22.08.2019 - 16:43 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Junger Brauer aus Weiden arbeitet auf Aida-Kreuzfahrtschiff

Ein Brauer auf hoher See: Was ungewöhnlich klingt, ist es auch. Seit 2018 arbeitet Markus Eismann aus Weiden als Brauer bei Aida. Im Offiziersrang ist der 24-Jährige auf Kreuzfahrtschiffen Chef einer Hochseebrauerei – und erlebt viel.

Bei Partys werden an Bord bis zu 500 Liter Bier getrunken, erzählt Schiffsbraumeister Markus Eismann. Um den Durst der Passagiere zu stillen, setzt der gebürtige Neustädter zwei bis vier Sude pro Woche an. Hier sieht man Eismann bei der Verkostung in der Schiffsbrauerei auf Deck 10.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

"Wir fahren gerade einen norwegischen Fjord entlang, es kann sein, dass gleich die Verbindung abreißt." Markus Eismann zu erreichen, ist schwierig. Denn der Weidener ist seit Juni 2018 beim Kreuzfahrtunternehmen Aida Cruises angestellt und meistens auf den Weltmeeren unterwegs. An Bord der Kreuzfahrtschiffe arbeitet er als Braumeister und besitzt Offizierstatus. Doch wie kam der Oberpfälzer dazu? Denn, wie er selbst sagt: "Die Bayern sind bekanntlich ja nicht so die Seefahrer."

Weil sein Onkel die Brauerei Eismann in Altenstadt/WN betreibt, war der Neffe schon früh mit Hopfen und Malz in Kontakt. Nach dem Abitur 2013 lernte der gebürtiger Neustädter Brauer und Mälzer bei Püttner Bräu in Schlammersdorf. Es folgten zwei Jahre als Geselle beim Weidener Bräuwirt, ehe ihn die Reiselust packte. "Ich habe schon auf der Berufsschule angefangen, in Deutschland und Europa umherzureisen."

13.000 Liter fassen die Tanks der Schiffsbrauerei. Für die Passagiere hält Eismann immer drei Sorten verfügbar: Neben einem hellen Zwickel gehört dazu ein Höfels-Altbier sowie ein Saisonbier, das der Braumeister frei auswählt. Auch Weihnachtsfest- oder Bockbier gehörte schon dazu.

"Aidasol" suchte Brauer

Als ihm der Kontinent zu klein wurde, ging Eismann 2018 für drei Monate nach Neuseeland. Zwar war er dort als Tourist unterwegs, doch selbst auf dem Inselstaat besichtigte er Brauereien. "Ich wollte die Welt kennen lernen und sehen, wie anderswo gearbeitet wird." Beim Blättern in einem Fachmagazin stieß er schließlich auf ein Stellenangebot von Aida: "Die haben einen Brauer für die Aida Sol gesucht. Ich hab´ mich einfach spontan beworben, weil mich das gereizt hat – und es hat geklappt."

Über ein Jahr ist es nun her, seit Eismann begann, als Brauer an Bord der Meereskreuzer in See zu stechen. Nachdem er zuerst, eingesetzt auf der "Aidasol", die norwegische Küste entlang bis nach Spitzbergen und zum Nordkap fuhr, wechselte er Anfang 2019 auf das Schwesterschiff "Aidablu". "Ich bin im Januar auf den Seychellen zugestiegen. Wir waren dann im Indischen Ozean unterwegs und ankerten in Madagaskar, das war beeindruckend."

Nach einem zweimonatigen Heimaturlaub in Weiden ist der Brauer nun seit Juli wieder zurück auf der "Aidasol". Von Hamburg aus führte die Reise ins europäischen Nordmeer. "Wir sind gerade in der Nähe von Alesund, nächste Station ist Eidfjord. Und ab September kreuzen wir im Mittelmeer", beschreibt Eismann die Route.

Vier Monate am Stück sind die rund 600 Besatzungsmitglieder mit dem Schiff unterwegs, bevor Urlaub ansteht. Wochenende und freie Tage gibt es nicht, dennoch bleibt zwischen der Arbeit immer wieder Zeit für Privates - wie hier bei der Produktverkostung auf einem Ausleger.

Vier Monate auf See

Das Leben an Bord ist für die Besatzung kein Urlaub. Erst nach vier Monaten Arbeit am Schiff gibt es frei, dann jedoch acht Wochen am Stück. Und als Teil der Offiziersriege genießt Eismann Privilegien. "Ich habe eine eigene Koje, circa fünf Quadratmeter groß mit Bullauge. Also immerhin Tageslicht." Toilette und Dusche teilt er sich mit dem Zimmernachbarn.

Über 600 Mann Besatzung und knapp 2200 Passagiere passen auf die "Aidasol" mit ihren 15 Decks. Als Brauer ist der Weidener für die Bierversorgung der Urlauber zuständig – in einer eigenen Bordbrauerei auf Deck 10. "Ich arbeite in einer Showbrauerei, die gehört zu einem Restaurant. Das heißt, die Gäste können mir während dem Essen oder beim Sitzen an der Bar direkt zuschauen, wie ich einen Sud ansetze." Auch Brauseminare mit einer "Produktverkostung" bietet der Oberpfälzer an.

Wegen Stabilisatoren am Rumpf ist brauen an Bord auch bei rauer See möglich, sagt Markus Eismann. "Nur bei Sturm mit sieben Meter hohen Wellen, da braue ich natürlich nicht mehr. Aber alle Tanks sind verschlossen, es kann nichts überschwappen."

500 Liter Bier für Partys

Je nach Konsum der Urlauber ist Eismann bis zu zehn Stunden täglich im Einsatz. "Ich braue zwei bis viermal in der Woche. 200 bis 300 Liter pro Tag werden im Schnitt getrunken – außer bei Partys. Da gehen schon mal 500 Liter weg." Der junge Offizier ist dabei etwas freier als seine deutschen Kollegen in der Heimat. "Wir sind hier in internationalen Gewässern unterwegs, deshalb gibt es Ausnahmen, was das Reinheitsgebot betrifft. Beim Saisonbier kann ich mich auch mal ausprobieren."

Vorgabe ist, immer drei Biere verfügbar zu halten. "Unser Dauerbrenner an Bord ist das Zwickel-Bier, ein Helles. Ich mache aber auch Hövels-Bier von Radeberger und ein Saisonbier nach Wahl. Das darf ich auch ohne Reinheitsgebot brauen." Über Weihnachstfestbier, Winterbock und Export bis hin zu Pils oder einem Märzen sei bei seinen Eigenkreationen schon alles dabei gewesen, erzählt Eismann.

Reinigen der Tanks, Fässer schlichten, Helfen beim Ausschenken - neben dem Brauen selbst ist Markus Eismann viel beschäftigt. "Wenn ich nach vier Monaten an Bord 'absteige', freue ich mich auf Weiden umso mehr", sagt der Oberpfälzer.

Sieben Meter hohe Wellen

Neben der Brautätigkeit kommt das Schlichten von Fäßern, die Reinigung der Tanks oder Hilfe beim Ausschenken hinzu. Und was passiert bei Sturm? Auch bei starkem Seegang blieben die Gäste nicht unversorgt, beruhigt der Hochseebrauer: "Wir haben Stabilisatoren am Rumpf, das Schiff schwankt deshalb nur selten. Wenn die Wellen sieben Meter hoch sind, dann kann es natürlich schon mal wackeln. An solchen Tagen braue ich nicht. Aber unsere Tanks fassen 13.000 Liter, es gibt also immer genügend Reserven. Zudem ist alles mit Deckeln verschlossen, es kann nichts rausschwappen." Aus Sicherheitsgründen gibt es auch keine Flaschen an Bord. "Alles kommt frisch aus dem Zapfhahn", erklärt Eismann.

Besondere Momente gibt es viele. "Wir dürfen auch als Mitarbeiter jederzeit das Schiff verlassen. Auf den Seychellen haben wir beim Landgang das Nachtleben genossen. Ein anderes Mal sind wir früh morgens raus an den Strand zum Baden, bei 35 Grad." In Erinnerung ist ihm auch ein gemeinsamer Ausflug mit dem deutschen Kapitän der "Aidasol" geblieben: "Einmal bin ich mit ihm auf dem Rettungsboot zum Angeln rausgefahren, das war ein Highlight."

Auf der "Aidasol" kümmern sich über 600 Besatzungsmitglieder um bis zu 2200 Passagiere. Das dieselbetriebene Schiff lief 2011 in Papenburg vom Stapel und bringt es mit seinen 71.000 Bruttoregistertonnen auf bis zu 22 Knoten Höchstgeschwindigkeit.

Besatzung als Familie

Natürlich müsse man sich umgekehrt an Bord auch anpassen. Trotz der überwiegend deutschen Gäste ist die Besatzung international und die Bordsprache Englisch. "Wir haben hier Leute aus Russland und Sri Lanka, auch Ukrainer, Tschechen, Philippiner sind dabei. Da ist man als Bayer schon eine Ausnahme." Mit den Österreichern würde er sich deshalb "sehr gut verstehen", sagt Eismann und lacht. "Wenn man die reden hört, fühlt man sich fast schon wie daheim."

Sehnsucht nach zu Hause hat der Weidener trotz der langen Zeiten auf See nicht. "Die Besatzung ist wie eine Familie, ich habe viele Freundschaften geschlossen, und per Internet sind wir ja mit der Heimat bestens verbunden." Eine Beziehung könne sich Eismann dennoch kaum vorstellen. "Wir Seemänner sind einfach ständig unterwegs, da ist das schwierig."

Selbständig in Altenstadt?

Doch welche Pläne hat der junge Oberpfälzer für die Zukunft? Er selbst bezeichnet sich als "Weltenbummler" und sagt: "Ich lasse alles auf mich zukommen und mache so lange weiter, wie es mir gefällt." Der Oberpfälzer Heimat gänzlich abhanden gekommen scheint Eismann dennoch nicht zu sein. "Irgendwann will ich mich mal selbständig machen. Vielleicht kann ich dann auch mit dem Onkel zusammenarbeiten", sagt er mit Blick auf dessen Kleinbrauerei in Altenstadt.

Die Bayern sind ja bekanntlich nicht so die Seefahrer

Markus Eismann (24)

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