24.06.2021 - 18:02 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kaum Johannisfeuer am Wochenende

In diesen Tagen könnten wieder Johannisfeuer lodern. Und tatsächlich: Eine Handvoll Vereine in Weiden und im Landkreis Neustadt/WN halten an dem Brauch fest – mit Einschränkungen und Auflagen.

Zuletzt loderte das Johannisfeuer in Altenstadt bei Vohenstrauß im Jahr 2019.
von Katrin Pasieka-Zapf Kontakt Profil

Rund um den Johannistag, 24. Juni, entflammen allerorts die traditionellen Johannisfeuer. Zumindest war das bis 2019 so. Durch die Pandemie mussten im vergangenen Jahr alle öffentlichen Feuer entfallen. Heuer sind Johannisfeuer wieder möglich, allerdings verbunden mit Corona-Auflagen. Viele Vereine verzichten deshalb ganz auf eine Veranstaltung.

Zur Tradition sollte das Johannisfeuer des VfB Weiden werden. Vor zwei Jahren loderte es das erste Mal. „Die Veranstaltung war ein voller Erfolg“, blickt Vorsitzender Stephan Gollwitzer zurück. Nach einem Jahr Zwangspause freut er sich, dass es nun am Samstag, 26. Juni, eine Möglichkeit gibt, die Veranstaltung auf der Anlage in Weiden-West durchzuführen. Um die Organisation kümmert sich auch Ilona Würdinger. Für sie war schnell klar: „Wenn die Auflagen erfüllbar sind, findet das Johannisfeuer statt. Jeder Gast bekommt einen Tisch zugewiesen.“ Wer aufsteht und sich auf dem Gelände bewegt, muss eine Maske tragen. „Es ist nicht so, wie man es gerne hätte, aber besser als gar nichts.“

Ablauf entscheidet über Gästezahl

Gegen ein Johannisfeuer hat sich die Feuerwehr Altenstadt bei Vohenstrauß entschieden. „Der Aufwand und die Auflagen sind für uns zu hoch“, sagt Klaus Rupprecht, Kommandant der Feuerwehr Altenstadt. Um die Gästezahl kontrollieren zu können, müsste das Gelände eingezäunt werden. Für 100 Menschen lohnt sich der Aufwand einfach nicht. „Wegschicken wollen wir keinen.“ Vor Corona besuchten 500 bis 600 Menschen das Johannisfeuer, das neben dem Bockl-Radweg abgebrannt wurde.

Wie ein Sonnwendfeuer unter Pandemiebedingungen aussehen kann, erklärt der Sprecher der Stadt Weiden, Norbert Schmieglitz. Dabei gilt es je nach geplantem Veranstaltungsablauf zu unterscheiden, ob es sich beim Johannisfeuer um eine öffentliche Veranstaltung aus besonderem Anlass oder um eine kulturelle Veranstaltung im Sinne der Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung handelt. Das hat besonders für die Teilnehmerzahl Konsequenzen: Bei einer öffentlichen Veranstaltung sind unter freiem Himmel maximal 100 Personen zulässig, die einem klar begrenzten und geladenem Personenkreis angehören. Feste Sitzplätze sind nicht zwingend nötig. Wird ein Sonnwendfeuer als kulturelle Veranstaltung angemeldet, sind maximal 500 Besucher mit festen Sitzplätzen erlaubt. Der Mindestabstand (1,50 Meter) muss eingehalten werden, es werden ein Schutz- und Hygienekonzept sowie die Kontaktdatenerfassung benötigt.

Anzeige beim Ordnungsamt

250 Gäste zählte das letzte öffentliche Johannisfeuer der Pfadfinder „Waldläufer“ aus Grafenwöhr 2019. Seit rund 30 Jahren richten sie es aus, kein einziges Mal wurde es abgesagt. „Heuer wird das Feuer allerdings nur im engsten Kreis abgebrannt“, sagt Stammesführer Lukas Zellner. Für eine öffentliche Veranstaltung habe die Vorbereitungszeit nicht gereicht, zudem sei es vor Ort Am Birka schwierig, die Personenzahl zu überwachen.

Für Johannis- und Sonnwendfeuer gab es bereits vor der Pandemie Regeln: „Sie müssen beim zuständigen Ordnungsamt angezeigt werden“, sagt Stadtsprecher Schmieglitz. Neben dem VfB Weiden hat auch die Feuerwehr Mallersricht ein Feuer angezeigt: am Samstag auf der Anhöhe Richtung Trippach.

Noch im Gespräch mit dem Ordnungsamt ist der Weidener Stammtisch „Höhe 308“. Er möchte am 3. Juli ein Johannisfeuer hinter der Pfarrkirche St. Johannis abbrennen. „Die Mitglieder sind auf mich zugekommen“, erklärt Vorsitzender Max Schmöller. Er rechnet mit 50 Besuchern. Ob das Feuer stattfinden kann, wird sich kurzfristig entscheiden.

Neun Feuer im Landkreis

Die Anzeige eines Johannisfeuers dient in erster Linie der Information. Wann, wo und durch wen wird ein Feuer abgebrannt? Nach der Anzeige beim Ordnungsamt, werden die Feuerwehr, Polizei und Integrierte Leitstelle informiert. Bis Donnerstagnachmittag wurden der Integrierten Leitstelle Nordoberpfalz (ILS) 11 Johannisfeuer im Landkreis Neustadt/WN und in Weiden gemeldet. „Vor Corona waren es zwischen 80 und 100“, sagt Jürgen Meyer, Leiter des ILS. Im Kreis Neustadt/WN sind es 9 Feuer, unter anderem in den Gemeinden Floß, Luhe-Wildenau, Mantel, Tännesberg, Neustadt/WN, Moosbach und Tännesberg.

Eine Genehmigungspflicht besteht nur, wenn das Feuer im Wald oder in einem bestimmten Abstand zu Wäldern abgebrannt wird. Zu beachten ist auch die Trockenheit und die damit verbundene Waldbrandgefahr. In Weiden gilt derzeit (Stand 22. Juni) die Waldbrandstufe 1 von 5. Das heißt: „Aus Sicht der Brandverhütung dürfen für die Umgebung keine Brandgefahren entstehen“, sagt der Stadtsprecher. Bei starkem Wind darf kein Feuer abgebrannt werden. Beim Verlassen der Feuerstelle müssen immer Feuer und Glut vollständig erloschen sein.

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Wie schon im vergangenen Jahr werden die Pfadfinder aus Grafenwöhr ihr Johannisfeuer im kleinsten Kreis abbrennen.
Hintergrund:

Darum gibt es das Johannisfeuer

  • Am 24. Juni gedenken Christen der Geburt Johannes des Täufers.
  • Das christliche Johannisfest wurde mit alten germanischen und keltischen Bräuchen wie dem Sonnwendfeuer vermischt.
  • Johannisfeuer heißen auch Sonnen- oder Sonnwendfeuer.
  • Auf diesen Termin fallen die kürzeste Nacht und der längste Tag des Jahres
  • Der Volksglaube hält die Flammen für eine effektive Methode der Dämonenabwehr. Unter anderem sollen sie vor Hagel und Krankheit schützen.

 

 

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