22.01.2019 - 15:04 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Keine Bewährung für Kassiererin

Ein Sozialverband bittet um Spenden für einen guten Zweck. Die Kassiererin behält die vom Ortsverband gesammelte Summe und versucht, eine Straftat vorzutäuschen. Auf Bewährung hofft die 57-Jährige vor Gericht nun vergebens.

Symbolbild.
von Autor hczProfil

„Helft Wunden heilen“, lautete das Motto einer Sammelaktion. Eine 56-Jährige aus dem Landkreis Tirschenreuth heilte lieber ihre eigene Haushaltskasse. Die damalige Kassiererin einer Ortsgruppe eines Sozialverbands erhielt von Sammlern 1570,70 Euro Bargeld, das sie an den den Verband hätte abliefern sollen. Als sie dies drei Monate nicht getan hatte und die Verantwortlichen sie mehrfach gemahnt hatten, ging die Frau zur Polizei und tischte dort eine Räuberpistole auf.

Zwei unbekannte Männer hätten ihr in der Stadt die Stofftasche mit dem Geld geraubt. Das Märchen wiederholte sie bei einer zweiten Aussage bei der Polizei, jedoch mit Änderungen. Zwei Männer auf Fahrrädern hätten ihr das Geld von hinten entrissen. Dabei sei sie gestürzt und hätte sich verletzt. Im Februar berichtigte die Verheiratete sich ein weiteres Mal. Einer der Täter sei vom Rad abgestiegen und habe sie mit einem Messer zur Herausgabe des Geldes gezwungen. Bei einer letzten Berichtigung brachte die, mittlerweile dauerhaft krank geschriebene und arbeitslose Frau „einen Serben“ ins Spiel, bei dem das Geld verschwunden sein soll. Wegen Unterschlagung und Vortäuschens einer Straftat verurteilte das Amtsgericht Tirschenreuth sie zu einem Jahr ohne Bewährung, wogegen sie mit Hilfe von Rechtsanwalt Rouven Colbatz Berufung einlegte.

Vorsitzender Richter Reinhold Ströhle machte der Angeklagten gleich zu Beginn der Verhandlung klar, dass man nicht erkennen könne, was an dem Tirschenreuther Urteil falsch sein solle. Besonders schwer wiege, dass sie die Tat begangen hatte, nachdem sie ein halbes Jahr zuvor zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war. Auch die Tat, wegen der sie diese Verurteilung kassiert hatte, sei eine „üble Sache“ gewesen, so Ströhle. Dass sie über die Berufung ein weiteres Mal Bewährung bekommen werde, sei nicht wahrscheinlich. Nach Besprechung mit ihrem Verteidiger zeigte sich die inzwischen 57-Jährige einsichtig und nahm die Berufung zurück. Staatsanwältin Christina Richter stimmte zu. Das Urteil der ersten Instanz ist somit rechtskräftig.

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