26.02.2021 - 11:06 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Junge Weidener inspirieren Zigtausende bei Instagram: Leben wie im Einrichtungs-Katalog

René Lang ist nie fertig. Der 27-jährige Weidener inspiriert mit seinen permanenten Umbauten in seinem zwei Jahre alten Neubau über 30.000 Menschen bei Instagram. Das zahlt sich inzwischen aus.

Sabrina und René Lang, hier mit Töchterchen Leonie, wohnen seit zwei Jahren in einem Neubau in Weiden. In ihrem Instagram-Kanal "Eiche_Holz_Interior" zeigen sie ihren über 30.000 Abonnenten Einrichtungs-Ideen. An dieser Reichweite sind auch Sponsoren interessiert.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

Im Dezember 2018 sind René Lang und seine Frau Sabrina Lang in ihr neu gebautes Eigenheim in der Professor-Zintl-Straße gezogen. Es dauerte nicht lange, bis der 27-Jährige Wände heraus riss, neue Farbe und Lasur an neu hochgezogene Wände pinselte, Möbelstücke austauschte oder an neue Plätze rückte, die Küche optisch veränderte. Kürzlich verlegte er bereits zum zweiten Mal den Boden im Erdgeschoss neu. „Wir haben das Haus als fertig geplantes Objekt gekauft“, erklärt er. Es sei kaum möglich gewesen, eigene Wünsche einzubringen. Also setzt der IT-Projektleiter bei Witron seine Ideen seit dem Einzug nach und nach um. Alle Veränderungen an der 131 Quadratmeter großen Wohnfläche dokumentiert er in seinem Kanal „Eiche_Holz_Interior“ auf der Foto- und Video-Plattform Instagram. Mehr als 30 000 Abonnenten folgen ihm dabei. Das zahlt sich aus: Für eine solche Reichweite interessieren sich auch Sponsoren. „Wir kriegen so ziemlich alles gesponsert“, sagt der Influencer. Während des Rundgangs durchs Haus liefert der Postbote neue Pakete.

Zwischen Natur und Industrie

Seinen Einrichtungsstil nennt Lang „Natural Industrial“ – eine kontrastreiche Kombination aus Eichenholz und dunkler, maskuliner Optik, oft aus schwarzem Metall oder grauem Beton. René Lang und seine Frau, die er 2012 kennengelernt und vor drei Jahren geheiratet hat, fahren gerne zum Wandern nach Österreich. Künftig kommt wohl Töchterchen Leonie (fünf Monate) mit. „Wir wollten das Naturgefühl nach Hause holen“, so der 27-Jährige, der beruflich auch viel Zeit in Skandinavien verbringt. Er verbaute Eichenholz im Haus und vertäfelte Wände. „Das habe ich mir in Hotels in den Bergen abgeschaut“, erklärt er.

Im Erdgeschoss hat er eine Holzwand eingezogen, in der sich eine geheime Tür befindet. Für ihn ein „absolutes Highlight“. Die von außen kaum sichtbare Tür führt in einen „Raum für Unordnung“: Dort lagern Jacken und Schuhe – also alles, was im Eingang unordentlich aussähe. Die Küchenfront in Holzoptik hat Lang nachträglich verändert, da sie nicht mehr zur neuen hölzernen Wand passte. Der junge Vater folierte die Fronten kurzerhand in mattem Schwarz. „Ich habe viel Feedback darauf bekommen, dass man ein Möbelstück folieren kann“, erzählt er. Die „neue“ Küche habe ihn 30 Euro gekostet.

Bezahlte Werbung

Im vergangenen Jahr sei sein Instagram-Kanal regelrecht explodiert. „Ich habe im Juli ein Kleingewerbe angemeldet“, erzählt er. Zu seinen Sponsoren gehörten bekannte Firmen, aber auch kleine Unternehmen wie ein Blumenladen aus der Oberpfalz. Mittlerweile müsse er Angebote filtern. Die Einnahmen möchte er nicht beziffern. „Es ist schon ordentlich. Als hätten wir beide einen Nebenjob.“ Einen Hauptberuf wolle er aber nicht daraus machen. In der Regel laufe es so: Lang entwickelt ein Konzept zu einem Angebot. Sagt es dem Sponsor zu, bekommt Lang das Produkt – dies kann alles sein, von der Kerze über Fliesen bis zum Möbelstück – und zusätzlich eine Bezahlung für dessen Präsentation. Für diese gibt es verschiedene Möglichkeiten, zum Beispiel ein Foto auf seinem Kanal, eine kommentierte Video-Story, ein Zeitraffer-Video, Abstimmungen oder Gewinnspiele – je nach Entgelt. Der Aufwand betrage zwischen zehn Minuten und zwei Tagen pro Produkt. Dabei könne er auch durchaus Kritik an den beworbenen Dingen üben.

Beim Spazierengehen erkannt

Zwei bis vier Mal pro Monat veröffentliche er solche Werbebeiträge. Hinzu kommen tägliche Beiträge mit eigenen Anregungen, die Dutzende Kommentare und Nachrichten auslösen. Um diese kümmert er sich zusammen mit seiner Frau, die bei der Bundeswehr angestellt, aber derzeit in Elternzeit ist und seine Aktivitäten voll unterstützt. „Man muss schon änderungsfreudig sein und immer wieder etwas spannendes machen“, sagt der 27-Jährige, der schon beim Spazierengehen und von einer Verkäuferin in einem Weidener Einrichtungshaus erkannt worden ist. Die Rückmeldungen würden ihn motivieren. „Es ist ein schönes Gefühl, zu inspirieren und Mut weiterzugeben“, sagt der gebürtige Tännesberger. Er wolle zudem zeigen, dass sich auch ein Mann mit dem Thema Einrichtung beschäftigen kann. Selbst zu sehen ist Lang normalerweise nur in seinen Videos, nicht auf den Fotos. „Die Fotos sollen andere zum Thema Einrichtung inspirieren. Ob ich da mit drauf hocke oder nicht ... Die Leute sollen ja nicht sagen ,So einen Bart will ich auch haben‘.“

Ideen gehen dem Weidener bislang nicht aus. Im Gegenteil: „Die Außenanlage ist das nächste Projekt und ein großes Thema in den nächsten Jahren“, kündigt er an. Mehr wolle er nicht verraten. Die Verhandlungen mit interessierten Sponsoren liefen noch.

Etzenrichter Traumhaus als Titelstory in Zeitschrift

Etzenricht

Zum Instagram-Kanal Eiche_Holz_Interior

Hintergrund:

Einrichtungs-Tipps von René Lang

  • Inspiration: Bilder auf Online-Plattformen wie Instagram und Pinterest können inspirieren. Apps für Fotomontagen helfen beim Planen von Böden, Wänden, Garten oder ganzen Räumen. Wichtig sei ein roter Faden, so René Lang.
  • Unordnung auslagern: „Die schönste Küche schaut nicht schön aus, wenn Kaffeemaschine und andere Geräte herumstehen“, findet er. Seine Geräte befinden sich in abgetrennten Räumen, damit es ordentlich aussieht.
  • Loslassen: Lang rät, nicht an Dingen festzuhalten, die nicht gefallen. „Wenn eine alte Vase nicht gefällt, sollte man nicht drumherum dekorieren, um sie zu behalten.“ Alternative: Gegenstände neu in Szene setzen, indem man sie foliert oder mit neuer Farbe besprüht.
  • Farbwahl: „Wer sich nichts traut, der hat weiß“, so Lang. Er plädiert für Mut bei der Farbwahl, aber auch dafür, nicht zu viel zu mixen.
  • Räumliche Tiefe: „Spiegel schaffen Tiefe. So kann man aus einem kleinen Raum einen großen machen.“
  • Details: Kleinigkeiten können viel bewirken. Im Hause Lang ersetzen beispielsweise schwarze Lichtschalter bald die bisher weißen Schalter.
  • Geld: „Wenn einem das Ergebnis gefällt, vergisst man, was es gekostet hat“, meint Lang. Im minimalistischen, skandinavischen Einrichtungsstil könne man aber auch für wenig Geld dekorieren.

 

 

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