über private Verkäufer-Accounts. Es sei immer die gleiche Masche: Der Käufer bestellt und bezahlt, erhält aber keine Ware. Aber Achtung: Auf den Portalen gebe es auch Fake-Shops.

Ware kommt nicht an

Bei der Weidener Polizei wurden seit Januar 100 Internetbetrügereien angezeigt. 2020 waren es im gleichen Zeitraum 20 Anzeigen mehr. Schieder meint, Corona habe an der Zahl der Betrugsfälle nicht viel geändert. Die Leute wären vermutlich sogar kritischer und hätten mehr Zeit, sich über Anbieter zu informieren. Und das ist auch gut so. Lassen sich doch dann mehr dieser Fälle vermeiden: Auf Ebay-Kleinanzeigen kaufte kürzlich ein Mann aus Weiden ein Paar Marken-Sportschuhe für 200 Euro. Den Betrag überwies er per Paypal an den vermeintlichen Verkäufer. Doch die Schuhe wurden nie geliefert, auch die angegebene Anbieteradresse war gefälscht. Mehrere Aufforderungen, die Ware zu liefern, waren zwecklos. Auch hier ermittelt die Polizei Weiden wegen Betrugs.

Anbieter genau prüfen

Deshalb betont Mario Schieder von der Polizei Weiden erneut: Es ist stets ratsam, sich ein Bild über den Anbieter zu machen. "Ein kleines Kriterium, das man aber nicht überbewerten sollte", seien Kundenbewertungen. Allerdings spreche eine hohe Zahl an Rezensionen nicht automatisch für die Seriosität eines Anbieters. Sie könnten etwa von einer beauftragten Agentur kommen. Nutzerdaten sollten also immer genau überprüft, etwa gegoogelt werden. Es könne sein, dass in Foren vor Betrügern gewarnt wird.

Broschüre der Polizei Bayern mit Tipps im Umgang mit Internetkriminalität

https://www.polizei.bayern.de/content/5/7/0/6/4/brosch__re_internetkrimi...

Mehr Cyber-Kriminalität im Lockdown - die Eschenbacher Polizei gibt Tipps

Eschenbach

Wie man sich vor Cyber-Angreifen schützen kann

Weiden in der Oberpfalz

Broschüre der Polizei Bayern mit Tipps im Umgang mit Internetkriminalität

Info:

Vor Internetbetrügern schützen

  • Bevor Ware bezahlt wird, über den Anbieter informieren, zum Beispiel über Google. E-Mail-Adresse überprüfen: Taucht dieselbe Adresse bei mehreren Anbietern auf, sollte man stutzig werden
  • Recherchieren, ob der Anbieter seriös ist. Auf vollständig angegebenes Impressum achten
  • Bewertungen lesen, auf realistische Preise der Waren achten - sehr günstige Preise sind verdächtig
  • Viele Rechtschreibfehler auf einer Internetseite deuten auf unseriöse Anbieter hin
  • Auf https://www... in der Adresszeile achten
  • Der Käufer sollte sichere Zahlungsweisen nutzen (Paypal-Waren und Dienstleistungen, Kreditkarte) oder persönlich die Ware gegen Geld abholen
  • Käuferschutz nutzen (gibt es etwa bei Ebay)
  • Transaktionen über Paypal Freunde bergen hohes Risiko, besser vermeiden

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