18.02.2020 - 13:41 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Jürgen Mistol (Grüne) fordert: Oberpfalz-Porzellan ins Hofbräuhaus

Nein, ein Tofu-Grüner ist Jürgen Mistol nicht. Der aus Regensburg stammende Parlamentarische Geschäftsführer der Landtagsfraktion mag zwischendurch gern mal deftige Kost. Manchmal vermisst er dabei aber Oberpfälzer Porzellan.

Das Schwabinger Fischessen im Hofbräuhaus zählt zu den bekanntesten CSU-Veranstaltungen in München. Dass Matjes und Kartoffeln auf arabischen Teller serviert werden, gefällt aber im Landtag nicht allen.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

So wie am Zweiten Weihnachtsfeiertag im Münchner Hofbräuhaus.

Als Oberpfälzer, der auch in Weiden ein Büro unterhält und einen Lebensgefährten aus dem Landkreis Neustadt hat, hat er sich in Gasthäusern schon seit geraumer Zeit den Porzellinergriff angewöhnt - sprich den prüfenden Blick unter den leeren Teller, wo denn das Geschirr herkommt, von dem man gleich isst. Im Hofbräuhaus endete dieses Ritual in einer Enttäuschung. Der Bodenstempel wies die Teller und Tassen als Wüstensöhne der Vereinigten Arabischen Emirate aus - ausgerechnet in Bayerns im Ausland meistbekannten Gastro-Mythos mit täglich bis zu 35 000 Besuchern, der dem Freistaat jährlich Einnahmen in zweistelliger Millionenhöhe in die Kassen spült.

Kann nicht sein, sagt Mistol: "Das Hofbräuhaus ist doch die Visitenkarte der bayerischen Gemütlichkeit schlechthin. Und dort gibt es kein einheimisches Porzellan." Dabei beherberge seine Oberpfalz Hersteller wie BHS Tabletop, die auf dem Weltmarkt einen hervorragenden Ruf als Gastronomielieferanten genießen.

So weit, so kurios: Der Abgeordnete ließ nicht locker und stellte Ende Januar eine Anfrage an die Staatsregierung: Wie hält sie es in einem Staatsbetrieb wie dem Hofbräuhaus mit der Nachhaltigkeit, und inwiefern lässt sie bei Beschaffung von Lebensmitteln und Geschirr Regionalität walten?

Die Antwort des Finanzministeriums liegt seit wenigen Tagen vor. Es bittet, zwischen dem Staatsbetrieb Hofbräuhaus-Brauerei in München und dem Gasthaus "Hofbräuhaus am Platzl" zu unterscheiden. In ersterem gelte eine Umwelterklärung und nachhaltige Unternehmensführung. So müssten alle Rohstoffe zur Bierherstellung aus Bayern bezogen werden.

Anders im Gasthaus: Das sei verpachtet. Der Pächter achte beim Einkauf von Fleisch, Mehl, Gemüse und Kartoffeln zwar auf Regionalität sowie auf wiederverwertbare Verpackungen, beim Porzellan habe er sich aber anders entschieden. Der Grund: "Das aktuell verwendete Geschirr hat sich aufgrund einer besonders hohen Brenntemperatur durch eine deutlich höhere Strapazierfähigkeit bewährt."

Strapazierfähiger als das Traditionsporzellan aus der Oberpfalz und Oberfranken, das in Edelrestaurants und Großküchen auf allen Erteilen zum Einsatz kommt? Mistol kann sich das kaum vorstellen. "Man kann regionales Geschirr auch in einen Pachtvertrag hineinschreiben", schlägt er vor.

Damit hat er zumindest in der Landeshauptstadt schon mal einen Nerv getroffen. Die Münchner Ausgabe der Bild-Zeitung widmete dem Teller-Tamtam im Hofbräuhaus am vergangenen Wochenende immerhin eine Drittelseite.

Jürgen Mistol (Grüne) wünscht sich oberpfälzisches Porzellan fürs Hofbräuhaus.

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