31.07.2020 - 16:24 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Klimawandel frisst unseren Wald

Der Wald um Weiden leidet: Käfernester, Krankheiten, gefräßiges Wild, zu heiß die Temperaturen, zu trocken der Boden. Immer sichtbarer wird der Klimawandel. Erschreckende Beispiele zeigt Stadtförster Winter bei der Waldbegehung.

Die Waldbegehung des Weidener Stadtrats hat Tradition. Stadtförster Wolfgang Winter (Zweiter von links) machte auf die großen Gefahren durch Klimawandel, Käferbefall usw. aufmerksam.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Die Stadt Weiden besitzt zwar kaum noch eigenen Wald. Aber Stadtförster Wolfgang Winter und sein Team sind deshalb längst nicht arbeitslos. Sie betreuen den Wald der Stadtwerke und den der Simultanen Hospitalstiftung sowie die Ausgleichsflächen der Stadt im Ökoausgleichsfond. Bereits 1981 beschloss der Stadtrat die jährliche Waldbegehung, berichtet Oberbürgermeister Jens Meyer bei der Begrüßung. Unter den 22 Stadträten sind auch sechs der neuen Ratsmitglieder. Wie immer ist auch ein Vertreter der Unteren Forstbehörde, Forstdirektor Moritz Neumann, aus Pressath dabei.

Auf der Rennerhöhe, zwischen Weiden und Schirmitz, sind die Stadträte auf vertrautem Terrain. Bereits 2007, nach der maschinellen Durchforstung des Kiefenbestandes waren sie hier. 2017 begutachteten sie die Downhill-Strecke für Mountain-Biker sowie den gelungenen Umbau Mischwald. Sie konnten sich über das "Wachsen ins Holz" der freigestellten Kiefern freuen. "Damals schien die Welt in Ordnung", blickt Winter zurück. Die folgenden trockenen. heißen Sommer haben Spuren hinterlassen: Mehr als die Hälfte der stattlichen Kiefern ist abgestorben; musste herausgenommen werden.

Hitze tötet Kiefern

Die Ursache? "Wir haben keine klaren Antworten", gesteht Winter. Ein ganzer Komplex von Krankheiten (Bakterien, Pilze), Käferbefall, Trockenheit scheine hier das Baumsterben auszulösen. "Wahrscheinlich vertragen die Kiefern die hohen Temperaturen nicht.

Um den Klimawandel dreht sich auch die Waldbegehung 2019

Weiden in der Oberpfalz

Gerade für klimasichere und bodengeeigneten Baumarten werde die "eierlegende Wollmilchsau" gesucht, erklärt Winter. Aussichtsreiche Kandidaten, wie etwa die Libanon-Zeder, seien zu teuer, zu wenig getestet und stünden nicht in großer Menge zur Verfügung. Zugleich sei durch den hohen Wildbestand selbst die Naturverjüngung schwierig: Jungpflanzen würden allenfalls kniehoch: "Dann kommen die Rehe. Nur dort, wo konsequent geschossen wird, geht's." Engagiert gingen Waidmänner mit Eigenjagd (ab 81 Hektar) zu Werke. "Der Freistaat gibt Unsummen für den Waldumbau aus, müsse seine Anpflanzungen vor Wildverbiss schützen." Nur wo die Bejagung klappe, könnten etwa Tannen ungeschützt wachsen.

Wildfütterung unnötig

Den hohen Wildbestand erklärt Winter auch damit, dass es zum Beispiel für das Rehwild keine Notzeiten gebe. Der großflächige Anbau von Mais begründe nicht die Explosion beim Schwarzwild. "Maiskolben gibt's ja nur über sechs Wochen im Jahr". Vielmehr liege er an den vielen Futterplätzen, die die Jäger anlegten, um die Schwarzkittel für den Abschuss anzulocken. Bei den warmen Wintern sei eine Wildfütterung der reine Unsinn. Sie förderten allenfalls das Anwachsen der Wildpopulation.

Blick in die Krone eines durch Käferbefall bereits abgestorbenen und entrindeten Baumes.
Stadtförster Wolfgang Winter hält den Beweis in Händen: Der Waldboden ist im "großen Buchenrangen" über der Blockhütte am Fischerberg staubtrocken.
Hintergrund:

Weitere große Sorgen der Forstwirte

Der Klimawandel bildet sich zunehmend auch in den Wäldern rund um die Stadt Weiden ab.

  • Chancenlos. Der Eichenprozessionsspinner ist auf dem Vormarsch. Jede zweite Eiche ist inzwischen befallen. Die Forstwirte sind bei der Bekämpfung in Beständen chancenlos, betont Forstdirektor Moritz Neumann.
  • Holzpreis. Die Erlöse auf dem Holzmarkt fallen in den Keller. Neumann befürchtet eine Pleitenwelle bei den Forstbetrieben. Stadtförster Wolfgang Winter nennt die Entwicklung bei der Fichte: 2018 kostete ein Festmeter zwischen 85 und 98 Euro. "Heute liegen wir bei 30 Euro."
  • Wassernot. Das langjährige Niederschlagsmittel an der Wetterstation Almesbach (ab 1961) liegt bei 690 Litern. 2018 wurden 491 Liter, 2019 591 Liter und in diesem Jahr 394 Liter erreicht.
  • Nährstoffentzug. Die Böden in der Nordoberpfalz sind eh schon karg genug. Um Biomasse-Anlagen zu füttern, werden auch Äste und Baumkronen aus dem Wald entnommen. Damit verlieren die Böden wichtige Nährstoffen. Winter warnt vor einer Bodenplünderung.
  • Kohlendioxidbilanz. Stadtförster Winter plädiert an alle Bauherren besonders auch an öffentliche Investoren, verstärkt Holz zu verwenden. Bei verbautem Holz bleibe Kohlendioxid auf viele Jahre gebunden. Bereits durch Käferbefall entrindete und damit tote Bäume empfiehlt Winter in den Beständen zu lassen. Wichtiger sei die penible Kontrolle der umstehenden Bäume.

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