15.07.2020 - 19:43 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Keine Freude: Spaßbad WTW bleibt zu

Die Stadtwerke wissen um die Wünsche und Erwartungen der Besucher in der Weidener Thermenwelt. Doch der Verwaltungsrat kann sie nicht erfüllen: Die Angst vor Corona ist zu groß. Die Entscheidung fällt einstimmig – gegen die Öffnung.

Bereichsleiter Klaus Kunz sperrt wieder zu. Die Weidener Thermenwelt bleibt mindestens bis in den Herbst hinein wegen der Corona-Pandemie geschlossen.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Oberbürgermeister Jens Meyer leitet die außerordentliche Sitzung des Verwaltungsrats am Dienstag. Fast zwei Stunden lang diskutieren die Stadträte mit dem Vorstand der Stadtwerke. Dann fällt der überraschend einstimmige Beschluss: Weiden wagt keine Experimente, sondern setzt bei all den Gefahren der Corona-Pandemie auf maximale Sicherheit, wie Bürgermeister Lothar Höher am Mittwoch mitteilt. Es gebe keine Wahl: Die Weidener Thermenwelt müsse weiter geschlossen bleiben. Ein Hygienekonzept sei nicht umsetzbar.

Aufsperren unverantwortlich

"Als regionaler Versorger und Dienstleister sind wir in erster Linie der Gesundheit und der Sicherheit in der Region verpflichtet, betont Stadtwerkeleiter Johann Riedl. "Gerade für die kommenden Ferienwochen und die Kinder hätten wir uns sehr gewünscht, die WTW jetzt wieder zu eröffnen. Wir konnten dieses Risiko aber nicht für die Bürger eingehen."

Eine Entscheidung sei auch schwierig gewesen, weil fast wöchentlich neue Regelungen für den Umgang mit der Pandemie beschlossen werden. "In einer solch offenen und unsicheren Situation ist für uns völlig klar, das wir keine Experimente auf dem Rücken der Gesundheit unserer Kunden machen. Das wäre für uns unverantwortlich."

Besonders weil die Infektionszahlen in Weiden und der Region in der ersten Welle der Corona-Pandemie sehr hoch waren, entscheid sich der Verwaltungsrat gegen die von vielen bereits ungeduldig geforderte Öffnung der WTW. Einen gute Anteil an dieser Entscheidung hatte auch der neue Bürgerlisten-Stadtrat und Verwaltungsratsmitglied Jürgen Meyer. Der Leiter der Integrierten Leitstelle Nordoberpfalz engagierte sich über Monate hinweg im Corona-Lagezentrum in Neuhaus. Er gab den Stadträten einen "hautnahen, anschaulichen Bericht" über das Corona-Geschehen in der Region, berichtete SPD-Stadträtin Sabine Zeidler. und sie stellt klar: "Die Gesundheit ist unser aller höchstes Gut. Das Virus ist da. Wir dürfen uns nicht in falscher Sicherheit wiegen.Wir wissen nicht, wie sich die Infektionen im Sommer entwickeln, wenn die Menschen aus dem Urlaub zurückkommen."

Im Juni bereitet die Weidener Thermenwelt alles für die Wiedereröffnung vor

Weiden in der Oberpfalz

Kein Spaß möglich

Zwei Stunden Betrieb, dann eine Stunde desinfizieren", bedeuteten für Stadtwerke einen hohen personellen und finanziellen Aufwand. Vorstand Johann Riedl verdeutlicht, dass jeder Besucher nach den Hygienevorschriften mindestens zehn Quadratmeter für sich beanspruche. "Anstatt der 2500 Gäste an guten Tagen könnten wir höchstens 250 Besucher reinlassen. In den Duschen, Umkleiden, Saunen usw. lassen sich die Abstandsvorgaben einfach nicht einhalten. Ein sinnvoller Betrieb ist bei all den momentanen Einschränkungen nicht möglich. Wir sind ein Spaßbad. Doch Spaß können wir derzeit leider nicht bieten", unterstreicht Riedl.

Im Herbst würden Stadtwerke-Vorstand und Verwaltungsrat erneut über die Wiedereröffnung der WTW beraten, kündigt Höher an.

Das Sportbecken wären einsatzbereit. Frisches Thermalwasser ist eingelassen. Die Solaranlage auf dem Dach erwärmt es in den nächsten Tagen bis auf 26 Grad. Allerdings dürfen weiterhin keine Besucher ins Spaßbad.
Kommentar:

Mutig, mutig

Schon bei der Verschiebung der Saunentage für Frauen in der WTW gab’s einst einen Aufschrei, der über Wochen nachhallte. Natürlich ist es gut, dass nun die Besucher der Weidener Thermenwelt drängeln, wieder ins Freizeitzentrum wollen – zumal zunehmend Lockerungen der Corona-Schutzmaßnahmen umgesetzt werden.
Viele sind davon ausgegangen, dass die WTW zur Öffnung ansteht, ähnlich dem nahen Sibyllenbad“, das Gäste empfängt. Aber überraschend beschließen in Weiden die Stadtwerke, die Türen des Bade- und Saunen-Tempels weiter geschlossen zu halten. „Da braucht’s schon einen Arsch in der Hose“, bemerkt Bürgermeister Lothar Höher, als er mit Vorstand und Verwaltungsräten die Entscheidung mitteilt.
Die Verantwortlichen, die vor allem die Gesundheit der Bürger im Blick haben, wissen, was sie erwartet: Unverständnis, Kritik – und die massive Forderung, die WTW zu öffnen. Der Verwaltungsrat stellt sich bei seiner Entscheidung auch vor OB Jens Meyer und den Stadtwerkevorstand, „damit die nicht zur Prallwand der Kritiker werden“, betont FW-Stadtrat Rainer Sindersberger .

Josef Johann Wieder

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